Science
15.07.2018

Warum die NASA keine Beweise zu Leben auf dem Mars vernichtet hat

Eine Studie von US-Forschern erklärte einen 42 Jahre alten Fehler, der von vielen Medien zur Verschwörungstheorie hochstilisiert wurde.

In den vergangenen Tagen tauchten in zahlreichen internationalen Medien ähnliche Schlagzeilen auf. Die NASA habe bereits vor mehr als 40 Jahren Leben auf dem Mars entdeckt, die Beweise dafür aber verbrannt. Ein Titel, der nicht nur Verschwörungstheoretiker neugierig machen dürfte - aber vollkommen falsch ist.

Spät korrigierter Fehler

Die reißerischen Titel berufen sich auf einen am 20. Juni veröffentlichten Forschungsartikel, in dem die Ergebnisse der Viking-Missionen aus dem Jahr 1976 angezweifelt wurden. Die beiden Sonden untersuchten den Mars sowie dessen Oberfläche und führten dabei zahlreiche Experimente durch. Unter anderem wurde dabei auch eine Probe der Marserde entnommen, mittels Gaschromatographie in ihre Bestandteile zerlegt und anschließend mit einem Massenspektrometer analysiert.

Zur Überraschung der Forscher wurden dabei keine organischen Spuren entdeckt, die oftmals auch als die Bausteine des Lebens gelten. Erst mehr als 30 Jahre später konnte der Mars-Rover Curiosity nachweisen, dass sich Viking geirrt hatte. Doch was war passiert? 2008 entdeckte die Phoenix-Sonde eine auf der Erde seltene Art von Salz auf der Marsoberfläche, sogenannte Perchlorate. Diese können wie eine Art Brandbeschleuniger fungieren, weswegen sich die bis zu 500 Grad heißen Öfen stärker erhitzten als geplant und dabei wohl die organischen Moleküle zerstörten. Dieser Hypothese gingen die Forscher nach und bestätigten diese, wollten aber auch nicht ausschließen, dass ein Messfehler für das Ausbleiben der Entdeckung verantwortlich war.

Verwunderung über Berichte

Eine interessante Entdeckung, die für viele Medien aber nicht interessant genug war. Die Studienautoren zeigen sich gegenüber Cnet verwundert über die Reaktion auf ihren Artikel. „Man findet zum Beispiel auch organische Spuren auf Meteoriten, das ist aber kein Beweis für Leben. Ich bin mir nicht sicher, wie der Fehler zustande kam, aber sicher nicht in unserer Arbeit“, so Chris McKay, einer der beteiligten Forscher.

Die Tatsache, dass Viking noch keine organischen Spuren nachweisen konnte, zog aber eine lange Debatte nach sich. So wurden zwar im Zuge eines anderen Experiments Beweise auf Mikroorganismen entdeckt, Forscher zweifelten das aber auf Basis der vorangegangenen Ergebnisse aber an. Man vermutete jahrzehntelang, dass bereits vor dem Start der Sonde organisches Material in die Öfen gelangt sein musste. 

Hoffen auf ExoMars

Die NASA vermeldete erst im Juni, dass Mars-Rover Curiosity weitere wichtige Bausteine für Leben entdeckt hatte. So wurden bei der Analyse von mehr als 3,5 Milliarde Jahren alten Gesteinsproben wichtige organische Verbindungen, wie Methylthiophen, Thiophen und Methanethol entdeckt wurden.

 

Die Entdeckung legt nahe, dass die klimatischen Bedingungen im untersuchten Gale Krater vor einigen Milliarden Jahren lebensfreundlich waren. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Forscher von der ExoMars-Mission, die 2020 auf dem roten Planeten aufsetzen soll.