Science
25.05.2015

Solarflugzeug: Start erneut verschoben

Nie zuvor ist ein Solar-Flugzeug solange geflogen - und dann noch über den Pazifik. Der Start wurde allerdings wieder verschoben.

Am Dienstag um 03.00 Uhr Ortszeit (Montag 21.00 Uhr MESZ) wäre es soweit gewesen: Dann soll die „Solar Impulse 2“ in China ihre siebente Etappe der Weltumrundung in Angriff nehmen, wie die Verantwortlichen in der Nacht auf Montag mitteilten. Am Montag wurde der Start jedoch erneut wegen schlechten Wetters verschoben.

Der Solarflieger startet von Nanjing zur mit 8.172 Kilometern längsten Etappe nach Hawaii. Während fünf Tagen oder rund 120 Stunden überquert die Solar Impulse 2 den Pazifik. Zuletzt musste der Start wegen ungünstigem Wetter mehrere Wochen verschoben werden.

"Größte Herausforderung"

Das Pionierfluggerät, dessen vier Elektromotoren von 17.000 Solarzellen betrieben werden, hätte ursprünglich am 5. Mai China verlassen sollen. Im Cockpit wird wie geplant Pilot Andre Borschberg sitzen. „Der Versuch, den Pazifik zu überfliegen, wird die größte Herausforderung des ganzen Projekts“, sagte er.

Es ist mit sechs Tagen die längste und gefährlichste Etappe auf der Weltumrundung des Fliegers, der nur mit Sonnenenergie betrieben wird. Nie zuvor ist ein Solarflugzeug so weit an einem Stück geflogen.

„Es ist extrem schwierig und heikel“, sagte der Abenteurer Borschberg, der im Cockpit sitzen wird, am Montag wenige Stunden vor dem Start. „Der Flug über den Pazifik ist die größte fliegerische Herausforderung, die ich jemals angenommen habe.“ Auf den zwölf Etappen der Weltreise wechselt sich der erfahrene Pilot mit seinem Kollegen, dem Luftfahrtpionier Betrand Piccard (57), im Cockpit ab.

UAE SWITZERLAND SOLAR IMPULSE TEST FLIGHT

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UAE SWITZERLAND SOLAR IMPULSE TEST FLIGHT

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UAE SWITZERLAND SOLAR IMPULSE TEST FLIGHT

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UAE SWITZERLAND SOLAR IMPULSE TEST FLIGHT

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Nur 20 Minuten Schlaf

Es ist auch körperlich eine Herausforderung. Borschberg wird auf dem 8172 Kilometer langen, sechstägigen Flug nach Hawaii nur maximal 20 Minuten am Stück schlafen können. Mit Yogatechniken und Gymnastik im Liegen will sich der 62-jährige Abenteurer in dem kleinen Cockpit fit und wach halten. Die nächste Etappe von Hawaii an die amerikanische Westküste soll dann Piccard übernehmen.

„Jeden Tag müssen wir genug Energie von der Sonne einsammeln, um Tag und Nacht zu fliegen“, sagte Borschberg. Es sei über dem Pazifik schwierig, das richtige Wetter zu finden. Das Flugkontrollzentrum in Monaco werde ständig die meteorologischen Bedingungen analysieren, um Route und Flughöhe anzupassen. „Wenn das Flugzeug höher steigt, fallen die Temperaturen drinnen auf minus 20 bis 40 Grad.“

Werbung für Solarenergie

Die Weltumrundung hatte Anfang März im Golfemirat Abu Dhabi begonnen und über Indien und den Himalaya nach Ostchina geführt. Mit dem Vorhaben wollen die Abenteurer auf die Möglichkeiten der Sonnenenergie hinweisen. „Wir wollen jeden anspornen, die Technologie für einfache Lösungen zu nutzen, um das Probleme anzugehen, das wir unseren Planeten ausplündern, in dem wir mehr Energie verbrauchen als die Welt zur Verfügung stellen kann“, sagte Borschberg.

„Die Technologie, mit der dieses Flugzeug gebaut wurde, steht jedem zur Verfügung, um eigene Anwendungen zu bauen“, sagte der Pilot. Angetrieben wird das einsitzige Karbonfaser-Flugzeug von vier Elektromotoren. Mehr als 17 000 Solarzellen zapfen der Sonne die erforderliche Energie ab. Die Zellen sitzen auf den Flügeln mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet. Gespeichert wird die Solarenergie in Lithium-Batterien.

"Viel Energie sparen"

Einige Länder machten große Schritte mit grünen Technologien, sagte Borschberg. „Aber andere Länder bauen immer noch auf eine Weise, die jede Menge Energie verbraucht.“ Das Potenzial umweltfreundlicher Lösungen sei aber enorm. Es lasse sich „sehr schnell sehr viel Energie sparen“. In China, dem größten Energieverbraucher der Welt, seien sie auf großes Interesse gestoßen.

Schon heute sei die - nach den USA - zweitgrößte Wirtschaftsnation die Nummer Eins in der Solarenergie. „Ich bin überzeugt, dass China auch die Nummer Eins in grüner Technologie wird“, sagte Borschberg. Den Chinesen sei bewusst, dass sie mit der Luftverschmutzung in ihren Metropolen vor großen Herausforderungen stünden.

Gelingt die Pazifik-Überquerung, muss „Solar Impulse 2“ von den USA aus noch die ebenfalls harte Etappe über den Atlantik meistern und will dann nach Südeuropa und Nordafrika weiterfliegen. Im nächsten Sommer wollen die beiden Abenteurer mit ihrem Sonnenflieger wieder am Persischen Golf ankommen.

Diese Etappen flog das Solarflugzeug

  • LEG 1: 9. März. Abu Dhabi (UAE) nach Muscat (Oman) - 441km; in 13 Stunden und 1 Minute.
  • LEG 2: 10 März. Muscat (Oman) nach Ahmedabad (India) - 1,468km; in 15 Stunden und 20 Minuten
  • LEG 3: 18 März. Ahmedabad (India) nach Varanasi (India) - 1,215km; in 13 Stunden und 15 Minuten
  • LEG 4: 19 März. Varanasi (India) nach Mandalay (Myanmar) - 1,398km; in 13 Stunden und 29 Minuten
  • LEG 5: 29 März. Mandalay (Myanmar) nach Chongqing (China) - 1,459km; in 20 Stunden und 29 Minuten
  • LEG 6: 21 April. Chongqing (China) nach Nanjing China - 1,241km; in 17 Stunden und 22 Minuten

Solarflug: "Wir sind mit dem Unbekannten konfrontiert"

Am Montag wurde in Abu Dhabi der Versuch gestartet, erstmals mit einem Solarflugzeug die Welt zu umrunden. Eine Woche vor dem Abflug sprach die futurezone mit den beiden Piloten Bertrand Piccard und Andre Borschberg in den Vereinigten Arabischen Emiraten über ihr Projekt Solar Impulse. Piccard, der 1999 die erste erfolgreiche Nonstop-Ballonfahrt um die Erde geschafft hatte, absolvierte am Tag des Interviews einen seiner letzten Testflüge mit Solar Impulse 2. An der Fliegerei mit Sonnenenergie arbeiten Piccard und sein Schweizer Landsmann Borschberg schon seit 2003.

Wie war ihr Tag, Herr Piccard?
Bertrand Piccard: Der Trainingsflug heute war ein wichtiger Schritt für mich. Das Flugzeug ist bereit. Als ich eine kleine Runde über den Flughafen drehte, war es eine witzige Vorstellung, dass es beim nächsten Mal 35.000 Kilometer ostwärts geht, bis wir wieder hier ankommen - hoffentlich. Wir spüren, dass das Abenteuer beginnt.

Was haben Sie in den letzten beiden Monaten genau getestet?
Bertrand Piccard: Das Flugzeug musste für die Zivilluftfahrt zertifiziert werden, deshalb waren einige Verbesserungen notwendig, etwa bei der Sauerstoffversorgung, bei den Alarmsystemen, bei der Redundanz. Wir mussten alles trainieren um darin vollständig geübt sein und während des Fluges Probleme bewältigen zu können.
Andre Borschberg: Experimentelle Flugzeuge fliegen normalerweise über unbewohntem Gebiet. Wir fliegen dagegen über Großstädten. Das Flugzeug muss deshalb extrem verlässlich sein und zertifiziert werden. Deshalb gibt es eine Menge Tests.

Bei Ihrer Reise werden sie ja teilweise fünf Tage am Stück an Bord verbringen. Haben Sie das während ihrer Tests auch probiert?
Andre Borschberg: Nein, nicht so lange. Wir haben drei Tage und drei Nächte im Simulator verbracht. Wir stiegen nicht aus, haben uns darin ausgeruht, gegessen, unsere natürlichen Bedürfnisse verrichtet, genauso wie wir es im Cockpit tun müssen. So haben wir Strategien entwickelt, aber in der Praxis wird es noch ein bisschen anders sein. Wir werden über dem Meer sein, manchmal auf großen Höhen, manchmal wird es sehr kalt sein. Wir sind hier mit dem Unbekannten konfrontiert, das macht die Sache auch interessant.
Bertrand Piccard: Als ich im Ballon um die Welt flog, war ich 20 Tage nonstop in einer Kapsel. Dadurch habe ich einen Vorgeschmack. Ich musste dabei lernen, wie man sich sein kleines Haus am Himmel baut. Das ist eine sehr spezielle Erfahrung, aber ich liebe das, mit den Kräften der Natur um den Planeten zu reisen. Beim Ballon war es der Wind, beim Flugzeug ist es die Sonne.

Wie lief die Zusammenarbeit mit ihren Partnern, etwa mit dem Aufzughersteller Schindler bei der Solarzellenentwicklung?
Andre Borschberg: Wir arbeiten mit Schindler intensiv zusammen, auch weiterhin, denn bei experimentellen Flugzeugen sind immer Verbesserungen und Veränderungen notwendig. Für Schindler war es genauso wichtig wie für uns, Energie zu sparen. Wir bekommen Energie aus der Natur, es ist wichtig, sie effizient zu nutzen. Wir haben gemeinsam hart daran gearbeitet. Schindler-Techniker waren jahrelang Teil unseres Teams.

Haben Sie das Gefühl, dass jetzt alles bereit ist für den großen Flug?
Andre Borschberg: Es beginnt sich so anzufühlen, ja. Wenn Sie uns vor einer Woche gefragt hätten, wäre die Antwort möglicherweise noch anders ausgefallen. Jetzt ist alles auf den Start fokussiert, obwohl wir in einigen Ländern noch Genehmigungen brauchen. Ein Teil unseres Teams reist deshalb beispielsweise gerade nach China. Ich habe vollstes Vertrauen, dass alles gut laufen wird, aber wir stehen natürlich unter Druck.

Gab es Zeiten, wo sie daran gedacht haben, das Projekt aufzugeben?
Bertrand Piccard: Als wir uns entschieden haben, das Projekt anzugehen, gaben wir eine Pressekonferenz, noch bevor wir Geld, ein Team oder die notwendige Technologie hatten. Und wenn du einmal allen erzählst, was du tun wirst, dann kannst du gar nicht aufgeben. Das war eine große Hilfe, weil es manchmal kritisch wurde. 2013 waren wir fast pleite, aber dann kam Google an Bord und wir konnten weitermachen. Es ist ein Seiltanz und wir sind ständig im Stress. Manchmal ermutigen wir uns gegenseitig. Wir arbeiten großartig zusammen und haben eine wunderbare Freundschaft. Und unser Team ist sagenhaft.

Fahren Sie eigentlich persönlich ein normales Auto?
Bertrand Piccard: Nein, natürlich nicht. Ich hasse alte, umweltverschmutzende Technologien. Meiner Meinung nach sollten die alle durch neue, saubere Technologien ersetzt werden. Ich fahren einen Plug-In-Hybrid, Andre genauso. Mobilität muss sauber sein, Häuser müssen sauber sein. Hab ich auch bei meinem Haus gemacht. Isolierung verbessert, Fenster ausgetauscht. Meine Heizkosten sind jetzt nur noch ein Drittel so hoch. Mit sauberer Technologie kann man Geld sparen. Deshalb wollen Andre und ich eine große Aktion während unseres Fluges starten: 'Die Zukunft ist sauber'. Finden Sie auf unserer Webseite. Wir hoffen, in sechs Monaten Millionen Unterschriften gesammelt zu haben, um sie Regierungen vorlegen zu können. Das soll ein klares Signal sein, dass der Bevölkerung das Thema wichtig ist.