Französische Rakete transportiert Viasat-Raketen ins All

Französische Rakete transportiert Viasat-Raketen ins All

© APA/AFP/JODY AMIET / JODY AMIET
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Science

Russische Anti-Starlink-Waffe kann Chaos im Weltraum auslösen

Geheimdienste zweier NATO-Staaten vermuten, dass Russland an einer neuartigen Anti-Satelliten-Waffe arbeitet. Diese soll Elon Musks Starlink-Konstellation ins Visier nehmen, wie die Associated Press berichtet. 

Demnach handelt es sich um eine sogenannte Zonen-Effekt-Waffe, die Hunderttausende Metallpellets in die Umlaufbahn bringen würde. Diese könnten Satelliten kinetisch zerstören.

➤ Mehr lesen: Geheimdienste warnen vor russischer Weltraum-Atomwaffe

Mehrere Satelliten gleichzeitig

Anders als bei russischen Tests im Jahr 2021, bei denen eine Rakete einen ausgedienten Satelliten aus der Sowjet-Ära zerstörte, würde die neue Waffe mehrere Starlink-Satelliten gleichzeitig angreifen. Die Pellets könnten durch noch nicht gestartete Formationen kleiner Satelliten freigesetzt werden, wie aus den Geheimdiensterkenntnissen hervorgeht.

Mit nur wenigen Millimetern Durchmesser wären die Pellets so klein, dass sie von boden- und weltraumgestützten Systemen zur Erfassung von Weltraumobjekten nicht entdeckt werden könnten. Das würde bedeuten, es wäre schwierig, Moskau die Verantwortung für einen Angriff zuzuschreiben.

Die Pellets würden in der Umlaufbahn von Starlink-Satelliten freigesetzt werden. Dort bilden sie eine Art Wolke. Durchfliegen Starlink-Satelliten diese Wolke, werden sie von den Kugeln zerfetzt und bilden womöglich weitere Trümmer, die dieses "Minenfeld" im Weltraum anwachsen lassen.

Zeitplan unklar

Ein mit den Erkenntnissen vertrauter Beamter erklärte gegenüber der AP, dass sich das System in aktiver Entwicklung befinde. Informationen über den Zeitplan einer möglichen Stationierung seien jedoch zu sensibel, um sie zu teilen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow reagierte nicht auf Anfragen der AP zu diesem Thema.

Russland sieht Starlink als ernsthafte Bedrohung. Das Satellitennetzwerk ist für die Ukraine von entscheidender Bedeutung. Es wird für Kommunikation, Waffenzielerfassung und andere militärische Aufgaben genutzt.

➤ Mehr lesen: Russland baut Laser, der Satelliten blendet

Chaos im Weltraum?

Das System könnte unkontrollierbares Chaos im Weltraum auslösen, wie Experten befürchten. Kanadas Brigadegeneral Christopher Horner erklärte, die Trümmer eines solchen Angriffs könnten "schnell außer Kontrolle geraten" und jedes andere Satellitensystem in ähnlicher Umlaufbahn treffen.

Im schlimmsten Fall könnte ein solcher Angriff das Kessler-Syndrom auslösen. Dieses Phänomen, benannt nach dem NASA-Wissenschaftler Donald J. Kessler, beschreibt eine Kettenreaktion von Kollisionen im erdnahen Orbit, bei der jede Kollision weitere Trümmerteile erzeugt und wieder Satelliten zerstört. 

Im schlimmsten Fall würden bestimmte Orbitalregionen für Generationen unbenutzbar werden, da dort Massen an gefährlichen Trümmern kreisen. Aber nicht nur das, auch niedrigere Umlaufbahnen der Internationalen Raumstation und der chinesischen Tiangong-Station wären durch herabfallende Trümmer ebenfalls gefährdet. Zudem wäre es dann hochriskant, Satelliten in höhere Orbits starten zu lassen, da diese erst die Trümmerschicht durchfliegen müssen.

➤ Mehr lesen: Russlands Anti-Satelliten-Atomwaffe wäre eine Katastrophe für den LEO

Russland hat selbst Interesse am Weltraum

Victoria Samson von der Secure World Foundation, die jährlich Anti-Satelliten-Systeme analysiert, äußerte Zweifel an der Plausibilität eines solchen Waffensystems. Sie verwies darauf, dass Russland massiv in seine Rolle als Weltraummacht investiert habe und der Einsatz einer solchen Waffe den Weltraum auch für Russland selbst abschneiden würde.

Ob oder wann Russland eine solche Waffe tatsächlich einsetzen könnte, ist darum höchst fraglich. Denkbar ist, dass Russland das System als Abschreckwaffe einsetzen möchte, um politische Ziele durchzusetzen. Man könnte etwa drohen, dass man die Waffe nutzt, falls SpaceX nicht den Starlink-Zugang der Ukraine kappt. Wie immer bei solchen Berichten besteht auch die Möglichkeit, dass das Land gezielt Informationen über neuartige Waffensysteme als Propaganda streut. 

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Kommentare