Science
03.11.2013

Sensoren im Kanalsystem sollen Terroristen erschnüffeln

Das EU-Projekt Emphasis soll anhand von Sensoren im Abwasser erkennen, wenn Bomben gebaut und illegale Drogen hergestellt werden.

Das mit 4,5 Millionen Euro geförderte EU-Projekt Emphasis hat zum Ziel Terroristen und Drogenhersteller zu erschnüffeln. Dazu werden Sensoren im Kanalsystem platziert. Jeder Sensor hat mehrere, 10 cm lange Elektroden, die im Abwasser positioniert werden.

Nur Ionen, die von Chemikalien für den Bombenbau oder die Drogenherstellung abgesondert werden, dringen durch die Membranen der Elektroden und verändern so die Spannung eines elektrischen Widerstands. Der Sensor schlägt Alarm und benachrichtigt die zuständige Behörde. Diese schickt Beamte mit tragbaren, präziseren Detektoren los, um den genauen Standort im Kanalsystem zu finden. Dann wird überirdisch mit Infrarot-Lasern gesucht, um anhand des Spektrums der chemischen Moleküle den genauen Standort der Terroristen oder Drogenköche zu finden.

Nicht nur durch Runterspülen

Laut dem schwedischen Projektleiter Hans Önnerud müssen die Chemikalien für die Bomben- und Drogenherstellung nicht direkt das Klo heruntergespült worden sein. Flüssigkeiten und auch Gase können genauso beim Duschen oder Händewaschen in das Kanalsystem geraten. Er geht davon aus, dass Emphasis die Bombenanschläge in London im Jahr 2005 verhindern hätte können. Die Abgase der Chemikalien waren stark genug, um die Pflanzen im Garten vor dem Haus sterben zu lassen, in dem die Bomben gebaut wurden.

Rachel Cunningham von Thames Water, die für das Londoner Kanalsystem zuständig sind, gibt zu bedenken, dass die Sensoren verstopft werden könnten. Im Abwasser befinden sich auch Kondome, Kosmetiktücher und ähnlicher Abfall, der nicht zersetzt wird. Auch können sich in Kanälen „Fettberge“ bilden, wenn Fett, Kosmetiktücher und ähnliches an den Sensoren hängenbleiben und sich zu einer undurchlässigen Masse verdichten.

Erweiterung

Emphasis könnte zukünftig durch Systeme erweitert werden. Möglich wäre das Platzieren von Sensoren aber der Oberfläche, die auf eine Distanz von 100 bis 400 Metern die Gase von Chemikalien zur Herstellung von Bomben erkennen können.

Das Projekt Lotus sieht vor, dass solche Sensoren mobil sind, die etwa in Polizeiautos installiert werden, die permanent aktiv sind. Durch die Kombination der Daten von Emphasis und Lotus könnte so die Genauigkeit und die Geschwindigkeit des Erschnüffelns von Gefahren verbessert werden.