Sea water contaminated by micro plastic.

© Getty Images/iStockphoto / Tunatura/iStockphoto

Science
07/09/2020

Mikroplastik im Menschen: Politik will Forschung vorantreiben

Die Auswirkungen von Mikroplastik auf den Menschen sind noch weitgehend unklar. Der Nationalrat gibt grünes Licht für Forschung.

von Barbara Wimmer

Mikroplastik war bisher bereits in der Luft, im Wasser und in Böden nachgewiesen worden. Oft wird es von Tieren unfreiwillig geschluckt und gelangt so in den Organismus der Nahrungskette. Eine Studie des Umweltbundesamts und der Medizinischen Universität Wien hat 2018 rausgefunden, dass Mikoplastik auch im menschlichen Stuhl vorkommt. Bei allen Studienteilnehmern wurden im Schnitt 20 Mikroplastik-Teilchen gefunden.

Je nach Teilnehmer waren zwischen 3 und 7 verschiedene Kunststoffarten im Stuhl. „Mikroplastik ist überall in unserer Umwelt. In Seen, Flüssen, auf Gletschern ja sogar in der Arktis wurde es bereits gefunden. Es war klar, dass es früher oder später auch im Menschen nachgewiesen wird“, sagt Astrid Rössler, die Umweltsprecherin der Grünen dazu.

Aktionsplan gegen Mikroplastik

Rössler brachte am Donnerstag im österreichischen Nationalrat mit ihren Parteikolleginnen und -kollegen einen Entschließungsantrag ein, auf dessen Basis Österreich einen Aktionsplan gegen Mikroplastik ausarbeiten möchte. Bereits im Regierungsprogramm der ÖVP-Grün-Regierung findet sich der Aktionsplan gegen Mikroplastik. Damit soll nun die Forschung über die Ursachen und die gesundheitlichen Auswirkungen für Menschen unterstützt und Produkte künftig so gestaltet werden, dass sie kein Mikroplastik mehr abgeben.

„Die Frage ist, wie wir mit dieser Gewissheit, dass sich auch im Menschen Mikroplastik befindet, umgehen. Machen wir weiter wie bisher, oder hören wir endlich auf, uns Menschen und unsere Umwelt zu schaden. Für mich steht fest: Wir müssen Wegwerfplastik so weit wie möglich reduzieren“, so Rössler. Die Auswirkungen auf den Menschen sind nämlich noch weitgehend unerforscht.

Schadstoffe im Organismus?

„Wir wissen, dass sich an den Mikroplastik-Partikeln vermehrt Schadstoffe und Schwermetalle anheften. Dadurch gelangen erhöhte Schadstoffkonzentrationen in den menschlichen Körper. Die Frage ist, wie lange diese Partikel im Körper verbleiben und zu Entzündungen, toxikologischem Stress oder Funktionseinschränkungen der Leber führen, wie bereits bei Tieren festgestellt wurde", sagt Rössler. Das soll in Folgestudien untersucht werden.

Unbekannt ist, ob Menschen das Mikroplastik auch in den Organismus aufnehmen, ähnlich wie man es bei Tieren bereits festgestellt hat. Die Teilnehmer der Studie hatten während des Zeitraums der Untersuchung einerseits Getränke aus PET-Flaschen konsumiert, andererseits auch Fisch und Meeresfrüchte gegessen. Ein direkter Zusammenhang mit Ernährungsgewohnheiten kann jedoch daraus nicht abgeleitet werden. Die Studie wird auch im ersten "Human Biomonitoring"-Bericht (PDF) erwähnt, der am Donnerstag im Plenum des Nationalrats thematisiert wurde.

„Jede Plastikverpackung, die achtlos weggeworfen wird, ist ein Vorläufer von Mikroplastik. Plastik baut sich nicht ab, sondern zerfällt über Jahrzehnte in immer kleinere Teile. So gelangt Mikroplastik in unsere Natur, in Tiere, in unsere Nahrungskette und in uns Menschen“, sagt Rössler.