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Start-ups
05/22/2019

50.000 Euro Schaden: Wiener Start-up fällt auf Betrüger herein

Eine Bestellung der riesigen britischen Warenhauskette John Lewis & Partners beim Start-up viRaTec entpuppte sich als Falle.

von Martin Stepanek

Als Anfang März die Bestellung von mehreren Hundert Bewässerungssystemen Miyo beim Wiener Start-up viRaTec eintrudelte, dürfte die Freude enorm gewesen sein. Einige Wochen später, nachdem die Geräte bereits auf Rechnung ausgeliefert worden waren, folgte der Schock. Das britische Warenhaus John Lewis & Partners, der angebliche Kunde, wusste nichts von der Bestellung. Das Start-up war trotz mehrerer Vorsichtsmaßnahmen des Start-ups Betrügern aufgesessen, welche die Warenhauskette imitiert hatten.

Waren umgeleitet, nie bezahlt

Die Lieferung im Wert von 50.000 Euro war in der Zwischenzeit längst per Adressumleitung abgezweigt worden, indem die Betrüger über die Auftragsnummer direkt bei den Zustellanbietern die Lieferadresse änderten. Geld hat viRaTec naturgemäß keines gesehen. Dass die Summe ein schwerer finanzieller Schaden für das kleine Unternehmen bedeutet, kann sich jeder leicht ausmalen.

"Wir sind eigentlich sehr vorsichtig, was Bestellungen von Firmen angeht. Deshalb haben wir im Vorfeld fast alles geprüft, von der UID-Nummer der Kette bis zum Firmenbuchauszug. Selbst eine Abfrage beim Kreditschutzverband habe ich gestellt", erklärt viRaTec-CEO Roland Grösslich im Interview mit der futurezone. Auch die E-Mail-Signatur soll bis auf einige verschobene Leerzeichen täuschend echt gewesen sein.

E-Mail-Adresse als Falle

Nicht gestimmt hat allerdings die E-Mail-Adresse selbst, die zwar ebenfalls völlig legitim aussah, aber nicht die offizielle Domain von John Lewis & Partners verwendete. Selbst der angebliche Manager, der die Bestellung per E-Mail abwickelte, existiert unter dem selben Namen innerhalb des echten Konzerns, wie Nachforschungen von viRaTec ergaben.

viRaTec-CEO Roland Grösslich

Bewässerungssystem Miyo

Bewässerungssystem Miyo

Bewässerungssystem Miyo

Bewässerungssystem Miyo

Bewässerungssystem Miyo

Bewässerungssystem Miyo

Bewässerungssystem Miyo

Die Domain der gefälschten E-Mail-Adresse ist in Frankreich registriert, wo nach der Anzeige des Start-ups beim österreichischen Bundeskriminalamt ebenso ermittelt werden dürfte wie in Großbritannien.

Mindestens 50 Fälle pro Jahr

Und viRaTec dürfte bei weitem nicht das einzige Unternehmen sein, das in den vergangenen Monaten anhand dieser Betrugsmasche um Geld und Waren geprellt wurde. Nach Auskunft des AußenwirtschaftsCenters in London fallen 50 Firmen auf die John-Lewis-Nachahmer herein, die Dunkelziffer dürfte wohl noch viel höher sein. Dass Informationen wie diese offenbar bekannt sindund auch von der Außenwirtschaft kommuniziert werden, aber offenbar nicht in Start-up-Kreisen ankommen, ärgert Grösslich.

"Es werden Hunderte Veranstaltungen von den großen Start-up-Inkubatoren und -Interessensvertretern statt, aber ich habe in den vergangenen vier Jahren kein einziges Mal eine Veranstaltung bemerkt, wo Start-ups über Risiken im globalen Handel und etwaigen Betrugsszenarien aufgeklärt werden. Da orte ich echten Nachholbedarf in der Szene", sagt Grösslich zur futurezone.

Psychologischer Effekt

Die persönliche Verantwortung will der viRaTec-CEO damit nicht wegschieben: "Natürlich lässt man sich von so einem großen Namen wie John Lewis & Partners auch ein bisschen blenden, weil normalerweise akzeptiert man nur gesplittete Zahlungen mit Anzahlung und Restbetrag. Wir sind dadurch noch viel vorsichtiger geworden."

Als Sicherheitsmaßnahmen hat das Start-up neue Prüfvorgänge im Bestellwesen eingebaut. Auch lässt sich die IP-Adresse jedes verkauften Geräts auslesen, wenn es sich bei Inbetriebnahme mit dem Internet verbindet. Das soll Behörden die Ermittlungen erleichtern.

Geräte mittlerweile wertlos

Die mehren Hundert Miyo-Geräte und Starter-Kits, welche die Betrüger ergattern konnten, sind aber nicht nur für das Wiener Start-up verloren. Durch eine nachträgliche IP-Sperre der betroffenen Gerätecharge können diese von den Betrügern bzw. nach dem Weiterverkauf nicht mehr in Betrieb genommen werden. Für das Start-up bleibt das aber nur ein schwacher Trost. "Uns selber hilft das natürlich auch nicht weiter. Der Schaden ist und bleibt groß", sagt Grösslich.