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Studie
05/30/2012

Smart Meter: "Bürger wollen mitentscheiden"

Es ist nicht nur einfach ein Zählertausch, sondern einer Technologie-Wende: Der Umstieg von mechanischen auf digitale Stromzähler. Einer neuen Studie aus Österreich zufolge wollen die Konsumenten bei dem Umstieg auf die neue Technologie mitreden - und besser über die Vorteile und Risiken informiert werden.

von Barbara Wimmer

Bis Ende 2019 werden in Österreich die Stromzähler ausgetauscht. Statt den bisherigen mechanischen Ferraris-Zählern kommen digitale Zähler, sogenannte Smart Meter, zum Einsatz – und zwar verpflichtend für alle. Mit diesem Zählertausch geht ein Technologie-Wandel vor sich, der große Auswirkungen auf die Gesellschaft haben wird. Doch diese fühlt sich einer Studie des Interuniversitären Forschungszentrums Graz (IFZ) nicht ausreichend in den Entscheidungsprozess eingebunden und mit zu wenigen Informationen versorgt.

"Konsumenten wollen Wahlfreiheit"
„Die Diskussion darüber fand bisher unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt", sagte Hans G. Zeger, Geschäftsführer der e-commerce monitoring gmbh, bei der Pressekonferenz in Wien am Mittwoch, bei der das Forschungsprojekt „Smart New World?" vorgestellt wurde. Dabei wurde unter anderem untersucht, was Verbrauchern bei der Einführung von Smart Metern wichtig ist. „Die Konsumenten plädieren hier ganz eindeutig für Wahlfreiheit", erklärte der Soziologe Jürgen Suschek-Berger vom IFZ. „Und zwar sowohl was die Einführung und die Wahl der Zähler, als auch Aspekte wie Datenübertragung und Tarife betrifft", ergänzte er.

Bisher sind jedoch von gesetzlicher und regulatorischer Seite aus keine Wahlmöglichkeiten für Kunden vorgesehen, die Zähler werden verpflichtend ausgetauscht. „Die Basistechnologie wird kommen und die Kunden werden das nicht selbst entscheiden können, ob sie neue Zähler bekommen oder nicht. Die Trafo-Stationen kann man sich ja auch nicht aussuchen", erklärte Zeger auf futurezone-Nachfrage. „Aber es sollte zumindest Wahlmöglichkeiten zwischen Geräten mit Mindest- und Zusatzfunktionen geben", sagte der Datenschützer.

Heikle Fernabschaltfunktion
Die Mindestfunktionen sollten sich dabei auf die Ablesung der Daten zum Verrechnungsstichtag sowie beim Wechsel des Stromversorgers oder Tarifs beschränken und vor allem keine Fernsteuerfunktion vorsehen. So lautet der ausgearbeitete Vorschlag der „Smart New World?"-Forschungsgruppe.

Über eine derartige Fernabschaltfunktion können Energieversorger beispielsweise säumigen Kunden den Stromverbrauch drosseln, nachdem diese ihre Rechnung samt Mahnungen nicht beglichen haben. Doch gerade diese für Energieversorger sehr nützliche Funktion kann Angreifern ein Einfallstor in das ganze Energiesystem bieten (

).

Doch laut den jeweilig relevanten Verordnungen der E-Control und des Wirtschaftsministeriums ist die Fernsteuerfunktion den Netzbetreibern in Österreich verpflichtend vorgeschrieben. „Damit stellt sich Österreich gegen den europäischen Trend", erklärte Zeger.

"Daten sind sehr interessant"
Auch die Daten werden künftig nicht nur zu einem (monatlichen) Verrechnungsstichtag abgelesen, sondern in 15-Minuten-Intervallen. Wer (Netzbetreiber, Energielieferant, Konsument) genau für wie lange auf die Daten Zugriff haben wird, ist derzeit Gegenstand von einer weiteren Verordnung der E-Control. „Tatsache ist, dass die Daten sehr interessant sind. Wenn der Energielieferant beispielsweise vom Gericht als Zeuge bestellt wird, hat er Auskunft zu geben", so Zeger. Dies komme bei Streitigkeiten über Mietverträge immer wieder vor und werde derzeit von keiner Regelung dezidiert ausgeschlossen, fügte der Datenschützer hinzu.

„Wir haben es hier mit einem Systemwechsel zu tun, bei dem fünfeinhalb Millionen Zähler plötzlich zu Einfallspunkten werden, die man sicher machen muss", erklärte Zeger. Deshalb sei es notwendig, im Vorfeld der Einführung mit allen Betroffenen darüber zu diskutieren. „Auch die Konsumenten müssen selbst aktiv am Prozess teilnehmen können und die Technik-Entwicklung mitgestalten", sagte Walter Peissl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Neben einer Wahlfreiheit von Mindest- und Zusatzfunktionen (etwa zur automatischen Steuerung von Haushaltsgeräten) müsse es auch eine Interoperabilität der Geräte geben. „Es sollen nicht 100 Insel-Lösungen entstehen", warnte Peissl.

"Wir brauchen einen Partizipationsprozess"
Die Forscher kündigten an, im Laufe des nächsten Monats ein „Policy Paper" für Stakeholder zu veröffentlichen. Dieses soll alle Vorschläge zu einer „sozialverträglichen" Einführung von Smart Metern in Österreich zusammenfassen. „Wir hoffen, dass sich dann alle Beteiligten an einen Tisch setzen und miteinander reden, denn wir brauchen dringend einen Partizipationsprozess", so das Fazit des Wissenschaftlers.

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