Science
03.03.2017

Künstler stellt seine DNA als Torrent-Datei ins Netz

Der norwegische Künstler Lars Hodhus hat sein Genom sequenzieren lassen und will diese Rohdaten im Zuge eines Kunstprojekts ins Netz stellen.

Als Lars Hodhus zum ersten Mal davon gehört hatte, dass Google Blut, Schweiß, Tränen, Urin von Menschen sammelt und komplette Genome sequenziert, um sich ein besseres Bild vom „perfekten, gesunden Menschen“ machen zu können, fand er die Idee unheimlich. Jetzt will er unter dem Motto "Upload Yourself" selbst 150 GB an Rohdaten seines sequenzierten Genoms in Form eines Bittorrent-Archivs frei ins Netz stellen. „Die Daten mögen nützlich sein, oder auch nicht“, erzählt er am Donnerstag im Forum Stadtpark beim Grazer Elevate Festival.

Hodhus sei für den notwendigen Bluttest extra nach Hongkong gereist, um sich dort zwischen zahlreichen Familien mit Kindern in einem Einkaufszentrum Blut abzapfen zu lassen, welches danach ins DNA-Labor geschickt worden war. „Zuerst habe ich mit meiner Schwestern und meiner Tante darüber gesprochen, denn in Wahrheit wird mit dem Datensatz auch ein Teil von ihnen veröffentlicht. Und für mich stellt sich dadurch die spannende Frage, wem die Daten eines sequenzierten Genoms eigentlich gehören“, so der Künstler.

DNA-Datensammeln

Noch sei es weder konventionell noch empfohlene Praxis, sein Genom sequenzieren zu lassen und zur Verfügung zu stellen, sagt Hodhus. Allerdings sei es in Zukunft möglich, Werbung passend zu seinen DNA-Daten zu erhalten, etwa mit speziellen Fitnessprogrammen zum Abnehmen. Oder die Daten würden ähnlich wie biometrische Daten dazu verwendet, sich auszuweisen. Derartige Entwicklungen würde Hodhus als gefährlich ansehen. „Was ist, wenn es einen Leak gibt von 100.000 DNA-Daten und wir da bereits zahlreiche Services drumherum gebaut haben?“

Noch größer sei jedoch die Gefahr, dass sich rund um das Sequenzieren von Genomen und DNA Geschäftsmodelle bilden werden, die von einzelnen Firmen gesteuert werden. „Nicht nur China sequenziert Genome, auch in den USA gibt es immer mehr Firmen. Da könnte sich noch ein heißer Kampf herausbilden, DNA könnte zu einer geopolitischen Waffe werden. Der Kampf dreht sich dann rund um die technologische Komponente: Wer hat die beste Sequenzierungsmethode, die größten Kapazitäten oder die besten, effektivsten Prozesse?

Genmanipulation

Eine Gefahr sieht Hodhus auch durch die diversen Möglichkeiten, die der Entdeckung der Crispr/Cas9-Technologie zugrunde liegen. Das ist eine biochemische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. Ganze Gene können damit komplett entfernt oder eingefügt werden. Mit der „Cripsr/Cas9-Technologie ist es etwa nicht mehr nachweisbar, ob bestimmte Dinge gentechnisch manipuliert werden. Das gilt selbstverständlich auch für Menschen. „Noch sind die Experimente hierzu stark reguliert, aber sie werden auch schon an Menschen durchgeführt. Woran machen wir dann Gentechnik fest? Am Prozess oder am Ergebnis? Das wird auch eine spannende Diskussion“, sagt der Norweger.

Was für einen Sinn die Veröffentlichung seiner DNA-Daten haben soll, weiß der Künstler selbst nicht so genau. Er probiert es einfach aus – und will damit vor allem eine Diskussion anregen. Die Daten will er demnächst veröffentlichen und sie sollen unter einer freien Lizenz für Lehrzwecke verwendet werden dürfen. „Wenn solche Sammlungen in ein Regime der allgegenwärtigen Vermessung eingebunden sind und von privaten ebenso wie von staatlichen Akteuren genutzt werden, ist es von fundamentaler Wichtigkeit für die Aufrechterhaltung unserer Freiheiten, einen öffentlichen Diskurs zu kultivieren“, so der Künstler.