Start-ups 10.12.2016

Siemens will eine Milliarde Euro in Start-ups stecken

Siemens-Forschungsleiter Norbert Gaus am "Shaping Digitalization"-Event in München © Bild: Siemens

Mit der Start-up-Sparte next47 und der Internet-der-Dinge-Plattform MindSphere forciert Siemens Innovationen im Digitalbereich. Geld soll dabei keine Rolle spielen.

"Shaping Digitalization" lautete das Motto einer Veranstaltung, zu der Siemens Journalisten und Marktanalysten lud, um seine digitale Strategie für die kommenden Jahre zu beleuchten. Bei einer Preisverleihung in der neuen Konzernzentrale in München wurde der Innovationsgeist des Unternehmens zelebriert. Neue Ideen sollen künftig aber auch verstärkt von außen kommen. Die im Sommer gegründete Siemens-Sparte "next47" wird mit einem Budget von einer Milliarde Euro ausgestattet, um in den nächsten fünf Jahren Start-ups zu fördern, die das Siemens-Angebot bereichern könnten.

Start-up-Jagd

Siemens sieht sich nicht zum ersten Mal nach Start-ups um, um frischen Wind in die eigene Entwicklungslandschaft zu bringen. next47 möchte sich aber "auf noch aggressivere Art als bisher nach vorne wenden" um "das Beste noch besser zu machen", meint Abteilungsleiter Lak Ananth. In den nächsten fünf Jahren soll sein Team Geschäftsmöglichkeiten für Siemens identifizieren und generieren. Start-ups sollen die nötige Flexibilität bringen, um neue Produkte schnell auf den Markt zu bringen.

Die Mission sei laut Ananth die Erfüllung der drei "C": Capital, Create, Catalyst. next47 soll notwendiges Kapital für Entwicklungen bereitstellen, als "Blumenbeet für wachsende Ideen" dienen und Start-ups mit dem Siemens-Ökosystem in Verbindung bringen. Jungunternehmen sollen vom Netzwerk und Know-How des Konzerns profitieren, ohne mit der Komplexität der 350.000-Mitarbeiter-Firma konfrontiert zu sein.

Mit einer Milliarde Euro erhält next47 ein üppiges Budget. "Geld stellt also kein Problem dar", meint Ananth, "aber es ist schwierig, gute Ideen zu finden. Bei Innovation geht es nur um Qualität. Nur das oberste Prozent überlebt." Der Name des neuen Start-up Bereichs entstammt übrigens der Firmenhistorie. Sie wurde 1847 von Werner Siemens (später von Siemens) gegründet.

next47-Chef Lak Ananth
"Shaping Digitalization"-Event von Siemens am 6. und 7. Dezember 2016 © Bild: Siemens

Internet der Dinge

Im Rahmen der "Shaping Digitalization"-Veranstaltung wurde klar, dass Siemens in Zukunft große Hoffnungen auf sein Digitalgeschäft legt. Eine wichtige Rolle soll dabei MindSphere zukommen, einem cloudbasierten, offenen Betriebssystem für das Internet der Dinge. MindSphere soll der Verwertung der Flut an Sensordaten dienen, die in Industriebetrieben erzeugt werden.

"Wer baut die Systeme, die die Welt am Laufen halten?", fragt Peter Weckesser, COO der Siemens-Sparte Digital Factory PLM (Product Lifecycle Management). "Das sind wir, Siemens." Sensordaten, die in Gebäuden, Infrastruktur, Fabriken und Kraftwerken erzeugt werden, sollen künftig in MindSphere eingespielt werden. Die Plattform füttert damit etwa virtuelle Modelle von Anlagen, einen "Digitalen Zwilling", um Wartungsvorhersagen zu treffen. Außerdem sollen Drittanbieter Apps entwickeln können, die auf MindSphere basieren.

Der IT-Dienstleister Atos ist der erste Partner, der bereits Apps für MindSphere entwickelt. Siemens hat außerdem Accenture, Microsoft, SAP und IBM für seine Internet-der-Dinge-Plattform gewonnen. IBM wird künftig etwa die analytische Leistung seiner Watson-Software für MindSphere bereitstellen.

Die österreichischen Preisträger Christian Moser, Christian Karner und Radovan Seifried
"Shaping Digitalization"-Event von Siemens am 6. und 7. Dezember 2016 © Bild: Siemens

Intelligenz

Lernende Maschinen sollen künftig in vielen Siemens-Bereichen zur Anwendung kommen. "Industrie 4.0 ist nicht das Ende. Um die Ecke wartet etwas noch größeres, disruptiveres: Künstliche Intelligenz", meinen Michael May und Dorin Comaniciu in einem Vortrag bei "Shaping Digitalization". Sie schildern unter anderem, wie es in den vergangenen Jahren gelungen ist die Stickoxid-Emissionen von Gasturbinen mittels lernender Algorithmen um bis zu 20 Prozent zu reduzieren.

Der Leiter des Gasturbinen-Forschungsprojekts, Hans-Gerd Brummel, erhielt für seine Leistung einen der "Inventors of the Year"-Preise, die Siemens im Rahmen von "Shapin Digitalization" an herausragende Forscher und Entwickler (großteils innerhalb des Unternehmens) vergab. Zu den Preisträgern zählen unter anderem auch die Österreicher Christian Moser, Christian Karner und Radovan Seifried, die in Graz besonders leichte Fahrgestelle für Züge entwickelt haben.

( futurezone ) Erstellt am 10.12.2016