Virologe Christian Drosten: "Da bin ich sehr zuversichtlich"

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Science
09/22/2020

Drosten wünscht sich Schnelltests in jeder Pfütze

Der deutsche Virologe Christian Drosten über die Eigenverantwortung jedes Bürgers, eine zweite Welle zu verhindern.

In vielen Ländern wie Spanien, England, Frankreich oder Österreich steigen die Corona-Infektionen wieder stark an. Viele Menschen befürchten eine zweite Welle. Die zu verhindern, daran spielt grundsätzlich aber jeder Einzelne eine Rolle. In einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärt der bekannte deutsche Virologe Christian Drosten, dass eine Welle grundsätzlich nichts Unausweichliches sei. „Wir sind alle die Welle. Das ist genau wie bei einem Stau, von dem jeder Autofahrer ein Teil ist“, sagt er. Wer bereits früh gewarnt würde, könne entscheiden, welchen Umweg er nimmt. Im Corona-Fall bedeutet es, sich selbst und damit andere zu schützen.

Effektiv seien prinzipiell zwei miteinander kombinierte Maßnahmen, wie eine Studie von James Lloyd Smith zur Sars-Epidemie 2002 gezeigt habe: Das Maskentragen durch den einzelnen Bürger und das Eindämmen von Superspreading-Events, kontrolliert durch die Gesundheitsämter. Gegner der Maskenpflicht hätten dabei einen nur geringen negativen Einfluss: Diese Maßnahmen funktionieren laut Drosten auch dann gut, wenn nicht jeder Mensch mitmacht, sehr wohl aber die Mehrheit.

Schnelltests im Herbst

Auch Schnelltests spielen einen wesentlichen Faktor zur Kontrolle der Pandemie. Aktuell arbeitet Christian Drosten und sein Team an Schnelltests für Sars-CoV-2, die möglichst noch im Herbst  verfügbar sein sollen. Der Virologe wünscht sich, dass diese bald in der Menge in den Pfützen liegen, wie aktuell die Masken – also weit verbreitet und für jeden zugänglich sind. Die Teststreifen seien ein wichtiger Faktor zur Kontrolle der Epidemie.

Auch wird Drosten mit der baldigen Veröffentlichung seiner überarbeiteten Studie zur Corona-Übertragung zeigen, wie PCR-Tests mit der eigentlichen Infektiosität korrelieren. „Das heißt, wir können jetzt nicht mehr nur sagen, ob jemand infiziert ist, sondern auch, ob er zum Zeitpunkt des Tests eine infektiöse Virusdosis trug“, sagt er. Labore können somit jetzt schon die Ansteckungsgefahr einer Person einschätzen. Dafür müsse jedoch noch ein sogenannter "Korridor" festgelegt werden. Weist ein PCR-Test demnach eine große Virusdichte nach, war der Patient mit großer Wahrscheinlichkeit zum Zeitpunkt der Probeentnahme infektiös. Ein wichtiger Indikator: In weiterer Folge bedeutet das, dass Menschen, die mit diesem Patienten Kontakt hatten, umgehend in Quarantäne gehen sollten. „Wessen Testergebnis unterhalb eines bestimmten Korridors liegt, der ist zwar infiziert, aber nicht mehr infektiös und stellt eher kein großes Risiko dar“, so der Virologe. 

Kinder übertragen

Auch zum Thema "Infektionsgeschehen durch Kinder" hat sich Drosten wieder geäußert. Ihm zufolge kursierte lange Zeit die Meinung, dass sie kaum daran beteiligt seien. "Wir konnten jedoch in einer Studie als erste zeigen, dass Kinder etwa eine gleich große Menge Viren mit sich herumtragen wie Erwachsene und daher möglicherweise eine vergleichbare Ansteckungsgefahr von ihnen ausgeht. Diese Studie wurde unter Missachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht medial teils falsch dargestellt und völlig ungerechtfertigt skandalisiert. Das hat dann einen rationalen, lösungsorientierten Austausch zur Sache erschwert", sagt er.

Bislang wurde die Studie nicht veröffentlicht, und wird nun ausgebaut. "Inzwischen haben wir Daten aus sechs Monaten statt sechs Wochen gesammelt und können jetzt sehr wichtige zusätzliche Aussagen treffen, die bisher unbekannt waren".

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