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Nachrichtendienst Updatemi: „Google News ist nicht relevant“.

Updatemi setzt auf kurze, knappe Nachrichten
Updatemi setzt auf kurze, knappe Nachrichten - Foto: Updatemi
Im Silicon Valley gegründet, will der Nachrichtendienst Updatemi von Österreich aus Deutschland und die USA erobern. Algorithmen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die österreichischen Gründer des Nachrichten-Start-ups Updatemi, Michael Hirschbrich und Andreas Schietz setzen dabei auf eine Mischung von intelligenten Algorithmen, die relevante Themen und die dazugehörigen Informationen schnell aufspüren, sowie eine inhaltliche Kuratierung durch Journalisten und Lektoren. Jede berichtenswerte Nachricht wird in sechs Punkten zusammengefasst. User können den Service zudem personalisieren.

Von Fülle überfordert

„Die Nachrichtenfülle im Internet hat uns beide überfordert. Während Andreas durch die inhaltliche Überfüllung einfach abgeschaltet hat, war ich als alter News-Junkie einfach zeitlich überfordert, alle Nachrichtenquellen, Twitter- und Facebook-Postings konsumieren zu können“, erklärt Hirschbrich im Gespräch mit der futurezone. „Als Lösung, die uns beide in unserem Konsumverhalten zufriedenstellt, wollten wir einen Dienst, der die wichtigsten Themen das Tages unseren Interessen entsprechend auswählt und diese kurz und faktenbasiert präsentiert.“

Updatemi
Updatemi-Gründer Andreas Schietz und Michael Hirschbrich - Foto: Updatemi
In einer etwa einjährigen Vorbereitungs- und Testphase mit User-Feedback ist schließlich das Konzept entstanden, jede Nachrichtenmeldung in sechs kurzen Punkten je maximal 260 Zeichen zu abstrahieren. Diese Zusammenfassung ist nicht als Teaser gedacht, sondern soll alle wichtigen Informationen beinhalten, die den Kern der Meldung ausmachen. Unter der Zusammenfassung – dem sogenannten „Update“ – finden Interessierte weiterführende Links  zu Berichten verschiedener Medien. Auch diese werden größtenteils über einen speziellen Algorithmus aggregiert.

Begriffen folgen

Anstatt wie auf Twitter oder Facebook Personen zu folgen, kann man bei Updatemi Begriffen und Kategorien folgen. Darüber hinaus gibt es auch Spielereien wie einen Boulevard-Filter, der boulevardeske Berichterstattung ausblenden soll, und einen „Good News“-Filter, mit dem negative Berichte umgangen werden können. In der kürzlich veröffentlichten App, die noch als Beta-Version gekennzeichnet ist, sind all diese Features nutzbar. In Zukunft könnten derartige Funktionen auf eine kostenpflichtige Pro-Variante beschränkt werden – der Dienst an sich soll aber weiterhin gratis bleiben.

Der Hinweis, dass auch Plattformen wie Google News einen guten Überblick über die Nachrichtenlage verschaffen können, teilt Hirschbrich überhaupt nicht. „Google News ist nicht relevant, das habe ich jahrelang versucht. Wenn man da nach Schlüsselbegriffen sucht,  bekommt man eine Fülle von Informationen, die einfach nicht zielführend sind“, so Hirschbrich. Um sich rechtlich abzusichern und nicht etwa wie Google in Deutschland Vorwürfe wegen angeblicher Verletzung des Leistungsschutzrechtes zu bekommen, werden alle Zusammenfassungen von Redakteuren in eigenen Worten verfasst.

"Journalistisch wertvoll"

Dass das Zusammenfassen von Meldungen „journalistisch weniger wertvoll“ als die tägliche Arbeit von Redakteuren in Zeitungen und auf Nachrichtenportalen sein soll, bestreiten die Updatemi-Gründer ebenfalls vehement. „Das Erstellen solcher Bullet Points ist ein journalistisch wertvoller und gar nicht trivialer Job. In Wahrheit entstehen die meisten Nachrichten so, dass Journalisten andere Quellen aufgreifen, recherchieren und daraus eine Meldung machen. Da unsere derzeitigen User eher Nachrichten-affin sind und durchschnittlich hoch gebildet sind, können wir uns eine schlechte Qualität gar nicht erlauben“, sagt Hirschbrich.

Neben einem möglichen Paid-Modell für die Proversion des Dienstes versucht Updatemi auch Medienhäuser, Verlage sowie Unternehmer aus anderen Branchen für sich zu begeistern. Geklappt hat dies unter anderem beim österreichischen NZZ-Ableger, der die Technologie für einen auf seine Leser zugeschnittenen News-Feed lizenziert hat. Weiters hofft Updatemi auch auf Investoren, die sich in dieser frühen Phase mit Kapital am noch jungen Dienst beteiligen. Laut Horizont konnte Updatemi bislang 650.000 Euro Investment auftreiben. Aktuell besteht das Updatemi-Team aus etwa 20 Leuten in Österreich und den USA.

Hart, aber herzlich

Ungeachtet dessen, dass sich Österreich aufgrund der übersichtlichen Marktteilnehmer-Anzahl hervorragend als „Proof of Concept“-Region eignet, lassen die Updatemi-Gründer auch leichten Wehmut hinsichtlich des Start-up-Paradies Silicon Valleys durchklingen. „Es ist keinesfalls einfacher dort, aber die Herangehensweise, das Mindset ist einfach viel optimistischer und positiver als hier. Wenn man Erfolg hat und den Durchbruch schafft, gibt es keinen Neid, und auch wenn man scheitert, heißt es nicht, „das war ja eh klar“, sondern man wird ermuntert, es noch einmal zu probieren“, sagt Hirschbrich.

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(futurezone) Erstellt am 10.02.2015, 06:00

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