Start-ups
31.01.2019

Wiener Start-up Dimetor liefert Software für autonome Drohnen

Drohnen, die zukünftig ohne Sichtkontakt zum Drohnenpiloten betrieben werden, müssen zahlreichen Anforderungen entsprechen. Das Wiener Technologie Start-up hat dafür eine Lösung.

Eine große Herausforderung für den Einsatz von Drohnen ist es die Sicherstellung der Kommunikation, wenn die unbemannten Fluggeräte (teil-)autonom und ohne Sichtkontakt zum Drohnenpiloten betrieben werden, etwa für Rettungseinsätze, Lieferungen oder Inspektionen. Für kommerzielle Drohneneinsätze dieser Art entwickelt das Wiener Start-up Dimetor eine Software-Lösung.

Um eine Drohne autonom beziehungsweise ohne Sichtkontakt (BVLOS - beyond visual line of sight) fliegen zu können, gelte es zwei grundlegende Fragen zu beantworten, erklärt Thomas Neubauer von Dimetor gegenüber der futurezone: "Wo gibt es ausreichende Konnektivität durch Mobilfunk-Signale, da diese für den kommerziellen Einsatz die beste Lösung sind, um Drohnen sicher fliegen und kontrollieren zu können", und "Wie können diese Informationen und Daten der Flugsicherung zur Verfügung gestellt werden, damit Flugrouten autonomer Drohnen im Einklang mit bemannten Flugobjekten geplant, genehmigt und operativ geprüft sowie sichergestellt werden können."

Software für autonome Drohnen

Dimetor will diese Fragen mit ihrer Software-Lösung namens AirborneRF beantworten. Die Connectivity-Plattform AirborneRF kalkuliert etwa während eines Fluges, wo eine Drohne sicher fliegen kann, ohne dabei regionale Gesetze und Regeln zu brechen. In die Berechnung des Flugpfades bezieht AirborneRF auch die Netzabdeckung des Mobilfunknetzes ein, damit die Drohne nicht plötzlich keine Mobilfunkverbindung mehr hat. Denn diese ist für einen Flug ohne Sichtkontakt notwendig.

Derzeit steckt das Thema kommerzielle Drohnenflüge noch in den Kinderschuhen. Potenzial und Anwendungsmöglichkeiten seien aber enorm, sagt Neubauer.

Riesiges Potenzial

Die Beispiele reichen von industrieller Inspektion etwa entlang von Pipelines, Eisenbahnstrecken, Autobahnen oder Stromverteilernetzen, über medizinische Notfalltransporte, beispielsweise Blutkonserven zwischen Krankenhäusern oder Notfallmedikament, über landwirtschaftliche Inspektionen, bis hin zur Paketzustellung und futuristischen Taxi-Drohnen.

"Bisher wurden Pipelines zum Beispiel mit Leichtflugzeugen oder Hubschraubern inspiziert. Ersetzt man nun die Flugzeuge durch kommerzielle Drohnen, entsteht ein Kostenvorteil von mehr als 100 Dollar pro Kilometer. Berücksichtigt man, dass es alleine in den USA etwa 80.000 Kilometer an Pipelines gibt, zeigt sich die Größenordnung dieses neuen Industriezweigs", erklärt Neubauer.

Eine der ersten Anwendungsfälle werde aber sicherlich der Einsatz von autonomen Drohnen für Rettungs- und Einsatzkräfte sein, um rasch, sicher und effizient erste Informationen beispielsweise von einem Feuer, einem Unfall oder einer Naturkatastrophe liefern zu können. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA geht davon aus, dass es bis zum Jahr 2022 rund 450.000 kommerzielle Drohnen in den USA geben wird.

Geschäftsmodell

Wie aber will Dimetor seine Software-Lösung zu Geld machen? "Wir bieten mit unserer Softwarelösung ein Bindeglied zwischen Mobilfunkanbietern, Flugaufsichtsbehörden und Drohnenbetreibern", sagt Neubauer. Konkret biete die Dimetor-Plattform den Mobilfunkbetreibern die Möglichkeit, die notwendigen Konnektivitätsdaten an die Drohnen-Service-Firmen, sowie die Flugaufsichtsbehörden zur Planung, Genehmigung und Überprüfung der autonomen Drohnenflüge liefern und abwickeln zu können.

"Jeder kommerzielle Drohnenflug muss in seiner Route geplant und genehmigt werden. Dazu werden Daten benötigt wie wir sie mit der Software-Lösung AirborneRF liefern können. Darauf basiert auch unser Geschäftsmodell", erklärt Neubauer gegenüber der futurezone. Mittlerweile konnte auch bereits ein erster Kunde in den USA akquiriert werden. Außerdem sucht das Start-up dringend nach Software-Entwicklern. 

Finanzierung

Noch arbeitet das Team von Dimetor an verschiedenen Machbarkeitsstudien in den USA, Europa und Asien. Dabei wird die Technologie getestet und entsprechend weiterentwickelt. Gleichzeitig befindet sich das Start-up in Gesprächen mit "großen Partner, die bei jeweiligen Marktzugängen helfen", wie es Neubauer nennt: "Wir gehen davon aus, dass wir demnächst die ersten kommerziellen Umsetzungen realisieren können, beginnend in den USA."

Derzeit finanziert sich Dimetor über Eigenmittel der Gründer, sowie verschiedenen Förderungen, unter anderem von der Förderbank aws im Rahmen des Seedfinancing Programms. Im ersten Halbjahr 2019 erwartet das Wiener Start-up erste Umsätze.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws (austria wirtschaftsservice).