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Flugverkehr
08/08/2012

X-48C Flugzeug-Prototyp erstmals in der Luft

Das von NASA und Boeing konstruierte Modell eines zukünftigen Fliegers kreiste neun Minuten lang ferngesteuert über der Mojave-Wüste. Gegenüber herkömmlicher Bauweise spart das Blended Wing Body Prinzip bis zu 30 Prozent Treibstoff und bietet mehr Frachtraum. Ob das fensterlose Dasein Passagiere überzeugt, ist fraglich.

Die NASA hat am Dienstag über der kalifornischen Mojave-Wüste erstmals seinen X-48C Flugzeug-Prototyp in der Praxis getestet. X-48C ist nach dem so genannten "Blended Wing Body"-Prinzip konstruiert, eine Mischform zwischen herkömmlichen Flugzeugen mit Kabine und daran montierten Flügeln und so genannten Nurflüglern, bei dem das gesamte Flugzeug die Form eines durchgängigen Flügels hat.

Das getestete Modell ist eine skalierte Version mit rund sechs Metern Spannweite und einem Gewicht von 226 Kilogramm. Angetrieben von zwei Jet-Triebwerken wurde es bei dem neunminütigen Flug bis auf 1.676 Meter Höhe gebracht, wie Cnet berichtet. Theoretisch wären über 3.000 Meter Höhe und 35 Minuten Flugzeit möglich.

Effizienter fliegen

X-48C ist eine Weiterentwicklung des Modells X-48B. Gegenüber diesem erreichte man mit Design-Veränderungen Verbesserungen bei Verbrauch und Lärmemissionen. Die Triebwerke sind über dem hinteren Teil des Flugzeugs angebracht, wodurch der erzeugte Schall nach oben und zur Seite abgelenkt werden soll. Gegenüber der herkömmlichen Flugzeugbauweise erwarten die NASA- und Boeing-Techniker Spriteinsparungen von 20 bis 30 Prozent.

Das derzeitige X-48C-Modell soll nun bis zu 20 weitere Testflüge absolvieren. Ein Pilot sitzt dabei nicht an Bord. Das Flugzeug wird ferngesteuert. In weiterer Folge könnte die NASA einen "ausgewachsenen" Prototypen bauen, der dann eine Flügelspannweite von über 70 Meter hätte und von einem Piloten gesteuert werden sollte.

Flugzeug ohne Fenster für Passagiere

Eingesetzt werden könnte ein Blended Wing Body Flugzeug wie das X-48C etwa als Frachtflugzeug oder Bomber. Der Innenraum des Flugzeugs würde mehr Platz als derzeitige Frachtmaschinen bieten. Passagiere hätten in einem derartigen Flugzeug einen klaren Nachteil: Keine Fenster. Flugzeug-Entwickler planen, dieses Manko etwa durch virtuelle Fenster, also Displays, die einen Ausblick simulieren, auszugleichen. Ob Passagiere diese Lösung annehmen würden, ist aber fraglich.

Blended Wing Body ist die Zukunft

Fest steht, dass Kabine-Flügel-Flugzeuge an den Grenzen ihrer Effizienzsteigerung angelangt sind. "An einem gewissen Punkt musst du einfach die Form eines Flugzeugs radikal verändern", meint Norm Princen, Boeings leitender Techniker bei dem X-48C-Projekt. Blended Wing Body Flugzeuge seien die Zukunft. Die Form werde über kurz oder lang universell zur Anwendung kommen: "Die Frage ist nicht ob, sondern wann."

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