Science
01.10.2018

Suche nach Heißwasserquellen rund um Wien startet

Mit einer speziellen 3D-Seismik-Messung will Wien Energie herausfinden, ob es Thermalquellen gibt.

„Es gibt nur drei Millionenstädte in Europa, von denen man weiß, dass es dort Heißwasserquellen gibt. Paris, München und Wien“, sagt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien-Energie-Geschäftsführung vor Journalisten. Wo genau die Quellen in oder rund um Wien sind, weiß man allerdings noch nicht. Um das herauszufinden, startet das Energieunternehmen im Oktober sogenannte 3D-Seismik-Messungen. Dabei werden Schwingungen ähnlich wie Schallwellen in bis zu 6000 Meter Tiefe geschickt, reflektiert und von Sensoren aufgezeichnet.

Die 3D-Seismik-Messungen dienen dazu herauszufinden, ob sich heißes Wasser in der Erde befindet. Dieses heiße Wasser, das im Idealfall zwischen 90 und 150 Grad Celsius hat, könnte nämlich ins Fernwärmenetz eingespeist werden und als Energiequelle für die Wärmeversorgung von Wien genutzt werden.

„Die Wassertemperatur selbst kann man mit den Messungen nicht feststellen, aber anhand der Tiefe, in der sich der Wasservorrat befindet, lässt sich das relativ gut einschätzen“, erklärt Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds. Der Klima- und Energiefonds unterstützt das fünf Millionen Euro schwere Forschungsprojekt von Wien Energie finanziell.

Pro Grätzel ein bis zwei Stunden

Ab 15. Oktober werden zwölf „Impulsfahrzeuge“, also vier mal drei Flotten, zwei Monate lang im 2., 11. und 22. Wiener Gemeindebezirk sowie angrenzend in einem kleinen Teil Niederösterreichs auf insgesamt 175 Quadratkilometern unterwegs sein. Straßenzüge sind dann für kurze Zeit gesperrt. „Das darf man sich so ähnlich vorstellen wie wenn ein Fahrzeug der Müllabfuhr unterwegs ist“, erklärt Karl Gruber, Wien-Energie-Geschäftsführer. „Gemessen wird dabei ausschließlich an der Erdoberfläche.“

Angrenzende Bewohner könnten bei den Messungen kleine Erschütterungen spüren, ähnlich diesen, wie wenn ein neues Haus gebaut wird. Diese dauern allerdings nur wenige Sekunden, wie die futurezone bei einem Lokalaugenschein mit den Impulsfahrzeugen feststellen durfte. Insgesamt werden bis zu 50 TB Daten erhoben. Aus diesen Daten kann dann erstmals ein präzises geologisches 3D-Modell des Wiener Untergrunds erstellt werden, welches Informationen über die Lage und Größe von potentiellen wasserführenden Gesteinsschichten liefert.

Im Februar und März 2017 wurden erstmals Messungen in dem Bereich durchgeführt, diese waren allerdings in 2D. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse haben nun bei der Planung, Durchführung und Auswertung der 3D-Messungen geholfen.

"Vorzeige-Digitalisierungsprojekt"

Wien Energie wird bei den Messungen vom Kooperationspartner OMV mit Experten-Know-How bei der Planung und Durchführung der Messungen unterstützt. Die OMV hat bereits 1982 die ersten seismologischen Untersuchungen in Höflein, westlich von Wien, durchgeführt und unlängst ein ähnliches Projekt im Weinviertel abgeschlossen. „Mit den neuen Technologien können wir um das Vierfache effizienter vorgehen. Das Projekt dauert damit kürzer und stellt einen geringeren Eingriff in die Umwelt dar“, erklärt Reinhard Oswald, Geschäftsführer der OMV Austria. Es sei zudem ein „Vorzeige-Digitalisierungsprojekt“.

Konkret werden wesentlich mehr Messpunkte als früher erhoben und die Datengenauigkeit ist besser. Wien Energie hofft daher, hier mehr zu finden als im Jahr 2005, als es bereits einmal eine Suche nach Heißwasserquellen gegeben hatte. „Wenn wir die CO2-Emissionen weiter massiv reduzieren wollen, dann müssen wir genau an diesem Hebel ansetzen. Geothermie bietet dafür enormes Potential“, so Strebl.

Mit den ersten Ergebnissen des Forschungsprojektes ist allerdings erst 2020 bzw. 2021 zu rechnen, denn so lange dauert es, bis die enorme Datenmenge verarbeitet und ausgewertet sein wird. „Aufgrund der hohen Komplexität der geophysikalischen und geologischen Analysen wird dieser Prozess etwa zwei Jahre dauern. Wir arbeiten hier eng mit den unterschiedlichen GeoTief-Partnern zusammen“, erklärt Gruber.

Disclaimer: Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Wien Energie und der futurezone.