Science
15.09.2018

Loch in ISS: Schaden angeblich größer als bisher angenommen

Ein Insider des russischen Raumfahrtprogramms berichtet von weiteren mysteriösen Schäden an der angedockten Sojus-Kapsel.

Ende August sorgte ein 1,5 Millimeter großes Leck in einer Sojus Raumkapsel, die an der ISS angedockt ist, für einen Druckverlust im Inneren der Raumstation. Während zu Beginn von lediglich einem Loch die Rede war, könnte der Schaden aber größer sein, als bisher angenommen. Das berichtet die größte russische Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle aus dem russischen Weltraumprogramm. 

So berichtet der Insider: „Spuren von Bohrungen wurden nicht nur im Inneren des Raumfahrzeuges gefunden, sondern auch auf dem Anti-Meteoriten-Schild, das das Raumschiff außen umhüllt und 15 Millimeter von der Druckkammer entfernt ist“. Entdeckt wurde der zusätzliche Schaden demnach, als die Astronauten das Leck per Endoskop untersucht haben. 

Entstehung

Eine offizielle Stellungnahme, wie das Loch entstanden ist, gibt es nach wie vor nicht. Es gibt Spekulationen, dass ein Techniker bei Arbeiten auf der Erde mit einem Bohrer abgerutscht ist und den Fehler anschließend verheimlicht hat. Es kursiert aber auch die Version, dass einer der Raumfahrer das Loch absichtlich verursacht hat.

Die neuen Informationen dürften verschiedenen Theorien wieder Zündstoff geben. So berichtet die Quelle gegenüber der TASS, dass das Anti-Meteoriten-Schild kurz vor der finalen Fließbandabfertigung der Raumkapsel angebracht wird. Bevor das Raumschiff finalisiert wird, wird es demnach detailliert fotografiert. Zu diesem Zeitpunkt war demnach noch kein Schaden erkennbar. Auch das Schild wurde detailliert fotografiert bevor es angebracht wurde. Auch hier war den Angaben zufolge noch alles in Ordnung.

Der Quelle zufolge könnte der Schaden also entweder in den letzten Arbeitsschritten oder während der 90-tägigen Lagerung nach Fertigstellung passiert sein. Dass es erst beim Transport zum Baikonur Space Center in Kasachstan oder an der Startrampe selbst passiert ist, ist laut dem Insider höchst unwahrscheinlich.

Die russische Regierung setzte eine Kommission aus mehreren Experten ein, um den Vorfall zu untersuchen. Die Arbeit dieser Kommission wurde vergangene Woche abgeschlossen und an die russische Weltraumagentur Roskosmos weitergegeben. Nun werden die Ergebnisse ausgewertet.

Am Mittwoch hat Dmitry Rogozin, der Direktor von Roskosmos, mit dem NASA-Chef Jim Bridenstine telefoniert und beschlossen, dass die beiden Raumfahrtagenturen weiter eng zusammenarbeiten werden, um den Vorfall aufzuklären.