© APA/AFP/ John McDougall

Science
08/26/2020

Was bringen CO2-Messgeräte im Kampf gegen Corona?

CO2-Messgeräte sollen für gute Luftqualität sorgen. Angeblich können sie auch als eine Art Corona-Warnsystem fungieren.

von Franziska Bechtold

Für viele Kinder steht die Rückkehr in die Schule bevor und auch die Büroräume füllen sich langsam wieder. Für manche löst der Gedanke an Menschenmengen in geschlossenen Räumen ein mulmiges Gefühl aus. Denn in geschlossenen Räumen könnte sich das Virus schneller verbreiten, insbesondere durch Sprechen.

Die Meldung, ein CO2-Messgerät könnte dabei helfen, das Coronavirus in Klasenzimmer oder Büro zu bekämpfen, zog daher weite Kreise. Doch was steckt wirklich dahinter? Die futurezone klärt auf.

Wie funktioniert ein CO2-Messgerät?

Ein Kohlendioxid-Messgerät ist im Handel ab 80 Euro zu haben, die Preise klettern aber schnell auf mehrere Hundert Euro hinauf. Die Geräte ermitteln die Menge an CO2 im Raum, angegeben wird dies in ppm („Parts per Million, also Anzahl der Teile pro Million). Sind viele Menschen in einem Raum, erhöht sich der CO2-Wert, da Kohlendioxid beim Ausatmen abgegeben wird. Laut Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus darf der Wert von 800 ppm für mechanisch belüftete Räume und 1.000 ppm für natürlich belüftete Räume nicht überschritten werden. Wenn doch, sollte die Klimaanlage anspringen oder das Fenster geöffnet werden.

Kann ein CO2-Messgerät vor Coronaviren warnen?

Nein, vor Viren können solche Messgeräte nicht warnen. Sie sollen lediglich gute Luftqualität garantieren. „Der Kohlendioxid-Gehalt in der Luft sagt uns nur, wie viele Personen in einem Raum sind“, erklärt der Virologe Norbert Nowotny von der Vetmed Uni Wien gegenüber der futurezone. Er ist Teil eines Teams aus österreichischen Wissenschaftlern und Ingenieuren, das ein System entwickelt, welches das Infektionsrisiko in einem Raum genauer ermitteln soll, als es ein CO2-Messgerät kann. Dabei ist der Kohlendioxid-Gehalt nur einer von vielen Parametern.

Reicht ein CO2-Messgerät aus, um ans regelmäßige Lüften zu erinnern?

In einem Artikel im Magazin The Wire Science erklärt Kommu Nagaia vom indischen Institute of Chemical Technology, dass ein CO2-Messgerät durchaus anzeigen kann, wann ein Raum gelüftet werden muss. Das sei eine der wichtigsten Maßnahmen, um möglicherweise infektiöse Aerosole schnell aus einem Raum zu befördern. Dem stimmt auch die Virologin Monika Redlberger-Fritz von der Meduni Wien zu: „Die allgemeine Lehrmeinung bedingt eine vermehrte Luftzirkulation und verdünnt die Viruslast im Raum“, sagt sie der futurezone.

Doch wenn ab Herbst die Temperaturen fallen, sieht der Initiator des Viren-Messgeräts, Christian Noe, der als Pharmazeut und Chemiker an der Universität Wien tätig war, im futurezone-Gespräch ein Problem: „Wenn es im Winter kalt ist und die Luftfeuchtigkeit in Räumen hoch, schafft man durch das Lüften ideale Bedingungen für Viren. Sie können dann länger in der Luft überleben.“ Sein Messgerät soll hier eine präzisere Lösung bieten. Über ein Ampel-System soll das Infektionsrisiko mitgeteilt werden. Auf Basis des Systems kann dann optimiert gelüftet werden, also nur, wenn es tatsächlich nötig ist.

Redlberger-Fritz heißt das jetzt aber nicht, dass man im Winter aus Angst vor Corona nicht mehr lüften sollte. Sie empfiehlt dennoch regelmäßig stoßzulüften, um einen Luftaustausch stattfinden zu lassen.

Welche Daten nutzt das Viren-Messgerät, um ein Infektionsrisiko zu messen?

Um herauszufinden, ob infektiöse Aerosole, also Tröpfchen, die beim Sprechen oder Atmen in die Umgebung abgegeben werden, in einem Raum sind, werden mehr als 30 Parameter ermittelt. Neben der CO2-Menge sind vor allem die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur, die Partikelmessung und das einberechnen der Raumgröße und des -zwecks wichtig. Damit lässt sich herausfinden, ob sich Viren in einem Raum verteilen könnten, erklärt Noe. So können nicht nur Coronaviren, sondern auch andere Erreger, beispielsweise Grippeviren, erkannt werden. 

Zudem werden die Infektionsdaten, etwa die Corona-Ampel des Gesundheitsamts, genutzt, um Orte mit besonders hoher Infektionsrate zu identifizieren. Damit würde sich automatisch das Ansteckungsrisiko erhöhen, erklärt Nowotny. Das müsse ebenfalls einkalkuliert werden.

Für welche Räume ist das neue Messgerät geeignet?

Das Messgerät, das von Noe und seinem Team entwickelt wird, kann für alle Räume angepasst werden. So kann es in bestehende Klima-Systeme integriert werden oder für natürliche Lüftung angepasst werden. In Kürze soll es an einer Wiener Schuler erstmals unter realen Bedingungen getestet werden. Aber auch für Bars und Restaurants, Bürogebäude oder Fabriken sei es geeignet. Beispielsweise würden Viren in Fleischereien durch die kalten Temperaturen lange überleben, so Nowotny.

Neben dem stationären Gerät soll auch ein Mini-Messgerät auf den Markt kommen, das mit einer Handy-App gesteuert wird. Es liefert personifizierte Informationen, ob ein Raum – etwa eine Bar – kritische Umgebungsbedingungen hat. Dafür sollen zusätzlich persönliche Angaben wie Vorerkrankungen oder das Alter hinzugezogen werden. Es soll im Winter auf den Markt kommen.

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