Science
25.08.2016

Silicon Austria: 80 Millionen Euro für die Elektronik-Industrie

Das Infrastrukturministerium will heimische Elektronik-Unternehmen mit insgesamt 80 Millionen Euro fördern. Kernstück der Initiative wird ein Forschungszentrum sein.

"Was den Schweizern mit Uhren gelungen ist, wollen wir mit Elektronik und Mikroelektronik erreichen", sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) bei der Präsentation des Förderprogramms "Silicon Austria" am Donnerstag in Alpbach. " Elektronik made in Austria soll eine Weltmarke werden."

Das Infrastrukturministerium will 80 Millionen Euro in den Bereich investieren. Kernstück der Initiative ist ein Forschungszentrum, das 50 Millionen Euro kosten wird. Auch die Schaffung einer Pilotfabrik und die Errichtung von Fab Labs und Maker Spaces an Universitäten und Schulen sind geplant. Vier Stiftungsprofessuren sollen das Förderprogramm abrunden. Am Donnerstag unterzeichnete Leichtfried gemeinsam mit Vertretern von 25 teilnehmenden Unternehmen eine entsprechende Absichtserklärung.

"New Deal"

Leichtfried sprach von einem "New Deal" für die heimische Elektronikindustrie. Elektronik durchziehe zunehmend alle Lebensbereiche und sei die Grundlage für viele weitere Entwicklungen, die Elektronik sei das Nervensystem des Wirtschaftssystems, sagte der Infrastrukturminister. Mit rund 180 Unternehmen, die 63.000 Mitarbeiter beschäftigen und 80 Milliarden Euro Umsatz machen, sei in Österreich eine gute Ausgangsposition gegeben.

In dem neuen Forschungszentrum, dessen Standort noch zu bestimmen ist, soll die außeruniversitäre Forschung in dem Bereich gebündelt und enger mit Universitäten verzahnt werden, heißt es in einem Papier des Ministeriums. Eine Errichtungsgesellschaft wird ab September ein Konzept und thematische Schwerpunkte ausarbeiten. Bis Herbst 2017 soll das "Weltklasse Forschungszentrum" dann stehen. Es soll als gemeinschaftliches Unternehmen von Austrian Institute of Technology (AIT), Joanneum Research, Carinthian Tech Research und Materials Center Leoben geführt werden. Die öffentliche Hand wird 50 Millionen Euro beisteuern, an der Finanzierung sollen sich aber auch Unternehmen aus der Privatwirtschaft beteiligen. Im Infrastrukturministerium hofft man mit den öffentlichen Investitionen Gesamtinvestitionen von mindestens 190 Millionen Euro anzuregen.

Pilotfabriken und Fab Labs

Ebenfalls 2017 sollen Elektronik-Pilotfabriken entstehen, um Neuentwicklungen schneller marktreif zu machen. An Universitäten und Schulen ist die Errichtung von Fab Labs geplant, an die regionale Maker Spaces angeschlossen werden sollen. Die "offenen Werkstätten" sollen auch Privatpersonen Zugang zu modernen Produktionsmitteln und Maschinen bieten.

"Höchste Zeit"

Von Vertretern der teilnehmenden Unternehmen gab es - wenn auch verhaltenes - Lob für die Regierungsinitiative.Für eine solche Initiative sei es "höchste Zeit", sagte Andreas Gerstenmayer, Vorstand beim steirischen Leiterplattenhersteller AT&S. 80 Millionen Euro seien zwar für österreichische Verhältnisse bemerkenswert, im internationalen Vergleich sei die Summe aber "relativ überschaubar". Die Initiative biete die Chance technologische Brücken zu schaffen, sagte Gerstenmayer: "Wir brauchen Forschungsinfrastruktur und Plattformen über die Zusammenarbeit möglich ist." Nun gehe es darum, das Geld fokussiert einzusetzen. "In die Breite zu gehen, wäre der falsche Ansatz", sagte der AT&S-Manager.

"Die Idee ist groß, die Beträge sind noch klein", meinte auch Martin Schrems vom steirischen Halbleiterhersteller ams. Stefan Poledna vom Wiener Unternehmen TTTech, das im Bereich autonomes Fahren aktiv ist und auch Anwendungen für die Raumfahrt entwickelt, sieht in der Initiative die Chance "Intelligenz" in europäische Hardware zu bekommen. Er brachte auch ein weiteres Problem der heimischen Branche zur Sprache. Seine Firma suche heuer 200 Mitarbeiter, könne sie aber in Österreich nicht finden. "Wir sind in unseren Möglichkeiten und unserem Wachstum eingeschränkt, weil wir die Leute nicht bekommen."

Paul Hübner vom Halbleiterkonzern NXP verwies darauf, dass es die Intiitative ermögliche, mehr im eigenen Land zu forschen. Bedarf sieht er vor allem in den Bereichen Internet of Things, der Automatisierung von Fertigungsprozessen in der Industrie 4.0, aber auch in der Sicherheitstechnologie.

Schwerpunkte

Nach dem im Juli vorgestellten Start-up-Paket, mit dem Unternehmensgründungen erleichtert werden sollen, sei die "Silicon Austria"-Initiative der zweite Schritt einer Förderoffensive, sagte Leichtfried. Mit der Summe könne nicht alles erreicht werden, was in dem Bereich notwendig sei, räumte der Minister ein. Jetzt gehe es darum Schwerpunkte zu setzen und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden: "Es muss zu einem Kristallisationseffekt kommen."

Die Setzung von Prioritäten mahnteWirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) ein. Mahrer verwies auf europäische Mittel, "die auch abzuholen sind". Als Beispiel nannte er die Ansiedlung von Leitprojekten im Bereich Quantencomputing in Österreich, für die es bereits Gespräche gebe: "Da braucht man 100 Millionen Euro, um mitspielen zu können."