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Science
07/26/2019

YouTube-Videos verbreiten großteils Humbug über Klimawandel

Laut neuer Studie widersprechen mehr Videos dem wissenschaftlichen Klimawandel-Konsens als diesen zu unterstützen.

Was YouTube-Kenner möglicherweise bereits geahnt haben, wurde nun in einer neuen Studie mit Fakten untermauert: YouTube ist ein Hort der Desinformation über den Klimawandel. Die Studie stammt von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. Autor Joachim Allgaier hat die weltgrößte Online-Plattform mit den Suchbegriffen "Chemtrails", "Climate", "Climate Change", "Climate engineering", "Climate hacking", "Climate manipulation", "Climate modification", "Climate science", "Geoengineering" und "Global Warming" durchsucht und die bestgereihten 200 Suchresultate analylsiert. Um Personalisierung zu verhindern, wurde das Anonymisierungswerkzeug Tor verwendet.

107 zu 89 Videos

Wie der Forscher feststellte, entspricht der Großteil der analysierten Videos nicht dem wissenschaftlichen Konsens, der zum Klimawandel herrscht. Als Bezugspunkt wurden dabei die Berichte des Intergovernmental Panel on Clima Change (IPCC) der Vereinten Nationen herangezogen. 107 der 200 analysierten Videos entsprachen dem Konsens nicht. In 16 davon wird der Einfluss des Menschen auf den Klimawandel bestritten. In 91 Videos werden Verschwörungstheorien über Klimamanipulation und Klimawandel gewälzt. Die Anzahl der Videos, deren Inhalte dem wissenschaftlichen Konsens entsprechen, belief sich auf 89.

TV-Beiträge haben mehr Qualität

Immerhin erreichten diese 89 Videos insgesamt 16.941.949 Views, während der Rest ein minimal kleineres Publikum erreichte (16.939.655). Bei den Suchbegriffen "Climate", "Climate Change", "Climate Science" und "Global Warming" wurden etwas mehr wissenschaftlich korrekte Resultate gefunden. Laut Studienautor Allgaier liege das daran, dass für diese Suchbegriffe mehr Beiträge von Fernsehsendungen und Dokumentationen auftauchten.

Redefreiheit vs. Zensur

Vom Guardian gefragt, ob YouTube wissenschaftlich inkorrekte Beiträge entfernen sollte, entgegnet Allgaier, dass dies Zensur darstellen würde. YouTube könne aber mit Hilfe seiner Algorithmen faktisch korrekte Informationen bei Suchresultaten priorisieren. YouTube will laut eigenen Angaben weiterhin alle Inhalte zulassen, die nicht gegen die eigenen Richtlinien verstoßen. Um die Verbreitung von Falschinformationen zu verhindern, habe man eine Reihe von Schutzmaßnahmen entwickelt, etwa Informationskästen neben Videos mit Verschwörungstheorien. Nur bei Videos, die Desinformation in besonders schädlicher Weise verbreiten, reduziere man die Auffindbarkeit in den Suchergebnissen.

YouTube teilt der futurezone außerdem mit, dass die Studie 2018 durchgeführt wurde und die Video-Plattform in der Zwischenzeit viel zur Vermeidung von Falschinformationen getan hat. Das Studienergebnis spiegle also nicht korrekt wider, wie YouTube heute arbeite.

Mehr direkte Kommunikation

Laut Allgaier sei aber auch die Forschungsgemeinde aufgerufen, YouTube mehr für ihre Zwecke zu nutzen. Einige Hobbywissenschaftler schaffen es sehr gut, in Videos komplexe Themen zu behandeln und neues Publikum zu erreichen. Wissenschaftler sollten vermehrt Online-Videos produzieren, in denen sie direkt und transparent über ihre Forschungsergebnisse sprechen.