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Forschung Joggobot: Laufen mit der Flugdrohne.

Foto: RMIT University
Eine Flugdrohne, die einem beim Joggen durch den Park begleitet: An dieser Idee forschte ein 21-jähriger Salzburger Student während seines Berufspraktikums in Australien. Für die Tests wurde der Quadrocopter AR.Drone von Parrott herangezogen. Von einer marktreifen Erfindung ist man bisher allerdings weit entfernt.

"Grundsätzlich ist es erwiesen, dass Menschen gerne miteinander laufen. Doch dazu muss man sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort befinden und sich in Folge auch noch gleich schnell bewegen", erklärt Eberhard Gräther, Student an der Fachhochschule Salzburg, der futurezone. "Ich wollte herausfinden, ob es Sinn macht, wenn die Menschen beim Joggen statt von anderen Menschen von Robotern begleitet werden."

Um dies zu erforschen, verschlug es den 21-Jährigen im Rahmen seines Bachelor-Abschlusses im Studienzweig Multimedia Technology für ein Praktikum an die renommierten RMIT-Universität in Melbourne, Australien. Dort arbeitete der Student zusammen mit seinem Mentor Florian Mueller (aka "Floyd"), der die Idee hatte, und australischen Studienkollegen am "Joggobot". Das ist eine Flugdrohne, die Jogger beim Laufen begleiten soll.

Drohne steuert sich selbst
Gesteuert wird die Drohne dabei nicht etwa per Hand, sondern sie steuert sich selbst und passt sich dabei automatisch an das Tempo des Joggers an. Das heißt, die Drohne fliegt die ganze Zeit unmittelbar in Brusthöhe vor dem Läufer her und orientiert sich an den Markern, die auf seinem T-Shirt abgebildet sind. "Die Marker gibt es in grün, gelb und blau und wir haben sie mit fluoreszierenden Farben am T-Shirt angebracht", erzählt Gräther.

Doch bereits hier gab es die ersten Probleme in der Praxis. Wenn die Lichtverhältnisse nicht optimal waren, habe die Drohne die Marker nicht erkannt. Auch wenn der Jogger zu schnell oder zu langsam gelaufen ist, konnte die Drohne nicht immer schnell genug reagieren und man sei in sie hinein gelaufen, schildert Gräther die Ergebnisse der ersten Testläufe, die mit dem "Joggobot" in einer großen Turnhalle der Universität stattgefunden haben.

Schwierigkeiten in der freien Natur
Bei der Drohne selbst handelt es sich beim Projekt "Joggobot" zudem um keinen Eigenbau, sondern ein Exemplar des Quadrocopters AR.Drone von Parrott. Man habe den Quellcode hergenommen und sich überlegt, wie man die Drohne selbst steuern lassen kann, beschreibt der Student. Im Original-Zustand wird die Drohne per App vom Nutzer gesteuert. Doch die AR.Drone fliegt in der Regel nur maximal zwölf Minuten lang, was zum Joggen natürlich nicht gerade ideal ist. "Für unser Forschungsprojekt war dieser kurze Zeitraum ausreichend", meint Gräther.

Weniger gut zurecht gekommen ist die Drohne beim Testen in freier Natur. Wind und Licht-Reflexionen machten den Einsatz des "Joggobots" im Freien fast unmöglich. "Unser Joggobot ist definitiv noch keine marktreife Erfindung und hat einige technische Schwachstellen", erklärt Gräther. Bei den Tests kam die Jogging-Drohne allerdings bei den Menschen, die den Vorgang ausprobieren durften, sehr gut an. "Die Drohne wurde überraschend positiv aufgenommen. Es war auch zu beobachten, dass manche Menschen der Drohne menschliche Eigenschaften wie Sturheit oder Müdigkeit zugeordnet haben", erzählt der Student.

Drohne als zusätzliche Jogging-Hilfe
Roboter würden eher als "etwas Soziales" wahrgenommen als Smartphones. Deshalb sei diese Idee eine mögliche Erweiterung bisheriger Jogging-Hilfen, die vorwiegend darauf abzielen würden, den Weg zu berechnen und die Gesundheitsdaten zu speichern. Mit einem zusätzlichen Pulsgürtel und einer eigenen iPhone-Software könne man allerdings auch der Drohne die Herzfrequenz des Läufers übermitteln und in Folge beispielsweise das Lauftempo von der Drohne bestimmen lassen. "Das wäre sehr interessant, aber ein Test von diesem Aspekt ist sich zeitlich nicht mehr ausgegangen", erzählt Gräther.

Seit Jahresbeginn ist der Student wieder im Salzburger Land zurück. Auch wenn das Experiment rund um den "Joggobot" in Australien weiter gehen soll, will sich der 21-Jährige nicht mehr daran beteiligen. "Es war ein interessantes Experiment, aber nicht mein Milieu", sagt Gräther. Künftig werde er stattdessen vermehrt an "screenbasierten Dingen" arbeiten. Einmal könnte ihn das Projekt allerdings noch einmal zurückholen und zwar wenn es in Texas (USA) bei der CHI-Konferenz vorgestelt wird. "Ob die unser Konzept annehmen, ist allerdings noch nicht fix."

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(futurezone) Erstellt am 15.02.2012, 06:05

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