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05/09/2011

Livekonzerte in 3-D für die Masse

Mehr als 30.000 Zuseher lockte das erste 3-D-Live-Konzert im Herbst 2010 an, das in fünf Ländern Europas zeitgleich stattgefunden hat. Das Event wurde in 91 Kinos ausgestrahlt, doch nicht überall kam gleich gute Stimmung auf - manchmal scheiterte es an der Technik. Der Inititator des Projekts, Alexander Schaefer, erzählt der futurezone, warum er sich daher für Kinos eine Instanz wünscht, die die Technik der Kinosäle regelmäßig überprüft.

von Barbara Wimmer

Zehn Kameras, jeweils zwei pro Kameraposition, rückten der deutschen Band "Die fantastischen Vier" bei ihrem Konzert im Steintor Variete in Halle, Deutschland, auf die Pelle. Anders als bei klassischen 2-D-Konzeraufnahmen wurden die Künstler dabei aus nächster Nähe gefilmt, denn um einen guten 3-D-Effekt zu erreichen, sind kurze Brennweiten erforderlich. Die Band lieferte eine eigene Show für die Konzert- und Kinobesucher ab. Mehr als 30.000 Menschen sahen zur selben Zeit zu. In Österreich wurde das Ereignis in 3-D-Kinos in Graz, Olten, Wien und Wiener Neudorf übertragen.

Was ursprünglich als kleines Projekt angefangen hat, das im Rahmen eines Innovationsforums zum Thema "3D Cinema und Stereoskopische Medienproduktion" gestartet wurde, entwickelte sich zum Großereignis. "Die Sache hat sich verselbstständigt, denn eigentlich wollten wir nur ein kleines Klassikkonzert übertragen", meint Schaefer, der die gesamttechnische Leitung des Ereignisses inne hatte.

Die größte Herausforderung dabei war, "dass man zwei Bilder parallel übertragen muss, die 100-prozentig zueinander passen müssen", so Schaefer. "Dazu kommt, dass man die Bilder mit speziellen Tools in Echtzeit aufeinander abstimmen muss." Das sei die Aufgabe von sogenannten "Stereographern", die direkt im Übertragungswagen arbeiten, so Schaefer. Insgesamt waren mehr als 150 Menschen aus 50 verschiedenen Unternehmen an der Umsetzung des ersten 3-D-Live-Ereignisses beteiligt. "Man braucht viel mehr Personal als bei einer herkömmlichen Übertragung," meint der Organisator, der beim Mitteldeutschen Multimediazentrum Halle die Technikabteilung leitet.

Band profitiert davon am meisten

Dadurch sind bei derartigen Projekten die Kosten enorm. "Mit einer halben Million Euro an Kosten muss man bei einem Live 3-D-Projekt schon rechnen," erklärt Schaefer. Finanziell sei diese erste Produktion trotz einer enormen Sponsoring-Bereitschaft von beteiligten Firmen ein Minus gewesen. Doch vor allem für die Band war die Show ein großer Gewinn. Die Konzerttickets der Tour gingen weg wie "warme Semmeln", die Aufzeichnung der Show erreichte binnen weniger Monate "Gold"-Status, so Schaefer. Aufgrund seiner Erfahrungen hat Schaefer jetzt ein Start-Up namens "Live4Screen" gegründet, mit dem er die Idee der Live-3-D-Konzerte weiterverfolgen möchte. "Auf diese Art und Weise können Bands beispielsweise ihre Fanbase vergrößern und bis zu 500.000 Menschen an einem Abend erreichen. Es wird etwas Besonderes", meint Schaefer.

Ob die Idee tatsächlich aufgeht, bleibt abzuwarten. Schaefer meint dazu selbst: "Die Musikbranche hat die Digitalisierung komplett verschlafen und trauert nach wie vor alten Zeiten hinterher. Mit einer Produktionsgröße von einer halben Million ist das nicht so einfach, aber es entwickelt sich langsam." In wenigen Wochen möchte Schaefer mit "Live4Screen" bereits die nächste Band bekannt geben, die ihr Konzert via 3-D aus einer Halle in die Kinos übertragen lässt. "Das wird ein internationales Ereignis," doch Näheres wollte er zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht verraten.

Fanta 4 in concert

Fanta 4 in concert

Alexander Schaefer

Kinoanlagen als Problem
Beim ersten Live 3-D-Konzert hat zudem nicht alles ganz so reibungslos funktioniert, wie man gerne gehabt hätte. Zwar gab es bei den komplexen Aufgaben wie der Bildbearbeitung und -übertragung per Satellitenreceiver keinerlei Probleme, auch am Set funktionierte alles wie es sollte. "Ich war beispielsweise von dem Mann, der die Position am großen Kran inne hatte, total begeistert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Übertragungen arbeitete der Mann nicht mit Joysticks, sondern mit klassischen Kurbeln. Das Bild wirkte dadurch viel weicher", erzählt Schaefer.

Dafür scheiterte ein perfektes Erlebnis dann direkt an der Kinoanlage. Statt des fetten, live abgemischten 5.1. Sounds, der bei einem Pop-Konzert besonders wichtig ist, kam das Signal in dem ein oder anderen Kinosaal in Mono an - und tötete somit sogleich die Stimmung im Publikum. "In einem Kino funktionierte nur Dolby Surround, und ein paar Boxen haben nur vor sich hin gegrummelt", so Schaefer. In einem weiteren Kino war die Satellitenschüssel verdreht und bis kurz vor der Show kam kein Signal durch. Oder aber es waren die Faktoren, was beim Bild "vorne" und "hinten" ist, vertauscht - was allerdings bereits rechtzeitig beim Vorab-Besuch des Kinos entdeckt wurde.

"Digitalisierung nicht aufzuhalten"
Meistens lagen die Probleme jedenfalls daran, dass die Technik der Kinos nicht ausreichend gewartet wurde. "Ich finde es schade, dass die Kinobetreiber sich da nicht ausreichend drum kümmern und auf ihr Equipment achten. Manchmal habe ich außerdem das Gefühl, dass das technische Personal, das in Kinos beschäftigt ist, nicht ausreichend Ahnung von der Materie hat", meint Schaefer. Er spricht sich daher für eine Instanz aus, die Kinos zukünftig abnimmt. "Denn es gibt leider Kinos, die aus Kostengründen die Lampenleistung nach unten regeln, damit die Lebensdauer der sehr teuren Projektorlampen ein bisschen länger ist. Dann ist das Bild ein bisschen dunkler und nicht so gewollt vom Regisseur. Auch die Leinwände lassen mit der Zeit nach und müssten ab und zu mal ausgetauscht werden, weil sie verstauben."

Schaefer ist daher nicht ganz so optimistisch wie der Avatar-Regisseur und 3-D-Pionier James Cameron, der davon überzeugt ist, dass in fünf Jahren 100 Prozent der Kinos 3-D-Inhalte darstellen werden können. "Es geht zwar kein Weg an der Digitalisierung der Kinos vorbei, aber ich glaube nicht daran, dass in naher Zukunft wirklich alle Kinos 3-D-fähig sein werden", so der Techniker. "Andererseits waren im letzten Jahr acht Prozent der Produktionen 3-D und haben 80 Prozent des Umsatzes eingebracht - vielleicht geht es daher schneller, als ich denke." Schaefer möchte mit seinem Start-Up "Live4Screen" bis Jahresende auf jeden Fall noch mindestens zwei Live 3-D-Events in den Kinosälen umsetzen.

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Alexander Schaefer ist "Head of technical department" im Mitteldeutschen Multimediazentrum in Halle an der Saale (Deutschland). Er beschäftigt sich seit 2006 mit Stereoskopie. Er leitete die Übertraung der Hip-Hop-Band "Die Fantastischen Vier" in 91 Kinos in fünf Ländern am 28.9.2010.

Schaefer war am Dienstag an der FH St. Pölten zu Gast und referierte auf der Konferenz "Arbeiten für das Fernsehen 2011" von c-tv über die erste Live 3-D-Übertragung. Die futurezone traf den Projektleiter vorab zum Gespräch.

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