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Science
04/15/2020

Wiener Peptid könnte Corona-Patienten das Leben retten

Eine im Jahr 2000 an der Universitäts-Hautklinik entdeckte Aminosäuren-Verbindung soll bei Erkrankten erprobt werden.

Die Aminosäuren-Verbindung FX06 könnte lebensbedrohliche Lungenkomplikationen bei COVID-19-Patienten mildern. Individuelle Heilversuche an Kliniken und eine klinische Studie in Österreich und Deutschland mit der 2014 auch bei Ebola-Kranken angewandten Biotech-Substanz sollen folgen.

„Akutes Lungenversagen, Sepsis und septischer Schock gehören zu den lebensbedrohlichen Komplikationen der COVID-19-Erkrankung. Diese Auswirkungen gilt es zu bekämpfen“, sagt Thomas Steiner, Geschäftsführer des Wiener Unternehmens MChE/F4 Pharma.

Im Rahmen dieser schweren akuten Krankheitsbilder kommt es auch zum Undichtwerden der kleinsten Blutgefäße, der Kapillaren („Vascular Leak“). In der Lunge - eben wie beim schweren Verlauf einer durch SARS-CoV-2 verursachten Erkrankung - entstehen dadurch Ödeme, welche den Gasaustausch unmöglich machen. FX06 soll die Kapillaren wieder abdichten und den Schaden minimieren.

Verschlungene Geschichte

Die Substanz hat eine lange und verschlungene Geschichte hinter sich. Anfang des Jahres 2000 identifizierte Peter Petzelbauer, Chef der Abteilung für Haut- und Endothelforschung der Wiener Universitäts-Hautklinik (AKH), das Peptid B-beta15-42 aus 28 Aminosäuren - ein Teil des Blutklebstoffs Fibrin - als mögliche Wirksubstanz für eine Reihe von Einsatzgebieten. Petzelbauer gründete mit Partnern das Biotech-Startup-Unternehmen „Fibrex Medical“.

Für die Entwicklung entschied man sich zunächst für die Anwendung als zusätzliches Medikament bei Ballondilatationen von durch Blutgerinnsel verlegte Herzkranzgefäße. Bei klinischen Studien gab es dabei Hinweise auf weniger Herzmuskelschaden bei Anwendung des Mittels im Vergleich zu Placebo. Das ließ sich auch durch Laborbefunde erhärten.

FX06 wurde schließlich an ein US-Biotech-Unternehmen auslizensiert. Unter anderem die Finanzkrise ab 2008 zerstörte aber alle Pläne. Schließlich kamen die Rechte an der Substanz wieder zurück nach Wien.

2014 erlebte die Substanz im Rahmen von individuellen Heilversuchen bei Ebola-Patienten eine Renaissance.  Die SARS-CoV-2/COVID-19-Problematik mit - bei schwersten Verlaufsformen - vor allem an Lungenkomplikationen versterbenden Patienten soll nun den „Kapillargefäß-Klebstoff“ wieder bei akuten Erkrankungen erprobbar machen.

Vorbereitungen für Studie

Klinische Studien an der Wiener Universitätsklinik sowie an Kliniken in Paris, Frankfurt und Würzburg sind nun in Vorbereitung. "Alle betroffenen Kliniken behandeln bereits schwer erkrankte COVID-19-Patienten und arbeiten gemeinsam mit F4-Pharma an der Entwicklung des Studienprotokolls", sagt Steiner.

Derzeit rechnen noch die Statistiker, wie viele Patienten in die Studie aufgenommen werden müssen, um einen potenziellen Effekt von FX06 bei akutem Lungenversagen als Folge von COVID-19 zu belegen. Steiner: „Wir denken an 44 bis 75 Patienten für die Verum- und die Placebo-Gruppe. Die Therapie soll über drei Tage erfolgen.“ Starten will man bereits Ende April.

 

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