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Nachhaltiger Amazon-Konkurrent aus Wien startet

Vergangenen Montag war Welterschöpfungstag. Das bedeutet, dass die Weltbevölkerung rechnerisch gesehen bereits alle nachhaltigen Ressourcen für das gesamte Jahr 2019 aufgebraucht hat. Noch nie war dieser Tag so früh wie heuer.

Würden alle Länder der Welt so leben wie wir Österreicher, wäre dieser Tag auf den 9. April gefallen. Jeder Österreicher verbraucht demnach mehr Ressourcen als der durchschnittliche Weltbürger, nämlich 60 Kilogramm pro Tag. Das kommt einem Pro-Kopf-Verbrauch von 22,2 Tonnen im Jahr gleich. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei 36 Kilogramm pro Kopf und Tag und 13,5 Tonnen im Jahr.

Der hohe Ressourcenverbrauch kommt nicht von irgendwo. Verantwortlich dafür zeigt sich unsere Konsumgesellschaft. Darunter leidet auch das Klima, es muss sich etwas ändern, sind sich Experten einig. Nur: Ein kapitalistisches Wirtschaftssystem ohne Konsum ist utopisch.

Strenge Kriterien

„Deswegen muss Konsum nachhaltiger werden. Es muss möglich sein, einfach und bequem von zuhause shoppen zu können, ohne auf etwas verzichten zu müssen und trotzdem der Umwelt nicht zu schaden“, überlegten sich vier junge Wiener Studenten. Und gründeten beeanco, einen nachhaltigen Online-Marktplatz, wo für jedes Produkt die nachhaltigste Alternative angeboten wird. Ein „grünes“ Amazon quasi.

Die Produktpalette reicht von Haushaltsgeräten, Bekleidung, Sportprodukten und Hygieneartikeln bis hin zu Dienstleistungen wie Stromanbieter, Reparaturservice und Kapitalanlagen. Alle Produkte, die auf beeanco angeboten werden, müssen mindestens zwei von insgesamt neun Nachhaltigkeitskriterien (siehe Grafik unten) erfüllen.

Die Produkte müssen mindestens zwei der neun Kriterien erfüllen

Faires Spiel

Beispiel Fußball: Das auf beeanco angebotene Produkt der österreichischen Firma Rasenreich wird unter Fair-Trade-Bedingungen in Pakistan hergestellt. Den Fabriksmitarbeitern werden faire Löhne gezahlt, kostenfreie Bildungsangebote und medizinische Versorgung ermöglicht. Zudem investieren die Hersteller 15 Prozent mehr, als sie eigentlich müssten, in die Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort.

Der Fußball kostet übrigens genauso viel wie jenes Produkt großer marktführender Marken. Allerdings können diese nicht dieselben Nachhaltigkeitskriterien aufweisen. „Unser Ziel ist es, auch große Marktführer auf uns aufmerksam zu machen und sie dazu zu motivieren, ihre Produktion nachhaltiger zu gestalten“, hofft Co-Founderin Anya Hubmayer.

Hochgesteckte Ziele

Einziger Knackpunkt, der noch gelöst werden muss, ist der Versand. Dieser ist schließlich von Natur aus alles andere als umweltfreundlich. „Dieser läuft derzeit über unsere Anbieter. Wir achten auf wenig Verpackung, kein Plastik und keinen Expressversand. Das wollen wir aber noch verbessern und nachhaltige Logistikunternehmen als Partner gewinnen“, erklärt Hubmayer. Und Co-Founder Michael Frey ergänzt: „Am umweltfreundlichsten wäre es natürlich, wenn der Kunde auf das Produkt seiner Wahl auf unserem Marktplatz aufmerksam wird und dann mit dem Fahrrad zum jeweiligen Händler fährt und sich das Produkt dort abholt.“

Seit 1. Mai gibt es die Website, Ende August soll die Finalversion online gehen. Im Herbst will man den deutschen Markt erobern. Dort gibt es zwar Konkurrenz wie greenpicks oder avocadostore, abheben will sich beeanco aber durch seine umfassende Produktpalette. Langfristiges Ziel ist es, Marktführer im nachhaltigen e-Commerce in Europa zu werden. „Unser Marktplatz soll die breite Masse ansprechen. Nur so können wir die Gesellschaft nachhaltig verändern“, meint Hubmayer.

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Caroline Ferstl

Gebürtige Niederösterreicherin. Seit 2018 für den KURIER im Ressort Chronik Niederösterreich tätig. Schreibt am liebsten über Menschen, die wirklich etwas zu erzählen haben.

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