Science
23.12.2016

"Früher am Mond, als Elon Musk auf dem Mars"

Das finnische Unternehmen Reaktor Space will mit Nanosatelliten neue Anwendungen im Internet der Dinge ermöglichen und auch bei der Besiedlung des Mondes mitwirken.

Sie sind nur etwas größer als ein Schuhkarton und wiegen knapp vier Kilogramm. Anfang 2017 sollen die beiden Nanosatelliten Aalto-1 und Aalto-2 in den Orbit geschossen werden. Dort sollen sie im Auftrag von Unternehmen zur Erdbeobachtung und zur Datenübertragung in entlegenen Gebieten zum Einsatz kommen. Vorstellbar sei etwa ein Einsatz in der Landwirtschaft, zur Erfassung von Waldbestand, oder Partikelmessungen in der Atomsphäre, erzählt Juha-Matti Liukkonen vom finnischen Technologieunternehmen Reaktor der futurezone am Rande des Slush-Festivals in Helsinki.

Entwickelt wurden die Nanosatelliten von Forschern der Aalto Universität in Helsinki, die gemeinsam mit Reaktor das Spin-off Reaktor Space gründeten. Die Firma will den Einsatz von Satelliten erschwinglich machen und eine Satellitenplattform aufbauen, die neue Anwendungen im Internet der Dinge ermöglicht.

Wirklich billig sind die kleinen Satelliten nicht. Liukkonen beziffert die Kosten mit 500.000 bis eine Million Euro pro Stück. "Je nach Aufgabe werden sie mit unterschiedlichen Sensoren und Kameras bestückt", sagt der Reaktor-Space-Chef. Für den Transport in den Orbit, der von privaten Raumfahrtunternehmen wie SpaceX übernommen wird, werden noch einmal 50.000 Euro pro Kilogramm fällig.

US-Anbieter dominieren

Das Geschäft mit Nanosatelliten ist bislang fest in US-amerikanischer Hand. Mehrere Hundert solcher Geräte finden sich bereits in der Erdumlaufbahn. Zu den größten Anbietern zählt das NASA-Spin-off Planet, das bereits eine beachtliche Flotte unterhält und unter anderem hochauflösende Bilder der Erde liefert. Die Bilder seien genau so gut wie jene der nationaler oder internationaler Weltraumagenturen, private Unternehmen seien jedoch schneller und flexibler, sagt Liukkonen. Auch an der TU Graz und der TU Wien wurden Nanosatelliten gebaut, sie sammeln unter anderem Daten zur Helligkeitsschwankungen von Sternen.

Dass mit dem Bau von Nanosatelliten viel Geld verdient werden kann, glaubt Liukkonen nicht. "Wir werden damit wohl nicht reich werden." Die kleinen und billigen "Sensorboxen" im All würden aber neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Großes Potenzial sieht er für Anwendungen im Internet der Dinge, die global zum Einsatz kommen oder sich über große Gebiete erstrecken. Reaktor biete dabei nicht nur die Hardware, sondern auch Software und Datenanalysewerkzeuge an. "Ein Komplettpaket inklusive der Satelliten", wie Liukkonen sagt.

Wie lange wird es dauern, bis sich auch Normalverbraucher - ähnlich wie man heute Rechenleistung zukaufen kann - für bestimmte Aufgaben zu erschwinglichen Preisen Satelliten mieten können? "Vielleicht fünf Jahre", schätzt der Reaktor Space-Chef. Derzeit baue man noch Satelliten für Kunden, über eine eigene Flotte werde aber bereits nachgedacht. "Wir sehen uns an, über welche Ausstattung solche Satelliten verfügen müssen, damit sie möglichst vielen Anforderungen gerecht werden."

Dorf am Mond

Mit seinen Nanosatelliten hat sich das finnische Unternehmen auch für die Mitwirkung an der "ESA Moon Village"-Initiative beworben, die eine Siedlung am Mond errichten will. Um ein solches Projekt verwirklichen zu können, brauche es Verbesserungen in zahlreichen Bereichen der Weltraumtechnik, sagt Liukkonen. Neben intelligenteren autonomen Robotern und müsse auch an der Infrastruktur zur Energieversorgung und an der Satellitenkommunikation gearbeitet werden.

"Wir können mit unseren Nanosatelliten dabei helfen", ist er überzeugt. Die Moon-Village-Initiative der NASA habe das Poenzial technologische Entwicklungen voranzutreiben, die dann auch auf der Erde genutzt werden könnten. Für sein Team diene das Dorf am Mond als Motivation. Liukonnen erzählt von einer Wand in den Firmenbüros in Helsinki. Dort steht: "Wir wollen früher auf dem Mond sein, als Elon Musk auf dem Mars ist."

Disclaimer: Die Reiskosten zum Slush Festival und die Kosten für die Unterkunft in Helsinki wurden von der finnischen Agentur Finnfacts übernommen.