Start-up bringt universelle Kreditkarte mit Touchscreen

Handcheque aus Wien entwickelt eine Sammelkarte mit Touchscreen. Beim Demo-Day des Inkubator 5starts wurde ein Prototyp präsentiert. Auch andere Start-ups stellten sich vor.

"Wir haben zu viele Karten in der Geldtasche", sagt Asef Khaled. Das von ihm mitgegründete Start-up Handcheque hat sich eine Lösung für das Platzproblem im Portemonnaie einfallen lassen. Eine Sammelkarte mit Touchscreen, auf der sich Karteninformationen verschiedener Anbieter speichern lassen. Beim Demo Day des zum Co-Workingspace Sektor5 gehörenden Inkubators 5starts am Donnerstagabend präsentierten Khaled und seine Mitstreiter einen ersten Prototypen. Im zweiten Quartal 2017 sind Alphatests der interaktiven Karte und Zertifizierungen bei Zahlungsanbietern geplant, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft im nächsten Jahr soll der Marktstart erfolgen.

Die Karte werde weltweit auf allen Terminals funktionieren, sagt Handcheque-Mitgründer Valentin Jilch. Neben dem Inkubator 5starts und der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) zählt auch der Kreditkartenanbieter Mastercard zu den Unterstützern des jungen Unternehmens. In Fragen der Cybersicherheit wird das Team um Khaled und Jilch vom österreichischen Forschungszentrum SBA Research unterstützt. Von der Idee bis zum Prototypen habe man gerade einmal ein Jahr gebraucht, erzählt Jilch. Zur Sammelkarte, die auch offline funktioniert, wird es eine Smartphone-App geben, über die sich Kartendaten auf die Sammelkarte gespielt werden können.

Messbare Outdoor-Werbung

Demo Day im Sektor5
© Patrick Dax
Handcheque ist eines von drei Start-ups, denen in den vergangenen fünf Monaten vom Inkubator 5starts unter die Arme gegriffen wurde. Ein anderes istFolyo, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Outdoor-Werbung messbar zu machen. Gründer Manuel Klabacher hat zehn Jahre im Werbegeschäft verbracht und weiß, wie schwer es ist, den Erfolg oder Misserfolg von Kampagnen im öffentlichen Raum zu quantifizieren. "Es wird viel Geld in Billboards und Werbeflächen auf Autos gesteckt, die Agenturen wissen aber nicht, was sie dafür bekommen", sagt Klabacher.

Folyo will das ändern. Dazu werden Autos, auf denen sich Werbeflächen befinden, mit GPS getrackt. Derzeit gibt es eine Partnerschaft mit dem Fahrdienstvermittler Uber. Bei der Erhebung des Werbeerfolgs arbeitet man mit einem großen heimischen Mobilfunker zusammen. Kunden des Werbe-Start-ups können online Kampagnen buchen und auch festlegen, in welchen Gegenden sie zum Einsatz kommen sollen. Werbekunden könnten auch Push-Nachrichten an die Fahrer schicken und so etwa dafür sorgen, dass 15 Autos mit den Werbebotschaften auf einmal vor der Oper auftauchen, erklärt Klabacher: "Das ist ein massiver Werbeeffekt."

In den werbenden Wägen sind auch Bluetooth-Beacons angebracht, die auf den Handys von Passanten, die Bluetooth aktiviert haben, Werbung ausspielen sollen. Das klingt beängstigend, ist aber laut Klabacher etwa für Werbeaktionen gedacht, bei denen Kunden, Gutscheine oder andere Goodies bekommen, wenn sie die fahrende Werbung im Stadtbild entdecken und fotografieren.

Häupl als Emoji

Ebenfalls mit Werbung Geld verdienen will das vom australischen Journalisten Jacob Moss gegründete Start-up Vienna Würstelstand. Moss strandete vor drei Jahren in Wien und bemerkte, dass es in der Stadt kaum englischsprachige Online-Publikationen gibt.

Moss wollte die Marktlücke schließen und gründete gemeinsam mit der Grafikerin Sofie Mayer Vienna Würstelstand. Dort gibt man Tipps zur Stadtbenutzung etwa: "10(+2) of our favourite things about Favoriten" oder: "16 Vienna personalities to dress up as this Halloween"). Das Online-Magazin komme nicht nur bei Wien-Besuchern und in der Stadt lebenden Ex-Pats gut an, erzählt Moss: "30 Prozent unserer Leser sind Österreicher."

Wiener Emojis von Vienna Würstelstand
© Patrick Dax
Vienna Würstelstand bietet seine Dienste über die angeschlossene Agentur pow bang boom auch Werbekunden an und stellt ihnen "highly sharable content" in Aussicht. Ein Beispiel dafür sindWiener Emojis, bei denen prominente Wiener ( Michael Häupl, David Alaba oder Richard Lugner) als Bildschriftzeichen in Umlauf gebracht werden. Im Netz werden sie gerne geteilt.

Champagner zum Begräbnis

Man verstehe sich als Party zu der eben auch Werbetreibende eingeladen werden, erläutert Moss die Philosophie seines jungen Unternehmens. Alte Werbeformen seien eine aussterbende Art, sagt der Gründer: "Wir sind die, die den Champagner zum Begräbnis bringen."

Drei Monate werden die drei Start-ups noch im Coworking-Space Sektor 5 verbringen, dann werden sie ins wirkliche Leben entlassen. Die nächsten Bewerber für das Inkubatoren-Programm stehen schon vor der Tür. Zehn Start-ups hätten sich beworben, erzählt sektor5-Chefin Floor Drees: "Die Auswahlprozesse laufen."

(futurezone) Erstellt am 18.11.2016