Start-ups
17.01.2017

"IT-Grundwissen sollte schon in Schulen gefördert werden"

Markus Raunig, neuer Geschäftsführer der Initiative Austrian Start-ups, über seine Erwartungen an die Politik und Herausforderungen für die heimische Szene.

Die Initiative Austrian Start-ups hat sich in den vergangenen Jahren als Fixpunkt im österreichischen Start-up-Ökosystem etabliert. Am Dienstag hat Markus Raunig, Master-Student an der WU Wien und die Geschäftsführung der 2013 gegründeten Interessensvertretung für österreichische Start-ups von Christoph Jeschke übernommen.

Die futurezone hat mit Raunig, der sich selbst als Start-up-Enthusiast bezeichnet, über die heimische Szene, Forderungen an die Politik und Hürden auf dem Weg zum Gründer gesprochen.

futurezone: Die Start-up-Szene hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Was ist passiert?
Markus Raunig: Das Ökosystem hat sich stark entwickelt. Auch im Bereich der Finanzierung hat sich einiges getan. Besonders im frühphasigen Bereich gibt es in Österreich mittlerweile gute Möglichkeiten. Ebenso ist das Bewusstsein für Start-ups gestiegen. Start-ups sind heute auch in der Politik ein wichtiges Thema.

Die Regierung hat vergangenes Jahr ein Start-up-Paket verabschiedet. Reicht das? Nein. Das Start-up-Paket ist ein sehr wichtiger und guter erster Schritt. Etwa die Entlastung bei den Lohnnebenkosten und auch die Risikokapitalprämien. Es gibt aber noch viel zu tun. Wir haben momentan ein gutes Gefühl, dass die Bereitschaft der Politik dazu vorhanden ist.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
In Österreich ist es ein Problem, Mitarbeiter früh am Unternehmen zu beteiligen. Das scheitert an den rechtlichen Strukturen. Hier Rahmenbedingungen zu schaffen, wäre ein sehr wichtiger Schritt. Auch im bürokratischen Bereich gibt es noch viel Spielraum.

Bei der Unternehmensgründung?
Nicht nur bei der Gründung, auch vermeintliche Kleinigkeiten wie die Veröffentlichungspflicht von Firmenbuchänderungen als Anzeige in der Wiener Zeitung summieren sich für Jungunternehmen zu unangenehmen Kostenfaktoren. Der Unternehmergeist ist in Österreich sicher auch noch nicht optimal ausgebildet.

Woran liegt das?
Das Unternehmertum war hierzulande lange sehr schlecht angesehen.

Hat sich das geändert?
Vielleicht ist es in den letzten Jahren ein bisschen besser geworden, aber auch hier ist es noch ein langer Weg.

Was wäre noch zu tun?
Da setzt man am besten schon in der Schule an, indem man das Thema in den Unterricht integriert. Man könnte etwa Schüler in projektbasierten Klassen dazu animieren, dass sie selbst Initiativen starten. Ich habe vor sechs Jahren einen Fußballverein gegründet. Es kann einem viel geben, wenn man selbst ein Projekt startet und etwas gründet. Wir müssen auch schauen, dass wir Vorbilder schaffen und österreichische Erfolgsgeschichten zeigen.

Welche Start-ups sind solche Vorbilder?
Runtastic oder Shpock werden oft genannt, die beide sehr erfolgreiche Unternehmen sind. Es schadet aber auch nicht zu zeigen, dass nicht alle erfolgreich sein können. Wir müssen eine Kultur des Fehlermachens etablieren. Dass man nicht gleich den Kopf hängen lässt, wenn man Misserfolg hat.

Welche Herausforderungen kommen auf heimische Start-ups zu?
Start-ups haben Probleme Leute zu finden, besonders im Programmierbereich gibt es einen Mangel. Daran sollte man arbeiten.

Sollen Volksschüler programmieren lernen?
Ich nehme mir nicht heraus, zu sagen, wann und ob jemand Programmieren lernen soll. Es ist aber auf jeden Fall wichtig, dass IT-Grundwissen schon in der Schule stark gefördert wird. Das sollte zur Grundausbildung gehören.

Start-ups werden häufig als Jobmaschine dargestellt. Die Geschäftsmodelle vieler Start-ups basieren aber auf schlanken Strukturen. Ist die Jobmaschine Start-up ein Missverständnis?
Meine Einschätzung ist, dass Start-ups durch ihr schnelles Wachstum auch trotz schlanken Strukturen viele Arbeitsplätze schaffen. Ich glaube auch nicht, dass die Digitalisierung nur Arbeitsplätze vernichtet, es entstehen auch viele neue Jobs. Das ist aber ein Thema, dass man weiter erforschen sollte.

In dem vor kurzem vom Bundeskanzler präsentierten Plan A heißt es, dass aus Österreich der führende Start-up-Hub Europas werden soll. Wie weit sind wir noch davon entfernt?
Ehrlicherweise muss man sagen, dass wir davon noch sehr weit entfernt sind. Die Szene in Österreich ist noch jung. Andere haben sicher einen Vorsprung. Man muss sich aber hohe Ziele stecken und sich als Standort gut positionieren.

Das Silicon Valley wird hierzulande geradezu vergöttert. Geht Ihnen das auch auf die Nerven?
Die großen Erfolgstories kommen aus dem Silicon Valley. Es wäre aber sicherlich unpassend, das Silicon Valley als Vorbild für die Entwicklung des österreichischen Start-up-Ökosystems zu nehmen. Wir haben andere Voraussetzungen und müssen unseren eigenen Weg gehen.

Was wird Austrian Start-ups dazu beitragen?
Wir wollen auch weiterhin erste Anlaufstelle für Start-ups und Start-up-Interessierte bleiben und das Serviceangebot für unsere Mitglieder erweitern. Wir wollen auch internationaler werden. Das heißt, dass wir auch für Start-ups, die darüber nachdenken nach Österreich zu kommen, Ansprechpartner werden wollen. Andererseits wollen wir auch österreichischen Start-ups dabei helfen, in die Welt hinauszugehen. Wir sind eine Grassroots-Initiative, der starke Kontakt zur Community ist wichtig. Und schließlich wollen wir ein starker Partner für die Politik bleiben. Dazu wollen wir uns zu einem Thinktank entwickeln. Wir werden uns gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Beirat überlegen, wo es Forschungslücken gibt und wie wir aktiv werden können. Ein Beispiel dafür wäre etwa die Frage, wie viele Arbeitsplätze durch Start-ups entstehen.

Welches österreichische Start-up hat Sie zuletzt begeistert?
Da gibt es einige. Aber vielleicht noch am meisten Timeular. Sie haben einen Würfel entwickelt, der bei der Zeiterfassung hilft. Jede Seite des Würfels kann programmiert werden und steht für eine bestimmte Tätigkeit. Je nach dem, was man macht, dreht man einfach den Würfel. Über eine Bluetooth-Verbindung wird der Stundenzettel automatisch ausgefüllt. Das ist ein wunderbares Beispiel wie eine eigentlich nervige Tätigkeit durch smarten Einsatz von Technologie deutlich einfacher und intuitiver werden kann.

Markus Raunig

Der 26-jährige Wiener steht kurz davor, seinen Master in Strategy, Innovation & Managemnt Control an der WU Wien abzuschließen. Beim Pioneers Festival war er für die Organisation des Start-up-Wettbewerbs Pioneers Challenge verantwortlich. Raunig hat auch das Start-up sponsor.bar mitgegründet. Seit Dienstag leitet er die Initiative Austrian Start-ups, die Dachvereinigung und Interessensvertretung österreichischer Start-ups.