Start-ups
01.12.2016

Spotify-Gründer: "Ich hasse Misserfolg"

Beim Slush-Festival in Helsinki erörterten Spotify-Chef Daniel Ek, Skype-Gründer Niklas Zennström und Supercell-CEO Ilkka Paananen die Bedeutung des Scheiterns für Start-ups.

Spotify-Chef Daniel Ek, Skype-Gründer Niklas Zennström und Ilkka Paananen vom Spieleentwickler Supercell ("Clash of Clans") sind wohl die erfolgreichsten Gründer in Skandinavien. Beim Start-up-Festival Slush, das noch bis Donnerstag in Helsinki stattfindet und heuer mehr als 17.000 Besucher in die verregnete finnische Hauptstadt lockte, widmeten sie sich einem hartnäckigen Klischee der Start-up-Welt: der Notwendigkeit des Scheiterns.

"Ich hasse Misserfolg", sagte Ek. Scheitern sei keineswegs erstrebenswert. Es sei ok Fehler zu machen, so der Gründer des Musik-Streamingdienstes, bevor sie aber zum Scheitern führen, sollte man die Reißleine ziehen. Bei Spotify habe man lange Zeit auf den Desktop gesetzt und die mobile Nutzung vernachlässigt, erzählt Ek. Hätte man damals nicht gegengesteuert, wäre man wohl innerhalb eines halben Jahres pleite gegangen. Damit stehe man aber nicht alleine da, meint Ek: "Jedes große Unternehmen hat mindestens drei Nahtod-Erfahrungen hinter sich."

Auf und Ab

"Wenn du dich sicher fühlst, fährst du nicht schnell genug", zitiert Supercell-Gründer Paananen eine alte Rennfahrer-Weisheit. Innovation setze Risiko voraus und das bedeute, dass man weit öfter scheitere als Erfolg habe. Bei Supercell sei man ständig mit dem Scheitern konfrontiert. Lediglich eines von zehn Spielen werde auch tatsächlich veröffentlicht. Man müsse eben mit dem Auf- und Ab leben, meint Paananen.

"Fehler sind Teil des Prozesses", sagt Skype-Gründer Niklas Zenström, der heute den Risikokapitalgeber Atomico leitet. Vor der Gründung des Internet-Telefoniedienstes, der zunächst an eBay und später an Microsoft verkauft wurde, machte Zenström mit dem Filesharing-Dienst Kazaa Furore. Der wurde zwar von Millionen Leuten genutzt, sah sich aber auch mit millionenschweren Klagen der Tonträgerindustrie konfrontiert. "Finanziell hat sich Kazaa nicht gelohnt", erinnert sich Zennström. Man habe aber viel über Peer-to-Peer-Technologie gelernt. Wissen das man bei der Gründung des ebenfalls auf P2P-Technik basierenden Internet-Telefoniedienstes nutzen konnte: "Ohne Kazaa hätte es Skype nicht gegeben."

"Nicht leidenschaftlich genug"

Woran scheitern Start-ups? Die Frage des Erfolg oder Misserfolgs entscheide sich mit dem Gründer-Team, meint Zennström: "Viele Gründer sind nicht leidenschaftlich genug. Man muss für die Sache leben." 25 Prozent der von Atomico finanzierten Start-ups müssten abgeschrieben werden, erzählt der Risikokapitalgeber: "Das fällt uns nicht immer leicht."

Europäische Start-ups seien in den vergangenen Jahren ambitionierter geworden, weiß der Investor, dessen Unternehmen beim Slush-Festival eine Studie zu europäischen Start-ups vorstellte: "Sie haben gesehen, dass auch hier große Unternehmen entstehen können." Er versuche die von ihm unterstützten Gründer dazu zu animieren, Risiken einzugehen, erzählt Zennström. "Wenn sie darauf eingehen, ist es ein gutes Zeichen."

Derzeit sehe er den Trend, dass sich viele junge Unternehmen komplexen Technologien, wie etwa künstliche Intelligenz und maschinellen Lernen widmen. Neben den klassischen Start-up-Hubs London, Berlin und Stockholm habe sich etwa auch in Paris, München, Zürich und Helsinki eine lebhafte Szene entwickelt.

"Alle zwei Jahre ein neuer Job"

Was aber raten die erfolgreichen Entrepreneure jungen Gründern? "Nie aufgeben und immer wieder Risiken eingehen", sagt Paananen. Für jede Phase eines Start-ups seien andere Fertigkeiten erforderlich, meint Ek. Er sei bei Spotify schon Hausmeister, Marketing-Mensch, Personalchef und Verantwortlicher für die Inhalte gewesen. "Ich habe alle zwei Jahre einen neuen Job." Um erfolgreich zu sein, brauche es auch Glück, gibt Zennström zu bedenken: "Kazaa war zu früh dran. Skype kam genau zum richtigen Zeitpunkt."

Wie wichtig ist die Unternehmenskultur? Sie stehe und falle aber mit den Gründern, meint Zennström. Wenn sie einmal verloren gehe, könne sie nur sehr schwer zurückgewonnen werden. Die Unternehmenskultur müsse von allen Mitarbeitern gelebt werden, sagte Paananen. Bei Supercell gebe es keine Chefs: "Wir sind ein Unternehmen aus 200 Entrepreneuren."

Über die Unternehmenskultur werde viel geredet, sie sei aber Änderungen unterworfen, sagte Ek: "Als ich Spotify gegründet habe, war ich 23 und habe zwölf Stunden am Tag gearbeitet. Heute habe ich zwei Kinder und achte auf die Work-Life-Balance."

Wahre Helden

Wird Scheitern in Europa noch immer stigmatisiert? Das Verhältnis zu Misserfolgen habe sich in den vergangenen zehn Jahren entspannt, meint Zennström: "Heute wird das Scheitern akzeptiert." In Wahrheit wolle man nur von erfolgreichen Gründern Geschichten über das Scheitern hören, gibt Supercell-Gründer Paananen zu bedenken. Es wäre weit wichtiger ein Umfeld zu schaffen, dass es gescheiterten Gründern leichter mache, es noch einmal zu versuchen: "Sie sind die wahren Helden des Unternehmertums."

Disclaimer: Die Reiskosten zum Slush Festival und die Kosten für die Unterkunft in Helsinki wurden von der finnischen Agentur Finnfacts übernommen.