CORONAVIRUS: PK SOZIALMINISTERIUM "CORONAKRISE IN ÖSTERREICH - RÜCKBLICK UND AUSBLICK": ANSCHOBER / DROSTEN

© APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGER

Science
06/17/2020

Drosten: Zweite Welle könnte bereits im Hintergrund anlaufen

Gesundheitsminister Anschober appelliert gemeinsam mit dem Virologen an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung.

von Franziska Bechtold

In einer Pressekonferenz zur Coronakrise in Österreich sprachen Gesundheitsminister Rudolf Anschober und die Virologen Elisabeth Puchhammer (MedUni Wien), Herwig Ostermann (Geschäftsführer Gesundheit Österreich) und Christian Drosten (Charite Berlin) über die aktuelle Situation in Europa. Einig waren sich die Experten vor allem darüber, dass die Coronavirus-Pandemie nicht vorbei ist, sondern dass man sich auf eine neue Herausforderung im Herbst vorbereiten muss. 

Insbesondere bei der Öffnung der Schulen nach den Sommerferien sieht Drosten einen potenziellen Risikofaktor. Hier könnten sich schnell neue Ausbrüche einschleichen. "Einige wissenschaftliche Studien dazu werden derzeit so interpretiert, als könnte man alles öffnen. Allerdings wurden diese Studien zu einem Zeitpunkt gemacht, als die Schulen gar nicht offen waren", so Drosten. Man müsse jedenfalls davon ausgehen, dass Kinder ebenso infektiös sind wie Erwachsene. Daher seien umfangreiche Tests und Screenings an Bildungs- und Pflegeeinrichtungen besonders wichtig, um eine zweite Welle zu verhindern. 

Kein Verlass auf Sommereffekt

Gerade um diese zweite Welle herum gebe es viele offene Fragen, so Drosten. So könne es sein, dass trotz geringer Neuinfektionen in Österreich und Deutschland im Hintergrund bereits eine zweite Welle anläuft, ohne dass man es merkt. Eigentlich habe man angenommen, dass der sogenannte Sommereffekt zu tragen käme, bei dem steigende Temperaturen und vermehrtes Aufhalten im Freien Ansteckungen vermindern könnten, so Drosten. 

Allerdings zeige die Situation in den amerikanischen Südstaaten, dass die warmen Regionen durchaus massiv vom Virus betroffen sind. Zudem gebe es bestimmte Personenkreise, die ihre Erkrankung verstecken und es daher zu Meldeverzögerungen komme. Man sei blind dafür, was in der Bevölkerung passiert.

Verantwortung und Mithilfe

Anschober zeigt sich optimistisch, die zweite Welle verhindern zu können, vorausgesetzt die Österreicher zeigen Solidarität und Verantwortungsbewusstsein. Daneben seien noch 2 weitere Faktoren entscheidend: Contact-Tracing und die Bereitschaft, die Notbremse zu ziehen, sollten die Neuinfektionen wieder stark zunehmen. Dabei betonte Anschober wiederholt, dass es sich dabei nicht um einen neuen Lockdown handle, sondern um das erneute Verschärfen einzelner Maßnahmen.

Zudem appellierte er an die Bevölkerung, mit der "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes das Kontaktpersonenmanagement zu erleichtern. Die Einschätzung, es würde nun Schritt für Schritt Normalität entstehen, halte er für die vielleicht "gefährlichste Fehleinschätzung überhaupt". 

Vorbereitungen für Herbst laufen

Um sich auf den Herbst mit aller Kraft vorzubereiten führe man derzeit eine wissenschaftliche Evaluierung durch, welche Maßnahmen und Reaktionen der Regierung sich positiv auswirkten und wo noch nachgebessert werden müsse. Hier nannte Puchhammer vor allem die lange Auswertungs- und Verwaltungszeit beim Testen von potenziellen Erkrankten als Problem. Zudem wolle man in Risikobereichen wie Pflegeheimen zusätzliche Tests einführen.

Mit der zeitnahen Reaktion in Österreich und Deutschland zeigten sich Anschober und Drosten zufrieden. Anschober habe die frühen Lockerungen der Corona-Maßnahmen kritisch gesehen, dass es keine negativen Auswirkungen gab, sei eine Überraschung gewesen. Die Zahl der Erkrankten sei immer weiter zurückgegangen. In den vergangenen 24 Stunden wurden nur 14 Neuinfektionen und 417 aktive Erkrankten verzeichnet. Das sei zwar positiv zu bewerten, dürfe aber nicht täuschen. 

Wenn eine mögliche zweite Welle eine kritische Masse an Infizierten erreicht habe, sei es schwer, sie wieder zu stoppen, sind sich Anschober und Drosten einig. Daher sei das Risikobewusstsein der Bevölkerung eine wichtige Voraussetzung dafür, im Herbst nicht wieder mit harten Maßnahmen reagieren zu müssen.

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