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Science
05/21/2020

Mehr Wissen über nachhaltiges Bauen verbreiten

Die FH Campus Wien kreiert eine Wissensdrehscheibe, um Know-how zum Bau ökologischer Gebäude stärker zu verbreiten.

von David Kotrba

Ab 2021 sollen alle Neubauten in Österreich als Niedrigstenergiegebäude ausgeführt werden. Dazu, wie Gebäude im Laufe ihres Lebenszyklus möglichst wenig Energie verbrauchen, gibt es viele Ideen, aber auch viele Wissenslücken. Die FH Campus Wien will deshalb im Rahmen des von der MA23 geförderten Projekts Nach.Plan.Bauen. eine Plattform schaffen, um den Austausch über Methoden zum ökologischen Bauen anzuregen und Know-how zu vermitteln, und einen Lehrplan, um dieses Wissen zu verbreiten.

Komplexes Feld

"Beim nachhaltigen Bauen geht es prinzipiell um zwei Aspekte", erklärt Martin Aichholzer, der Leiter des Masterstudiengangs Architektur - Green Building. "Erstens geht es darum, welchen Einfluss Gebäude durch ihren Ressourcen- und Energieverbrauch direkt auf die Umwelt haben. Zweitens geht es um den induzierten Verbrauch. Ein Haus kann etwa superökologisch sein, steht aber am Ortsrand und verursacht damit mehr Verkehr. Also es geht um das Gebäude selbst und was es auslöst."

Das Feld des nachhaltigen Bauens sei laut Aichholzer sehr komplex, wodurch es den Beteiligten bei einer Bauaufgabe oft schwerfalle, einen Überblick zu behalten. In der Not werde oftmals versucht, sich mit der Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben beim Hausbau zufriedenzugeben. "Das ist aber wenig proaktiv. Es gibt viele Projekte, die schon vor 20 Jahren besser waren."

Workshops, Umfrage, Interviews

Im Projekt Nach.Plan.Bauen sollen zwei Ziele verfolgt werden: Zunächst soll Wissen gesammelt werden und offen zur Verfügung gestellt werden. Außerdem soll dieses Wissen im Rahmen eines komplementären, außeruniversitären Lehrplans vermittelt werden. Um den Bedarf für ein solches Curriculum zu erheben, geht das Projektteam dreigleisig vor. In einer Workshop-Reihe werden Architekten, Bauingenieure, Projektplaner und andere Stakeholder der Baubranche eingeladen, um in gemeinsamen Diskussionen den Bedarf für eine Wissensplattform zu nachhaltigem Bauen zu erheben. Einer dieser Workshops wurde bereits abgehalten, dann kam die Corona-Krise.

Der Bedarf soll außerdem anhand einer Umfrage ermittelt werden, die an 12.000 Personen aus dem Baugewerbe geschickt wird. Alle Interessierten aus der Branche können auch online daran teilnehmen. Die dritte Schiene sind Experteninterviews. Die Resultate aller drei Erhebungen sollen analysiert werden, um daraus einen Lehrplan abzuleiten. "Mit unseren Lektoren an der FH Campus Wien, aber auch externen Vortragenden wollen wir einen Kurs aufbauen, der im besten Fall einen Masterabschluss hat", meint Aichholzer. "Das wäre das große Ziel. Vorrangig ist aber Wissen in sinnvollen Kursen an die richtigen Leute zu bringen. Vorstellbar wäre etwa ein 'Green Building'-Grundkurs und darauf aufbauende Kurse."

Online-Plattform

"Eine Wissensplattform im Internet ist der nächste Schritt, den das Projektteam verfolgt, nachdem wir herausgefunden haben, welche Informationen besonders gefragt sind, um Wissenslücken zu schließen", meint Aichholzer. Die FH Campus Wien habe dazu bereits internationale Kontakte geknüpft, denn eine Plattform ganz alleine zu betreiben, bedeute einen großen Aufwand. "Wir haben das Glück, dass wir mit dem Masterstudium Architektur - Green Building bei dem Thema vorne dabei sind und gute Leute haben, die unterrichten. Wir haben ein großes Potenzial, das wir hinaustragen müssen." Beim Aufbau einer Wissensplattform im Netz sei man stark an Kooperationen mit anderen Hochschulen und Unternehmen interessiert.

"Thema brodelt im Untergrund"

In der Öffentlichkeit steige das Interesse an nachhaltigem Bauen. Das Thema wird künftig auch in den OIB-Richtlinien (technisches Regelwerk, das hinter den Bauordnungen in Österreich steht) sowie nationalen und internationalen Normen verankert werden. "Das Thema brodelt im Untergrund. Viele Leute sind überzeugt, dass da was passieren muss." Auf Studienabgänger zu warten, die sich mit der Materie gut auskennen, werde künftig nicht reichen, ist Aichholzer überzeugt. "Uns geht es darum, die zu erreichen, die jetzt in dem Bereich arbeiten und ihr Studium schon vor Jahren abgeschlossen haben. Es geht um die postgraduale Qualifizierung von Ingenieuren und Architekten, aber zum Beispiel auch politischen Entscheidungsträgern."

Nachhaltige Entscheidungen müssen jedoch in vielen Phasen eines Bauprojekts getroffen werden. Es sei daher wichtig, möglichst viele Stakeholder zu erreichen. "Wenn zum Beispiel Bauingenieure gefragt werden, mit welchem Baumaterial sie etwas errichten würden, entscheiden sie sich oft für jenes, das sie bereits kennen. So werden Alternativen gar nicht vorgeschlagen. Damit ist man an der ersten Hürde für nachhaltiges Bauen gescheitert. Wir wollen, dass sich das ändert."

 

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und FH Campus Wien entstanden.

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