Der Corona-PCR-Nachweis läuft über Abstriche aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum, der potenziell Virus-Erbgut enthalten kann.

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Science
06/12/2020

Keine Infizierten bei dritter Corona-Stichprobe in Österreich

Experten vermuten, dass die Dunkelziffer der Infizierten bei höchstens 3.000 Personen liegt.

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus nehmen in Österreich deutlich ab. Das ergab auch die dritte in Österreich vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebene repräsentative Stichprobenuntersuchung auf eine SARS-CoV-2-Infektion. Sie ergab keinen positiven Fall. 1.279 Teilnehmer hatten sich dafür vom 26. bis 30. Mai PCR-Testungen unterzogen. Nach offiziellen Angaben des Innen- und Gesundheitsministeriums vom Freitag wiederum sind aktuell noch 404 Personen am Coronavirus erkrankt.

Die erste Stichprobenuntersuchung Anfang April hatte sechs positive Fälle ergeben, die Ende April durchgeführte zweite eine. Dass es nun keinen neu identifizierten Fall gab, passe gut in das Bild, das sich Ende Mai auch im Epidemiologischen Meldesystem (EMS) zeigt", erklärte Matea Paskvan, Studienprojektleiterin der Statistik Austria, der APA - Austria Presse Agentur am Freitag. Die Studie beweise einmal mehr, dass die gesetzten Maßnahmen richtig gewesen seien.

Dunkelziffer bei höchstens 3.000

Trotz der fehlenden Fälle in der Stichprobe wagen die Experten, die die Studie in Zusammenarbeit mit Rotem Kreuz und der Medizinischen Universität Wien im Auftrag des Wissenschaftsministeriums durchgeführt haben, eine Abschätzung der Dunkelziffer. Diese Berechnungen seien unter bestimmten Annahmen eingeschränkt möglich. Unter Berücksichtigung aller Parameter liege die Dunkelziffer bei höchstens um die 3.000 Personen.

Aktuell kamen im Tages-Vergleich 30 Corona-Erkrankte in Österreich dazu, der Stand am "Fenstertag" lag bei offiziell 17.064. 675 Menschen davon sind am oder mit dem Virus verstorben, 15.985 wieder genesen. Von nur noch 69 Patienten in Krankenhaus-Behandlung befanden sich mit Stand 9.30 Uhr noch neun in Intensivbehandlung. Mit 20 neuen Fällen kamen genau zwei Drittel aus Wien, acht aus Niederösterreich sowie je einer aus Oberösterreich und der Steiermark.

Mehr als 800.000 Infizierte in Brasilien

Aus internationaler Sicht ist Brasilien drauf und dran, Großbritannien in der Anzahl der Corona-Todesfälle auf Rang zwei abzulösen. Mit offiziell 1.239 in einem 24-Stunden-Fenster Verstorbenen hat das größte südamerikanische Land bei 40.919 Corona-Toten nur noch um 445 weniger als Großbritannien. Bei Anhalten der Entwicklung wird Brasilien die Briten am Samstag überholen. Indes sind in Brasilien mehr als 800.000 Menschen vom Virus infiziert worden. In ganz Lateinamerika wurde die Marke von 1,5 Mio. überschritten.

Nach der Infizierten-Anzahl ist Großbritannien am Freitag hinter Indien mit mehr als 297.000 registrierten Fällen auf Rang fünf verdrängt worden. Das mit 1,3 Mrd. Einwohnern zweitbevölkerungsreichste Land der Welt hat noch die USA, Brasilien und Russland vor sich. Die Zahl der Infektionen im Land ist jüngst rasch angestiegen - mit wiederholt rund 10.000 neuen Fällen pro Tag. Trotzdem lockert das Land die Maßnahmen zusehends - inzwischen sind Büros, religiöse Stätten, Restaurants und Shoppingzentren wieder offen.

Armut in Indien

Durch den "Lockdown" in Indien wurden Millionen Menschen arbeitslos, viele haben Angst zu verhungern. In der Hauptstadt Neu Delhi und Mumbai als der reichsten Stadt des Landes gehen die Krankenhausbetten aus, und Berichten zufolge werden Menschen mit Covid-19-Symptomen abgewiesen. Experten gehen davon aus, dass die Fallzahlen in Indien in den kommenden Wochen weiter schnell zunehmen werden.

Ganz anders die Situation in Australien, wo man dem nun offiziell corona-freien Neuseeland nacheifert. Nach Einschätzung von Experten hat Australien die Pandemie im Griff. In der zurückliegenden Woche seien nur 38 Fälle bekanntgeworden, wobei mehr als die Hälfte davon auf aus Übersee zurückkehrende Reisende entfielen, sagt der oberste Gesundheitsberater der Regierung, Brendan Murphy. Ministerpräsident Scott Morrison hatte vor einigen Tagen einen Drei-Stufen-Plan angekündigt, um die meisten Sperrmaßnahmen bis Juli aufzuheben.

Generell ist allerdings zu befürchten, dass die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie UN-Forschern zufolge weitere 395 Millionen Menschen in extreme Armut stürzen könnten. Die Gesamtzahl der Menschen, die weltweit von weniger als 1,90 Dollar (1,67 Euro) pro Tag leben, könne damit auf mehr als eine Milliarde steigen, geht aus einem am Freitag veröffentlichten Studie der Universität der Vereinten Nationen hervor.