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Forschung Drohnen: Von “Killing Machines” zu “Healing Machines”.

Drohnen könnten zu Lebensrettern werden
Drohnen könnten zu Lebensrettern werden - Foto: AP/Nati Harnik
Das Liefern mit Flugdrohnen stellt in Gebieten mit schlecht ausgebauter Infrastruktur oder nach Naturkatastrophen eine wertvolle Chance dar.

Beim Begriff “Flugdrohne” dachten viele bis vor wenigen Jahren noch in erster Linie an die militärischen Versionen der unbemannten Fluggeräte. Besonders Einsätze des US-Militärs mit derartigen Geräten sorgten damals unter dem Stichwort “Drohne” für Schlagzeilen. Mittlerweile ist der Begriff wieder positiver besetzt. Drohnen werden für spektakuläre Luftaufnahmen genutzt und Unternehmen wie Amazon oder DHL wollen damit sogar ihre Waren zustellen.

Doch nicht nur für das Zustellen von bestellten Waren können Drohnen eine wertvolle Hilfe sein. Besonders in Gebieten mit schlecht ausgebildeter Infrastruktur, wie etwa in Entwicklungsländern, könnten mit Drohnen dringend benötigte Güter wie etwa Medikamente schnell und zuverlässig zugestellt werden. Auch bei zerstörter Infrastruktur nach Naturkatastrophen könnten Drohnen ein wertvolles Werkzeug sein, um durch die Lieferung von dringend benötigten Gütern zu erleichtern. Ein entsprechendes Projekt ist mit Zipline bereits in Ruanda gestartet.

Vernetzung

Christian Bettstetter ist Professor an der Universität Klagenfurt und leitet dort das Institut für vernetzte und eingebettete Systeme an der Fakultät für Technische Wissenschaften. Im Zuge der Imagine-Konferenz wird er am Dienstag zum Thema drohnenbasierte Lieferdienste sprechen. Im Rahmen seiner Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit dem Einsatz von Drohnen in Katastrophenszenarien. “Beim Wort Drohnen denken viele Menschen an Militärdrohnen, sogenannte ‘Killing Machines’. Wir nennen sie im Zuge unserer Forschung ‘Healing Machines’”, so Bettstetter im Gespräch mit der futurezone.

Der Wissenschaftler erforscht etwa, auf welche Art und Weise die Drohnen im optimalen Fall miteinander kommunizieren. Hier gilt es neben Reichweite auch die Zuverlässigkeit zu steigern, während die Latenz möglich gering gehalten werden soll.

Konkret beschäftigt sich Bettstetter mit Algorithmen. “Wenn man 100 Fluggeräte hat, die Dinge ausliefern, braucht man eine gewisse Schwarmintelligenz. Sonst wüssten die Drohnen nicht, wo sie hinfliegen sollen”, so der Wissenschaftler. Bettstetter und sein Team experimentieren dabei mit verschiedenen Koordinationsalgorithmen. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Stabilität des Systems. “Sagen wir, ein System funktioniert gut mit 100 Drohnen. Nimmt man jedoch eine weg, kann es sein, dass alles zusammenbricht.” Da das gerade bei Fluggeräten jedoch immer wieder vorkommen kann, ist ein derartiges System nur bedingt brauchbar. Ein stabileres System geht etwa auf Kosten der Effizienz. “Das ist ein Trade, den man sich überlegen muss”, so Bettstetter.

“Amazon meint es ernst”

Bettstetter glaubt aber auch, dass die Zustellung per Drohnen abseits von Krisen- und Katastrophengebieten zukünftig Standard sein wird. Die Pläne vom Versandriesen Amazon sieht er als mehr als einen bloßen Marketing-Gag. “Ich glaube, Amazon meint es ernst. Das wird kommen, da bin ich mir sicher”, so der Wissenschafter.

Eine der wichtigsten Fragen beim breiteren Einsatz von Drohnen ist wohl die, der Sicherheit. “Wenn Menschenleben gerettet werden, wird ein gewisses Sicherheitsrisiko in Kauf genommen”, so Bettstetter. “Wenn es um den kommerziellen Einsatz geht, ist sicher noch viel zu tun”, so der Forscher.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer entgeltlichen Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit). 

(futurezone) Erstellt am 19.06.2017, 06:00

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