Science
12.04.2018

So soll die erste private Mondlandemission ablaufen

2019 sollen zwei Rover den Landeplatz der Apollo-17-Mission besuchen. Red Bull plant gleich drei weltweite Live-Übertragungen der "Mission to the Moon".

2012 verfolgten Millionen Fernsehzuseher in aller Welt Felix Baumgartners Fallschirmsprung aus 39 Kilometer Höhe. 2019 will das Red Bull Media House einen noch größeren Coup als beim Projekt Stratos landen. Das österreichische Unternehmen wird Medienpartner von "Mission to the Moon", der ersten privat finanzierten Mondlandung. Dies wurde im Rahmen der Fernseh-Fachkonferenz MipTV im französischen Cannes angekündigt.

Idee seit 2009

Das Konzept für "Mission to the Moon" existiert bereits seit 2009. Entwickelt wurde es von dem eigens dafür gegründeten Berliner Unternehmen Part-Time Scientists (später PTScientists). Anreiz für die Raumfahrtmission bot der Google Lunar X-Prize. 30 Millionen Dollar winkten dabei jenem Team, das es als erstes schaffen würde, ein Roboter-Fahrzeug ( Rover) auf dem Mond abzusetzen und dort mindestens 500 Meter zu fahren.

Partner

Einen ähnlichen Plan verfolgt PTScientists auch in der zweiten Jahreshälfte 2019. Eine Landefähre namens "Alina" – an deren Entwicklung u.a. das Space Team der TU Wien beteiligt war – soll an der Spitze einer Falcon-9-Rakete von SpaceX Richtung Mond aufbrechen und gleich zwei Rover mitnehmen. Seit dem Einstieg von Audi in das Projekt werden die beiden mobilen Roboter "Audi Lunar Quattro" genannt. Weil später auch der Mobilfunker Vodafone einstieg, bauen "Alina" und die Rover das erste LTE-Netz auf dem Mond auf.

Die Rover sollen eine historische Stelle besuchen. "Alina" wird nämlich im Taurus-Littrow-Tal landen. Dieses war im Dezember 1972 Ziel von Apollo 17, der bislang letzten bemannten Mondmission. Astronaut Gene Cernan, der "letzte Mann am Mond", verstarb erst 2017.

Besuch bei Urahn

Eines der bedeutendsten Relikte der Mission auf dem Mond ist das Lunar Roving Vehicle (LRV), quasi der Urahn aller Rover. Während dreier Raumfahrtmissionen (Apollo 15, 16, 17) wurden diese Elektrofahrzeuge von Astronauten eingesetzt, um die weitere Umgebung ihrer Landestellen zu erkunden.

 Die beiden Rover von "Mission  to the Moon" sollen das LRV von Apollo 17 ansteuern und ihre Begegnung mit hochauflösenden Kameras filmen. PTScientists-CEO Robert Böhme erwartet sich "einen 'Apollo-Moment' für die neue Generation". Hier kommt das Red Bull Media House ins Spiel, das bereits Medienpartner für den Lunar X Prize war. Der Wettbewerb wurde übrigens im Jänner 2018 ohne Sieger beendet.

Forschungsspektakel

Das heimische Unternehmen wird gleich drei Ausschnitte der Mission weltweit live übertragen: Den Start, die Landung von "Alina" am Mond sowie die erste Begegnung der beiden Audi-Rover mit dem LRV. Die Bilder sollen nicht nur im TV, sondern auch auf diversen Online-Plattformen zu sehen sein. Die Red-Bull-Tochter Terra Mater Factual Studios wird im Anschluss an die Mission eine dreiteilige Dokumentation veröffentlichen.

Ein reines Medienspektakel soll "Mission to the Moon" keinesfalls darstellen. Das Projekt bietet zahlreiche Mitfluggelegenheiten für Nutzlast. Die NASA hat sich etwa Platz in einem der Rover für ein Experiment zum Pflanzenwachstum bei verringerter Schwerkraft reserviert. Auch andere Frachtplätze sind bereits fix vergeben. PTScientists will beweisen, dass der Eroberung des Weltraums durch Privatunternehmen, gemäß dem Motto "das All gehört allen", nichts mehr im Weg steht.