Science
17.05.2015

Fehlschläge belasten Ruf russischer Raumfahrtbehörde

Probleme mit ISS-Frachter und „Notfall“ mit Trägerrakete reihen sich in Pannenserie ein. Premier Medwedew forderte Namen der Verantwortlichen.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat am Wochenende zwei Fehlschläge in Folge einstecken müssen. Zunächst sorgte eine Panne am Antriebssystem eines „Progress“-Weltraumfrachters am Samstag für Steuerprobleme der Internationalen Raumstation ISS. Nur Stunden später wurde bei einer „Notfallsituation“ mit einer „Proton-M“-Trägerrakete ein mexikanischer Satellit zerstört.

Laut Roskosmos trat etwa acht Minuten nach dem Start der „Proton-M“-Rakete mit einem mexikanischen Satelliten vom Weltraumbahnhof im kasachischen Baikonur eine „Notfallsituation“ ein. Der Kommunikationssatellit „MexSat-1“ wurde dabei zerstört. Die staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete, die Bodenkontrolle habe den Kontakt zur Rakete verloren, als der Satellit sich von der dritten Raketenstufe trennen sollte. Das Manöver in 161 Kilometern Höhe schlug fehl, die Raketenstufe und der Satellit verglühten laut Raumfahrtbehörde anschließend „beinahe vollständig“ in der Atmosphäre.

Kommission soll prüfen

Trümmer des mit mehreren Tonnen giftigem Treibstoff beladenen Fluggerätes gingen in der Nähe der sibirischen Stadt Tschita zu Boden, hieß es aus Kreisen der russischen Raumfahrtindustrie. Laut Notfallbehörde wurde niemand verletzt. Roskosmos teilte mit, eine Kommission werde den Vorfall mit Russlands wichtigster Trägerrakete untersuchen und „entsprechende Entscheidungen“ treffen.

Einem Mitarbeiter zufolge bleiben bis zur Klärung der Ursache alle „Proton-M“-Raketen am Boden.
Der Transport ausländischer Satelliten ist für Russland ein Millionengeschäft, weswegen durch den Vorfall empfindliche Einbußen drohen. Ministerpräsident Dmitri Medwedew wies Roskosmos-Chef Igor Komarow an, den Schuldigen für den Verlust des Satelliten zu finden. Medwedews Sprecherin sagte laut der Nachrichtenagentur Interfax, der Ministerpräsident wolle die Namen aller, die eine „persönliche und materielle Verantwortung für diesen Zwischenfall“ trügen. Erst vergangenes Jahr hatte der vorherige Vorsitzende der Raumfahrtbehörde wegen mehrerer Pannen seinen Posten räumen müssen.

Ursache ungeklärt

Der Unfall beim Start des Satelliten ereignete sich nur Stunden nachdem es an der Internationalen Raumstation ISS Probleme mit einem „Progress“-Weltraumfrachter gegeben hatte. Nach Angaben von Roskosmos zündete das Triebwerk des an die ISS angedockten Frachters aus ungeklärter Ursache nicht, als dieser die Raumstation eigentlich in einen höheren Orbit hätte bringen sollen. Wladimir Solowjow, Flugdirektor des russischen Teils der ISS, sagte der Nachrichtenagentur TASS, ein neuer Versuch des für die Rückkehr der Raumfahrer notwendigen Manövers sei für die Nacht auf Montag vorgesehen.

Durch die Pannenserie ebenso wie durch den Kontrollverlust über einen weiteren „Progress“-Frachter auf dem Weg zur ISS, der Anfang Mai in der Erdatmosphäre verglühte, hat das Ansehen von Roskosmos in jüngster Zeit gelitten. RIA Nowosti nannte die drei Vorfälle binnen drei Wochen einen „Negativrekord“ für die Raumfahrtbehörde, die seit dem Ende des US-Space-Shuttle-Programms ein Monopol auf Transportflüge zur ISS hat.

Die britische Sängerin Sarah Brighton, die eigentlich von Baikonur zu einem zehntägigen Weltraumausflug starten sollte, hatte ihre Reise am Mittwoch unter Verweis auf „familiäre Gründe“ abgesagt. Russische Medien spekulierten darüber, ob Brighton möglicherweise aus Furcht vor einem Unfall den Flug abgeblasen hatte.