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© EPA / NIC BOTHMA

Science
10/02/2020

Wie man Verpackungen erschafft, die nicht als Abfall enden

Ein Leitfaden hilft Unternehmen, einen möglichst nachhaltigen Schutz für ihre Produkte zu kreieren.

von David Kotrba

Über Verpackungen von Produkten denkt man als normaler Konsument üblicherweise wenig nach, in ihre Gestaltung fließen aber viele Überlegungen ein. Sie sollen ansprechend aussehen, wenig Platz verbrauchen, sie sollen ihre Inhalte gut schützen und sie frisch halten. Außerdem sollen sie möglichst wenig Müll verursachen und so gut wie möglich wiederverwertbar oder wiederverwendbar sein. All diese Eigenschaften unter einen Hut zu bringen, fällt oft schwer. Die EU erlässt dazu immer strengere Vorgaben wie zum Beispiel höhere Recyclingquoten. Forscher des Fachbereichs Verpackungs- und Ressourcenmanagement der FH Campus Wien haben deshalb einen Leitfaden entwickelt, der es einfacher machen soll, möglichst wiederverwertbare Verpackungen zu entwerfen.

Zweck erfüllen auch nach Gebrauch

"Beim Design von Verpackungen musste man schon immer unterschiedliche und teils gegensätzliche Anforderungen erfüllen, z.B. Produktschutz vs. Materialreduktion. Mehr denn je schaut man heute jedoch darauf, dass eine Verpackung nicht einfach zu Abfall wird, sondern als Wertstoff eingesetzt werden kann", erklärt Ulla Gürlich, die maßgeblich an der Entwicklung der "Circular Packaging Design Guideline" beteiligt war. Erstmals erschienen ist der Leitfaden im Jänner 2019. Seitdem wird er jährlich aktualisiert. Er richtet sich an die gesamte Wertschöpfungskette der Verpackungsbranche und Verpackungsdesigner. Gemeinsam mit ECR Austria wurde zusätzlich ein produktspezifischer Leitfaden für Brand Owner und Handelsunternehmen erstellt.

Recyclingfähigkeit

Die Kreation nachhaltiger Verpackungen ruhe auf drei großen Säulen, meint Gürlich: "Produktschutz, Ressourcenschonung, Zirkularität." An oberster Stelle steht freilich der Schutz des Verpackungsinhalts. Die Wiederverwertbarkeit ist nur ein Teil des Ganzen. Bei vielen Unternehmen gebe es dabei Nachholbedarf. Wichtig sei aber auch die übergeordnete Verwertungsstruktur, also z.B. das Sammeln von Abfällen. In bestimmten Ländern können etwa mehr Materialien als in anderen verwertet werden. "Von der technischen Recyclingfähigkeit einer Verpackung kommt man nicht automatisch auf eine hohe Recyclingquote, da auch die Infrastruktur eine entscheidende Rolle spielt."

Für "Design for Recycling" sind deshalb alle Teilnehmer entlang der Wertschöpfungskette gefragt, was sowohl Verpackungshersteller, Produzenten, Einzelhandel und Verwerter betrifft. Die EU mache dabei die Vorgaben, zuletzt etwa in Form des 2018 in Kraft getretenen Kreislaufwirtschaftspakets. Die Mitgliedstaaten müssen diese Richtlinien jetzt umsetzen. In Österreich gibt es etwa eine entsprechende Verpackungsverordnung.

Materialmix

Die "Circular Packaging Design Guideline" setzt sich mit sämtlichen Aspekten des Verpackungsdesigns auseinander, von der Wahl der Materialien für die Verpackung selbst, den Verschlüssen und der Dekoration, z.B. mittels Druckfarben, Etiketten oder Ummantelungen, so genannten Sleeves. Selbst so äußerlich unscheinbar wirkende Faktoren hätten einen großen Einfluss auf die Wiederverwertbarkeit von Verpackungen: "Wenn ich eine bunte Flasche recyceln möchte und diese einschmelze, erhalte ich ein eher graues oder bräunliches Granulat. Das hat einen geringen Wiederverkaufswert als etwa ein uneingefärbtes Material."

Was oberflächlich betrachtet gut recycelbar wirkt, kann in der Praxis problematisch sein, erzählt Veronika Kladnik, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Verpackungstechnologie der FH Campus Wien: "Kunststoffverpackungen werden manchmal durch Papier ersetzt. Dieses Papier wird jedoch oft beschichtet, etwa um einen besseren Produktschutz zu gewährleisten. Das Papier alleine ist theoretisch gut recycelbar, mit einer Beschichtung kann es aber schwieriger werden."  

Rasche Weiterentwicklung

Mit Entwicklungen am Verpackungssektor Schritt zu halten, sei eine große Herausforderung. Gürlich: "Es vergeht gefühlt kein Monat, in dem keine Innovation auf den Markt gebracht wird. Da gibt es sehr positive Ansätze, die zu begrüßen sind." Kladnik nennt Beispiele: "Es gibt tolle neue Technologien, etwa Kunststoff mit einer aufgedampften Glasbeschichtung. Die beeinflusst das Recycling nicht negativ, die Barriereeigenschaften der Verpackung werden dadurch aber verbessert. Das Ganze ist momentan aber noch recht teuer und muss sich erst weiter etablieren."

Die Zusammenarbeit aller Akteure sei dabei das wichtigste, betonen die Forscherinnen: "Verpackungs- und Verwertungsindustrie müssen am selben Strang ziehen." Monopolistische Innovationen gebe es aber ohnehin kaum mehr. "Ein Unternehmen, das eine Lösung nur für sich behält, ist wenig effizient. Um einen Wert aus Abfall zu generieren, braucht man die Masse."

Konsumentensicht

Für Konsumenten sei es oft sehr schwierig, einzuschätzen, wie recyclingfähig eine Verpackung ist. "Manche Verpackungen sind richtige 'Eyecatcher'. Das führt aber oft dazu, dass sie aufwendig gestaltet sind und Störstoffe beinhalten", meint Kladnik. Mit der Recyclingfähigkeit von Verpackungen sollten sich Konsumenten aber eigentlich nicht auseinandersetzen müssen. "Das Optimum wäre eine Verpackung, bei der der Konsument nichts falsch machen kann."

 

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und FH Campus Wien entstanden.

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