Science
05.03.2015

TU Graz baut Nanosatellit für Software-Tests im All

Die TU Graz leitet die Entwicklung des Satelliten OPS-SAT, mit dem neueste Hard- und Software im All getestet werden soll. Der Start soll 2017 erfolgen.

Die Technische Universität (TU) Graz hat von der europäischen Weltraumorganisation ESA den Zuschlag für ein neues Nanosatelliten-Projekt erhalten. In der am Donnerstag von Infrastrukturminister Alois Stöger (SPÖ) und TU-Graz-Rektor Harald Kainz in Wien präsentierten Mission OPS-SAT soll neue Weltraum-Software im All erprobt werden. Geplanter Start des 2,4 Mio. Euro teuren Projekts ist 2017.

Zuverlässige Oldtimer

Die Idee für das Projekt sei vom ESA-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt gekommen, sagte Otto Koudelka, Leiter des Instituts für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation an der TU Graz. "Weltraumtechnik muss zuverlässig sein, man geht bei mehrere 100 Mio. Euro teuren Satelliten kein Risiko ein und setzt daher auf alte Technologie", sagte der Satelliten-Experte, der schon für einen der beiden ersten, vor zwei Jahren gestarteten österreichischen Satelliten (TUGSAT-1) im Rahmen der BRITE-Mission verantwortlich zeichnete.

Deshalb setze man auf Kommunikationsstandards aus den 1980er Jahren und Prozessoren, deren Leistungsfähigkeit jener von 486-Prozessoren aus den 1990er Jahren entspreche. "Mit OPS-SAT werden wir ein kleines Labor im All haben, um Weltraumsoftware direkt im Orbit zu testen", erklärte Koudelka.

Sieben europäische Partner

An Bord des mit sieben europäischen Partnern geplanten OPS-SAT werde sich ein "System on Module" mit zwei Prozessoren neuester Technologie befinden. Damit soll nicht nur erprobt werden, neue Betriebssoftware auf den Satelliten zu laden, es könne damit auch die Hardware-Konfiguration geändert werden. Solche Maßnahmen an einem im All befindlichen Satelliten seien bisher absolut tabu gewesen, sagte der Experte.

Außerdem gibt es an Bord des zehn mal zehn mal 30 Zentimeter großen, fünf Kilo schweren Satelliten programmierbare Funkempfänger, um Störungen in verschiedenen Frequenzbereichen zu analysieren. Zudem soll erstmals die optische Kommunikation mit einem Kleinsatelliten erprobt werden. Die Komponenten seien zwar nicht Weltraum-spezifiziert, würden aber im Vorfeld getestet. Zudem seien die Prozessoren vierfach an Bord vorhanden, um Ausfälle kompensieren zu können.

Verlängerung für BRITE-Satelliten

Auch die BRITE-Satelliten seien ausschließlich mit nicht Weltraum-spezifizierten Elementen gebaut worden, sagte Koudelka. Dennoch würden sie ausgezeichnet funktionieren und - obwohl die Datensammlung nur für zwei Jahre geplant war - voraussichtlich weitere zwei Jahre in Betrieb bleiben. Im September sollen auf einer Konferenz in Polen erste Ergebnisse präsentiert werden. Die Satelliten - neben TUGSAT-1 der von der Uni Wien gebaute UniBRITE sowie drei weitere Geräte aus Polen und Kanada - sammeln Daten über Helligkeitsschwankungen von Sternen, die Rückschlüsse auf ihren Aufbau, chemische Zusammensetzung und Alter erlauben.

Stöger unterstrich den "exzellenten Ruf, den österreichische Weltraumtechnologie hat". Die Faszination des Weltraums könne junge Menschen dazu motivieren, technische und naturwissenschaftliche Studien zu ergreifen. Der Minister verwies auf einen derzeit laufenden Ideenwettbewerb seines Ressorts für die Entwicklung eines weiteren österreichischen Nanosatelliten. Aus den Einreichungen seien im Vorjahr die fünf besten Projekte ausgewählt worden, die 50.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie erhalten haben. Entwicklung, Bau und Start des Siegerprojekts werden vom Ministerium finanziert.