Der ORF tritt bei Start-ups auf die Kostenbremse.

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Start-ups
12/12/2016

"Keine weiteren Investments": ORF-Start-up-Cluster vor Aus

Der ORF stellt Investments in Start-ups ein und spart auch beim Streamingdienst Flimmit, der künftig verstärkt öffentlich-rechtlich ausgerichtet werden soll.

Mit seinem Anfang des Jahres gegründeten Start-up-Cluster wollte der ORF vom Know-how von Start-ups profitieren und sich durch Innovationen "zukunftsfit" machen. Lange hielt die Aufbruchsstimmung am Küniglberg nicht an. Das futurelab261, so der Name der ORF-Start-up-Initiative, steht nun offenbar vor dem Aus. "Im Zusammenhang mit dem Start-up-Cluster wird es keine weiteren Investments seitens des ORF mehr geben", heißt es in einem Statement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf Anfrage der futurezone.

Bereits vergangene Woche legten Äußerungen von ORF-Chef Alexander Wrabetz das baldige Aus für die vom früheren Finanzchef Richard Grasl ins Leben gerufene Start-up-Initiative nahe. Wohl im Gegenzug für eine geplante Erhöhung der ORF-Gebühren um 7,7 Prozent stellte Wrabetz "eine massive Reduktion aller nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten" in Aussicht. Davon wird neben dem Start-up-Cluster auch der Streaming-Dienst Flimmit betroffen sein, an dem sich der ORF über seine Tochtergesellschaften ORF Enterprise und ORS 2014 beteiligte.

Mehrere Beteiligungen

Laut der Website seines Innovationslabors hat sich der ORF bislang an den Start-ups greetzly, updatemi und xamoom beteiligt. Kolportiert wurden auch Anteile an Inscouts, einer Bewertungs-App für Fußball-Fans, und an einer Programmier-App für Kinder. Die Beteiligungen des ORF betragen laut Äußerungen des früheren ORF-Finanzchefs Grasl zwischen sieben und zehn Prozent. Nicht in allen Fällen soll Geld geflossen sein, ein Gutteil dürfte über Medialeistungen ("Media for Equity") wie Werbezeiten und Kooperationen abgegolten worden sein.

Wie es mit den Beteiligungen weitergeht, ist offen. Offiziell habe man vom ORF bisher nichts gehört, hieß es von einem der von den ORF-Plänen betroffenen Start-ups gegenüber der futurezone. Wie mit den bestehenden Beteiligungen verfahren werde, werde derzeit geprüft, teilte der ORF mit. Die Frage ob der Start-up-Cluster nun aufgelöst werde, blieb seitens des ORF ebenso unbeantwortet, wie Fragen nach der Höhe der bisher getätigten Investitionen und dem jährlichen Budget der Start-up-Initiative.

Kritik von Privatsendern und Verlegern

Die Initiative, in dessen Rahmen auch ein Start-up-Campus am Küniglberg geplant war, stieß in der heimischen Medienbranche auf wenig Gegenliebe. Kritik hagelte es von den Privatsendern und Zeitungsverlegern, die eine Beschwerde bei der Medienbehörde Komm Austria in Aussicht stellten. Auch wenn, wie der ORF betonte, keine Gebührengelder in die Beteiligungen fließen würden, sei fraglich, ob die Beteiligungen mit dem ORF-Gesetz in Einklang stünden, hieß es.

Kürzungen bei Streamingdienst Flimmit

Auch beim Streaming-Dienst Flimmit kommt es laut ORF zu Kürzungen. Die Rede ist von einer "Anpassung der strategischen Ausrichtung", da die kommerziellen Ziele nicht im geplanten Ausmaß erreicht worden seien: "Flimmit soll von einem rein kommerziellen zu einem verstärkt öffentlich-rechtlichen Produkt weiterentwickelt werden."