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Förderung Silicon Austria: 280 Millionen Euro für Elektronik-Industrie.

 
  - Foto: APA/GEORG HOCHMUTH
Die Elektroindustrie soll für Österreich das werden, was die Autoindustrie in Deutschland repräsentiert. Dazu wird deutlich mehr Geld ausgegeben als ursprünglich geplant.

Die heimische Elektroindustrie soll im Rahmen der „Silicon Austria“-Initative über die kommenden fünf Jahre mit 280 Millionen Euro gefördert werden. Das gaben Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) und Vertreter der Industrie und Landesregierungen am Montag bekannt. Je 70 Millionen Euro werden von Bund und Land beigesteuert, die restliche Summe kommt von der Industrie. Die Fördersumme liegt damit deutlich über jenen 190 Millionen Euro, von denen bei der Präsentation im Vorjahr noch die Rede war.

Damit sollen gezielt Forschungsprojekte von Hochschulen und Unternehmen in der Steiermark, Kärnten und Oberösterreich gefördert werden. Leichtfried hofft, dass Österreich sich so längerfristig als internationaler Hotspot für Mikroelektronik positionieren kann: „Was die Schweizer bei den Uhren sind und die Deutschen früher bei den Autos waren, wird Österreich für Elektronik und Mikroelektronik.“

Verteilung ab Oktober

Die Standorte der Initiative sollen in Graz, Villach und Linz angesiedelt werden und unterschiedliche Schwerpunkte haben. In Villach soll der Fokus auf Sensorik und Sensorsysteme sowie Leistungselektronik gelegt werden, wohingegen in Linz vor allem Hochfrequenz-Technologien entwickelt werden sollen. Graz legt den Schwerpunkt auf „System-Integration“ – das Zusammenspiel aller Elektronik-Komponenten – und fungiert zugleich als Hauptquartier von „Silicon Austria“. Dass diese Bereiche insbesondere beim Thema autonomes Fahren von hoher Bedeutung sind, sei laut Leichtfried eher ein Zufall. „Es wird immer gesagt, das wäre ein Steckenpferd von mir. Ich habe kein Steckenpferd, aber ich finde das Thema aus der Verkehrsperspektive sehr wichtig.“

Mit der Verteilung der Gelder soll ab dem vierten Quartal begonnen werden, so Sabine Herlitschka, Vizepräsidentin des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI). Projekte werden nach Möglichkeit im Verhältnis „50 zu 50“ aus öffentlichen und privaten Geldern gefördert. Laut Leichtfried sollen die Gelder nach einem „fairen Aufteilungsschlüssel“, der sich am Potenzial der Projekte orientiert, vergeben werden. Hier dürften aber wohl Kärnten und Steiermark den größten Teil des Kuchens abbekommen.

Kern will Elektronikindustrie fördern

„Kärnten ist startbereit – die Baupläne sind fertig, wir können morgen damit beginnen, die neuen Labors zu errichten“, so die Kärntner Landeshauptmannstellvertreterin Gabriele Schaunig (SPÖ). Die Maßnahme soll österreichweit 500 neue Jobs schaffen, alle Beteiligten erwarten sich aber längerfristig deutlich mehr Wertschöpfung für den heimischen Industriestandort. Zu konkreten Projekten äußerte man sich nicht, bei der Präsentation des Projekts vergangenen August war aber noch von Pilotfabriken und Fab Labs die Rede.

PK BMVIT "SILICON AUSTRIA: NEUES SPITZENFORSCHUNGS
Michael Strugl, Sabine Herlitschka, Jörg Leichtfried, Christian Kern, Gaby Schaunig, Barbara Eibinger-Miedl (v.l.n.r.) - Foto: APA/GEORG HOCHMUTH
Kern betonte bei der Präsentation, dass derartige Partnerschaften zwischen Staat und Unternehmen notwendig seien, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben. Als erfolgreiches Beispiel nannte er die britische Fluglinie Easyjet, die kürzlich ihr Hauptquartier nach Österreich verlegt hat: "Das war zuletzt ein intensiver Wettkampf zwischen uns und Portugal, solche Dinge fallen einem nicht in den Schoß." Zudem wolle man bestehende starke Industrien fördern. „Wir wollen in den nächsten zehn bis 15 Jahren kein Billigland werden, sondern wir wollen mit Qualität punkten. Dazu müssen wir besser werden als alle anderen“, so Kern.

Dazu setze man auf die gezielte Förderung von internationalen Unternehmen, sodass diese Marktführer werden oder ihre Führungsposition behaupten können. „Wir wollen nicht von allem ein bisschen was machen, dieses klassische österreichische Konzept, sondern wir wollen unsere Stärken gezielt fördern.“

Thema bei EU-Ratspräsidentschaft

Dazu müsse man auch weg vom Gießkannen-Prinzip, wie Leichtfried erklärte. Herlitschka bekräftigt diese Position, auch wenn sie Österreich international in der „David“-Rolle sieht:  „Wer sich an den Herrn der Ringe erinnert, weiß aber, dass die Kleinen durchaus ihre Chancen haben, wenn sie sich auf ihre Stärken konzentrieren.“ Laut Kern richtet sich die Initiative nicht nur an Unternehmen, die bereits einen Standort in Österreich haben, sondern soll auch neue Unternehmen anlocken.

Laut Kern soll der Elektronik-Standort Europa auch Thema der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft sein, die in der zweiten Jahreshälfte 2018 beginnt.

(futurezone) Erstellt am 24.07.2017, 12:00

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