Zur mobilen Ansicht wechseln »

GeoTief Wien Seismik-Messgeräte suchen in Wien nach Heißwasser.

So sieht ein Seismik-Messgerät aus.
So sieht ein Seismik-Messgerät aus. - Foto: SWM – Stadtwerke München
Im Rahmen eines neuen Energieforschungsprojekts wird der Boden im östlichen Raum Wiens mit Seismik-Messungen erkundet. Gesucht wird nach Heißwasser.

Im Osten Wiens gibt es noch Ausläufer der Kalkalpen. Und Kalk ist ein Steingebilde, das sehr gut geeignet ist, um umweltfreundlich Wärme aus tieferliegenden Heißwasservorkommen abzuleiten. „Bisherige Daten und Fakten lassen vermuten, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit derartige Vorkommen in tiefen Erdschichten gibt“, erklärt Karl Gruber, technischer Geschäftsführer von Wien Energie.

Messungen der OMV, die freilich nicht nach Wasser, sondern nach Öl gesucht hatten, hatten bereits vor Jahren ergeben, dass es in der Gegend rund um Aspern im 22. Wiener Gemeindebezirk sowie in den Gemeinden Raasdorf und Groß-Enzersdorf in Niederösterreich Heißwasserquellen geben muss. Doch wie groß diese sind, und wo genau und wie tief sie liegen, weiß man bisher nicht.

Start im Februar 2017

Die Wien Energie startet mit GeoTief Wien nun ein eigenes Forschungsprojekt, das sich der Suche nach Heißwasserquellen zur Nutzung für die Energieversorgung widmet. Mitte Februar starten erste seismische Messungen mit einem 2D-Gerät dazu. Damit wird das Gebiet sechs Wochen lang grob erkundet. Ein Jahr später will man mit 3D die exakten Messungen vornehmen.

Ablaufgrafik_GeoTief Wien.png
Foto: Wien Energie
Die Messungen werden auch in der Öffentlichkeit für großes Interesse sorgen, denn sie finden keineswegs so statt, dass man sie nicht mitkriegt. Die Messfahrzeuge, die entlang von Straßen und Wegen durchgeführt werden, sind schwer, groß und laut. Sie senden Schwingungen in die Tiefe und das Signal wird im Untergrund reflektiert und von Sensoren, die in der Nähe des Messfahrzeugs ausgelegt sind, aufgezeichnet. Auf diesem Weg kann ein exaktes Abbild des Untergrunds erstellt werden.

Was bekommen Anrainer mit?

Christian Hecht, Geologe und Projektleiter eines ähnlichen Projekts bei den Stadtwerken München, beschreibt das Problem für Anrainer Folgendermaßen: „Das ist wie eine Wanderbaustelle. Es ist rund 25 Minuten laut, und dann ist alles vorbei.“ Wien Energie selbst spricht davon, dass es zirka 60 Minuten lang zu "Betriebsgeräuschen der Erkundungsflotte" kommen kann. Doch auch die Schwingungen bei den Messungen sind zu spüren. "Das ist etwa vergleichbar mit einer vorbeifahrenden Straßenbahn", erklärt Gruber.

Durch die Schwingungen könne es theoretisch auch vereinzelt zu Schäden an Häusern kommen, deshalb würde alles genau überwacht und dokumentiert. „Beim Projekt in München gab es keine Schäden, zumindest keine nicht von vornherein absehbaren wie etwa zertrampelte Forststraßen.“

Transparenz, Wissenschaft

Bürger sollen am 18. Februar in Aspern auch einen Einblick bekommen, was die nächsten sechs Wochen, auf sie im Gebiet zukommt. „Wir setzen hier auf möglichst viel Transparenz“, erklärt Gruber. Hecht stellt seine Expertise in dem Bereich auch Wien Energie zur Verfügung. Die Daten, die aus dem Geothermie-Projekts gewonnen werden, sollen auch von der Wissenschaft genutzt werden.

Projektpartner sind neben der Geologischen Bundesanstalt, Geo5, HOL, der Montanuniversität Leoben, OMV, RAG, auch die Universität Salzburg, Universität Wien und die ZAMG. Insgesamt investiert Wien Energie fünf Millionen Euro bis 2020. Vom Klima- und Energiefonds gibt es zudem eine Forschungsförderung. 

Entscheidungsbasis

Sollten tatsächlich Heißwasserquellen gefunden werden, könnten diese für die nachhaltige Wärmeerzeugung genutzt werden.  „Mit den Daten können wir auf gesicherten Basis entscheiden, ob künftige Investitionen in Geothermie strategisch, finanziell und im Sinne der nachhaltigen Wärmeversorgung sinnvoll sind“, so Gruber.

 In München gibt es bereits derartige Anlagen, die seit mehr als zehn Jahren in Betrieb sind. „Die Temperatur der Quellen ist unverändert“, so Hecht. In München geht man von einer minimalen Nutzungsdauer einer solchen Anlage von 70 Jahren aus. „Normalerweise sollte eine Betriebsdauer von 100 bis 150 Jahre möglich sein.“

(futurezone) Erstellt am 23.01.2017, 15:50

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?