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Science
01/24/2020

Forscher bringen 3.000 Jahre alte Mumie zum Sprechen

Mit einem CT-Scanner und einem 3D-Drucker konnten Wissenschaftler eine Mumie sprechen lassen.

3.000 Jahre lang hatte niemand die Stimme des ägyptischen Priesters Nesyamun gehört. Nun haben Wissenschaftler der Universität London seinen Vokaltrakt reproduziert. Dafür unterzog man die Mumie einer Computertomographie. Anschließend reproduzierten die Forscher Rachenraum, Mundhöhle und Nasenhöhle mithilfe eines 3D-Druckers.

Die Mumie von Nesyamun ist besonders gut erhalten. Er war Priester unter Ramses XI zu Beginn des 11. Jahrhunderts. 1823 wurde seine Mumie nach Großbritannien gebracht. Dort fand man heraus, dass Nesyamun mit 50 Jahren starb. Als Todesursache wird eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich in die Zunge vermutet. Die hat über die Jahre allerdings an Muskelmasse verloren und der Gaumensegel fehlte. Diesen mussten die Forscher rekonstruieren. 

Der Vokaltrakt wurde nach dem Vorbild der Computerscans erstellt

Nesyamun während der Computer Tomographie

Nesyamuns Name, wie er auf seinem Sarkophag geschrieben steht

Der künstliche Vokaltrakt wurde an einen elektrischen Kehlkopf und einen Lautsprecher angeschlossen. "Wenn dieser Ton von Nesyamun produziert würde, würde er Luft aus der Lunge über seinen Kehlkopf ausatmen. Dort würden seine Stimmlippen vibrieren, damit dieser Effekt auftritt", sagte David Howard, Mit-Autor der Studie gegenüber The Guardian

"Äh" und "Eh"

Der reproduzierte Ton gibt wieder, wie sich Nesyamun nach seiner Mumifizierung im Grab anhören würde. Zu hören ist ein Ton zwischen "äh" und "eh". Laut Howard wäre seine Stimme aus moderner Sicht leicht höher als die eines durchschnittlichen Mannes.

Im Paper schreiben die Wissenschaftler, dass nach dem altägyptischen Glauben Verstorbene wieder zum Leben erwachen, wenn man ihren Namen spricht. Gemeint ist mit "erwachen" ihr Übertritt ins Totenreich. In Nesyamuns Sarkophag-Inschrift bittet dieser darum, nach seinem Tod reden zu können, um zu den Göttern zu sprechen. Diesen Wunsch konnten die Wissenschaftler ihm zu einem gewissen Grad erfüllen.

Die Methode soll künftig auch bei anderen sterblichen Überresten angewandt werden. Studienautor John Schofield möchte der Öffentlichkeit so ermöglichen, sich neu mit Geschichte auseinanderzusetzen: "In ein Museum zu gehen und eine 3.000 Jahre alte Stimme zu hören wäre etwas, an das sich Menschen lange erinnern würden", sagte er dem Guardian. Im nächsten Schritt soll der Vokaltrakt so bewegt werden können, dass die Wissenschaftler erst Vokale, dann ganze Wörter formen können.

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