Mit 1. September werden auch 40-Watt-Glühbirnen verboten.
© dpa-Zentralbild/Jens Büttner

EU-Richtlinie

Endgültiges Aus für die 40-Watt-Glühbirne

Selten hat eine EU-Verordnung für einen derartigen öffentlichen Proteststurm gesorgt wie das Anfang 2009 beschlossene schrittweise Aus der Glühbirne. Den Anfang machte im September 2009 die 100-Watt-Glühbirne. In den nachfolgenden Jahren verschwanden auch die 75- und 60-Watt-Glühbirne, unter anderem begleitet von einem Protestsong, dem erfolgreichen, aber auch nicht unumstrittenen Dokumentar-Film „Bulb Fiction“ sowie kreativen Händlern, die das Import-Verbot zu umgehen

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Energiesparlampe unter Beschuss
Neben den immer wieder vorgebrachten Anschuldigungen, die EU habe die Verordnung auf Druck der Industrie beschlossen, um dieser eine neue Einnahmequelle bescheren, sorgte vor allem die als Alternative angepriesene Energiesparlampe für viel Unmut. Neben der teilweise mangelnden Lichtqualität mussten sich die EU-Verantwortlichen den Vorwurf gefallen lassen, mit den Quecksilber-haltigen Energiesparlampen künstlich eine gesundheits- und umweltgefährdende Zeitbombe geschaffen zu haben.

„Dass Leute sehr negativ reagieren, wenn man etwas verbietet, liegt auf der Hand“, meint der Grüne Umweltreferent Lukas Hammer im Gespräch mit der futurezone. Der Vorwurf, die Richtlinie sei eine Idee der Industrie gewesen, kann Hammer allerdings nicht nachvollziehen. „Viele übersehen, dass die Lampenverordnung nur ein Mosaikstein bei der Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie ist. Diese schreibt für eine Vielzahl von Produktkategorien von Waschmaschinen bis Kühlschränken und Elektronikgeräten Mindeststandards in der Energieeffizienz fest und war mit Sicherheit kein Wunsch der Industrie“, so Hammer.

Energiesparen als übergeordnetes Ziel
Auch bei der österreichischen Energieagentur sieht man die umstrittene Maßnahme als Teil des Gesamtpakets, das den Energieverbrauch in der EU drastisch senken soll. „Das Energie-Einsparpotenzial einer einzelnen Lampe ist für sich betrachtet natürlich gering“, meint Thomas Bogner im Gespräch mit der futurezone. „Wenn aber in Millionen Haushalten der Energieverbrauch durch Maßnahmen wie energiesparende Lampen, stromsparenden Standby-Betrieb und effiziente Haushaltsgeräte gesenkt werden kann, ist die Summe des Ganzen in diesem Fall tatsächlich mehr als die einzelnen Teile“, unterstreicht Bogner.

Im Gegensatz zu Kühlschränken und anderen Haushaltsgeräten, bei denen die EU ebenfalls eine Reihe von ineffizienten Geräten vom Markt verbannte, sei eine Lampe in den vergangenen Jahrzehnten immer als Verschleißprodukt verstanden worden, das man bei einem Einkauf ohne großes Nachdenken mitgekauft habe. „Durch den höheren Preis und die doch recht unterschiedliche Qualität von Halogen-, Energiespar- und LED-Lampen müssen sich Konsumenten aber nun mit dem Angebot stärker auseinandersetzen“, sagt Bogner.

Glühbirnen-artiges Licht als Herausforderung

Mehrere Faktoren zu berücksichtigen
Anders als bei herkömmlichen Glühbirnen spielt die Qualität der Produkte bei Energiesparlampen und LED-Leuchten eine ungemein wichtigere Rolle. Besonders günstige Produkte sind mit Vorsicht zu genießen. Um etwa bei Energiesparlampen eine mit Glühbirnen vergleichbare Qualität zu erreichen, muss auf die Farbwiedergabe, Farbtemperatur, Anlaufzeit und die Anzahl der Schaltzyklen geachtet werden. Die Farbtemperatur sollte im Bereich 2700-3300K (warmweiß bis neutral-weiß) liegen. Bei der Farbwiedergabe empfiehlt sich ein Mindestwert von 85 bis 90 Prozent.

Um schnell die volle Leuchtkraft ausnutzen zu können, sollte die Lampe eine Anlaufzeit von unter 30 Sekunden aufweisen. Je nach Einsatzort sind die maximalen Schaltzyklen wichtig. Sehr gute Lampen können bis zu 70.000-mal ein- und ausgeschaltet werden. Wird die Lampe ohne Zeitschalter genutzt, genügt ein Wert von 30.000 Schaltzyklen. Bei LED-Lampen gelten ähnliche Richtwerte.

Debatte um Quecksilber-Gehalt
Der wiederholt heftig kritisierte Quecksilbergehalt von Energiesparlampen sieht Umweltreferent Hammer ebenfalls differenziert. „Dass diese Lampen Quecksilber enthalten ist unbestritten. Andererseits betragen die Mengen im Normalfall in einer Lampe zwischen 1,4 bis 2,5 Milligramm, die Höchstgrenze liegt bei 5 Milligramm. Die jahrzehntelang verbreiteten Fieberthermometer hatten allerdings im Normalfall mit einem Gramm Quecksilber die 500- bis 1000-fache Menge inkludiert.“

Dazu komme, dass die größte Quecksilberbelastung der Umwelt in Europa traditionellerweise durch Kohlekraftwerke verursacht werde. „Für eine Gesamtbilanz muss natürlich auch dieser Umstand berücksichtigt werden. Weniger Stromverbrauch bedeutet in all den europäischen Ländern, in denen Kohlekraftwerke im Einsatz sind, dass diese Emissionen gesenkt werden können und somit auch die Quecksilber-Bilanz gesamt gesehen positiv ausfällt“, so Hammer.

Energiesparlampe als Übergangslösung
Dass die Energiesparlampe aufgrund des Quecksilbergehalts und anderen Nachteilen maximal eine Übergangslösung darstellt, steht für Hammer allerdings außer Frage. „Bei aller – teils auch berechtigter Kritik – steht außer Frage, dass die Ökodesign-Richtlinie einen unglaublichen Innovationsschub in Richtung stromsparender Beleuchtungstechnologien wie etwa LED-Lampen oder verbesserter Energiesparlampen geführt hat.“ Von den notwendigen Entwicklungserfolgen in diesem Bereich werde man schon bald profitieren.

Wem das Licht von Energiesparlampen nicht zusagt und die neuartigen LED-Lampen noch zu teuer sind, hat zumindest in den kommenden Jahren mit Halogen-Lampen noch eine Alternative. Während Energiespar- und LED-Lampen bis zu 70 Prozent an Strom im Vergleich zu Glühbirnen einsparen, kommen Halogen-Lampen immerhin noch auf einen Wert von 20 bis 40 Prozent. Von der Lichtqualität und der möglichen Farbwiedergabe kommen Halogenleuchten der herkömmlichen Glühbirne derzeit noch am nächsten.

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