Ubahn, Corona

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Science

Dramatischer Rückgang der Öffi-Nutzung in Österreich

Die Corona-Pandemie sowie die diversen Lockdowns der vergangenen 13 Monate haben das Mobilitätsverhalten der Österreicher*innen nachhaltig verändert.

Wie die vom A1-Start-up Invenium für die futurezone ausgewerteten Bewegungsdaten zeigen, blieb die Bevölkerung bei den harten Lockdowns im November, Dezember sowie seit Ostern in der Ostregion zwar weniger oft zuhause als beim 1. Lockdown ab März 2020. Durch die verordnete "Osterruhe" allein in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland sank die Mobilität österreichweit aber dennoch wieder auf unter 60 Prozent des Normalwerts vor der Pandemie.

Extremer Öffi-Rückgang

Besonders dramatische Spuren haben die Pandemie und die Schutzmaßnahmen beim öffentlichen Verkehr hinterlassen. Home Office, Fernunterricht von zuhause sowie ausbleibende Touristen führten in Kombination mit Lockdowns und der Angst vor Ansteckung zu einem Rückgang bei der Öffi-Nutzung, der laut dem Verkehrswissenschaftler Michael Cik von Invenium so schnell wohl nicht wieder aufzuholen sein wird.

„Realistischerweise wird es wohl bis Ende 2023, Anfang 2024 dauern, bis wir das Niveau von vor der Pandemie erreichen werden“, sagt Cik zur futurezone. Beim ersten Lockdown im März 2020 war die Öffi-Nutzung im Wochenschnitt um bis zu 85 Prozent zurückgegangen. Aktuell haben nicht zuletzt die Maßnahmen in der Ostregion dazu geführt, dass im Vergleich zu Vor-Pandemiezeiten österreichweit um mehr als die Hälfte weniger mit Bahn, Bus und U-Bahn gefahren wird.

Bevölkerung steigt aufs Auto um

Dass die Nutzung klimaschonender Mobilitätsmittel einen nachhaltigen Schaden genommen hat, zeigt auch, dass der motorisierte Individualverkehr nicht den selben massiven Rückgang erlebte - im Gegenteil. Den Bewegungsdaten zufolge befindet sich dieser teilweise schon wieder auf ähnlichem Niveau wie vor der Krise. Diesen Befund unterstreichen auch die Daten aus dem Sommer und Herbst, wo es weder Lockdowns noch besonders alarmierende Infektionszahlen gab.

"Es wird wohl bis Ende 2023 dauern, bis wir bei der Öffi-Nutzung das Niveau von vor der Pandemie erreichen werden"

Michael Cik | Verkehrswissenschaftler, Invenium

Betrug das Minus im Sommer zwischen 40 und 50 Prozent wurde selbst am Höhepunkt der Öffi-Nutzung bei Schulbeginn im September 2020 um ein Drittel weniger öffentlich gefahren als noch vor der Pandemie. "Um wieder eine so hohe Akzeptanz des öffentlichen Verkehrs zu erreichen wie Anfang 2020 wird es wohl auch von der Politik Maßnahmen brauchen", ist Cik überzeugt.

Lockdowns zeigen weiterhin Wirkung

Viel war zuletzt auch darüber diskutiert worden, dass Lockdowns nichts mehr bringen, um das Infektionsgeschehen zu beeinflussen. Die von Invenium ausgewerteten Daten stützen diese Hypothese allerdings nicht. "Zwar stimmt es, dass der erste harte Lockdown sich stärker auf das Bewegungsverhalten der Bevölkerung ausgewirkt hat. Wie die aktuelle Zahlen zeigen, haben aber auch der 3. Lockdown nach Weihnachten sowie der Lockdown der Ostregion signifikant zur Reduktion der Mobilität beigetragen", sagt Invenium-CEO Mario Mayerthaler zur futurezone.

Das lässt sich auch an normalerweise stark frequentierten Orten in den Städten ablesen. Hielten sich am Ostersamstag im Jahr 2019 (20. April) fast 120.000 Menschen auf dem Stephansplatz auf, sank dieser Wert im Folgejahr bei ähnlich schönem Wetter (11. April) um 94 Prozent auf 7.400. Am heurigen Ostersamstag (03. April), der allerdings auch von niedrigeren Temperaturen als in den Vorjahren geprägt war, stieg die Zahl gerade einmal auf 18.000 Besucher*innen - immer noch ein Minus von 85 Prozent im Vergleich zu 2019.

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Martin Stepanek

martinjan

Erste Computer-Begegnung: Macintosh 128k (1984). Erster eigener Computer: Atari 520ST. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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