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Science

Wie es ist, auf dem Mars zu leben

Die US-Raumfahrtagentur NASA sucht derzeit Freiwillige, die zu viert ein Jahr lang in einer simulierten Mars-Station leben sollen. Bei CHAPEA ("Crew Health and Performance Exploration Analog") soll herausgefunden werden, wie sich eine Mission zum Mars bewerkstelligen lässt, bei der eine Besatzung lange Zeit auf begrenztem Raum zusammenarbeiten und miteinander auskommen muss.

158 Quadratmeter

CHAPEA sieht drei jeweils einjährige Aufenthalte in einer 3D-gedruckten, 158 Quadratmeter großen Unterkunft am Gelände des Johnson Space Center in Houston, Texas, vor. 2022 soll die erste Crew einziehen. Derzeit werden Bewerber*innen gesucht, die einen Abschluss in einem naturwissenschaftlichen Studienfach oder eine Pilotenausbildung sowie Praxiserfahrung vorweisen können.

Sogenannte Analog-Missionen sind wichtig, um Lösungen für technische, organisatorische und soziale Probleme zu finden, die auf Mars-Astronaut*innen zukommen könnten. CHAPEA-Teilnehmer*innen werden in dem Habitat wissenschaftlich arbeiten, sowie per Virtual-Reality-Brille Roboter über eine simulierte Marsoberfläche steuern. Im Fokus steht aber – wie bei ähnlichen Versuchen in der Vergangenheit auch – die Frage, wie sich solch ein langer Einsatz auf die Psyche der Crew auswirkt, noch dazu wenn man es mit Stressfaktoren wie defekter Ausrüstung zu tun hat.

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Grundriss des CHAPEA-Habitats "Mars Dune Alpha"

Nervige Schlapfen

Laut dem Erfahrungsbericht von Kate Greene ist ein Aufenthalt in Abgeschiedenheit vom Rest der Welt ganz schön schwierig. Die Journalistin nahm 2013 an einem ähnlichen Experiment namens HI-SEAS in Hawaii Teil und verbrachte vier Monate mit fünf anderen Freiwilligen auf einer isolierten Station in 2.500 Meter Höhe. Obwohl sie die meiste Zeit gut mit den Crew-Mitgliedern auskam, begannen sie diverse Kleinigkeiten gegen Ende  zu nerven: Leere Klopapierrollen, das Geräusch von Hausschuhen, zu weit ausgestreckte Beine unter dem Esstisch. Das "Dreiviertel-Phänomen" ist bekannt. Das Ende ist in Sicht, aber noch nicht greifbar, was stark auf die Stimmung schlägt.

Für derartige Experimente werden laut Greene Menschen gesucht, die "eine dicke Haut, eine lange Lunte und viel Optimismus" mit sich bringen. Dennoch gehen die Aufenthalte an die Substanz. Greene berichtet  davon, nach dem Verlassen des Habitats eine Zeit lang jede Luftbewegung auf der Haut gespürt und einen neuen Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen entwickelt zu haben.

Auf sich gestellt

Warum macht man überhaupt Langzeitstudien auf der Erde, wenn es bereits diverse Männer und Frauen gab, die ein Jahr und länger auf einer Raumstation im All gelebt haben? "Hier gibt es zwei große Unterschiede", erklärt Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraumforum (ÖWF). "Erstens macht es einen Unterschied, ob einzelne Mitglieder der Crew einen langen Aufenthalt im All haben, oder ob die gesamte Crew in der Situation steckt."

Zweitens sei die Arbeitsweise auf einer Raumstation und einer Station auf einer Planetenoberfläche grundverschieden. "In einer Raumstation hat man kaum Interaktion mit der Umwelt. Auf Planeten schon, und die Umwelt ist die große Unbekannte." Eine Mars-Crew könne dabei auch nur begrenzt von der Erde aus unterstützt werden.

Warum ein Jahr

Das ÖWF führt ebenfalls Mars-Analog-Missionen namens AMADEE durch, dabei stehen aber Tests der Ausrüstung im Vordergrund, etwa von Raumanzügen. Langzeitexperimente mit Menschen wurden angedacht. Wie sich aus Erfahrungen vorangegangener Experimente gezeigt habe, seien die menschlichen Faktoren einer Marsmission innerhalb von acht Monaten gut überprüfbar. Warum sich die NASA für einjährige Aufenthalte entschieden habe, sei insofern nicht ganz nachvollziehbar.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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