Start-ups
17.11.2017

Wiener Start-up-Campus weXelerate ist eröffnet

Der Wiener Start-up-Campus weXelerate will zum Brennpunkt der zentral- und osteuropäischen Start-up-Szene werden. Am Freitag wurde er feierlich eröffnet.

Mit knapp 2000 Gästen wurde am Freitag der Wiener Start-up-Campus weXelerate in großem Stil offiziell eröffnet. Start-ups und mehrere etablierte Unternehmen finden in dem 9000 Quadratmeter großen Zentrum im Nouvel-Tower am Donaukanal einen Treffpunkt, um Innovationen voranzutreiben und dabei zusammenzuarbeiten. Im August wurde bereits ein Accelerator-Programm gestartet, an dem 55 Start-ups aus 14 verschiedenen Ländern teilnehmen.

Tor in den Osten

"Mit weXelerate haben wir die Chance, eine Hub-Rolle für Zentral- und Osteuropa zu übernehmen", meint Markus Wagner, einer der Initiatoren des Projekts. Österreich biete sich als Tor in den Osten an, meint auch Mitbegründerin Eveline Steinberger-Kern. "Ich glaube wir haben ein gutes Angebot. weXelerate ist so etwas wie ein Manager für das Start-up-Ökosystem. Im Silicon Valley ist so etwas alltäglich. Wir holen da jetzt auf."

"Wir wollen, dass internationale Unternehmen bei weXelerate Forschungs- und Entwicklungsthemen vorantreiben", meint Wagner. Den ansässigen Unternehmenspartnern stünden durch die enge Zusammenarbeit mit Start-ups zahlreiche Möglichkeiten offen, um genau in ihren eigenen Themenfeldern frische Ideen zu gewinnen.

Ein lebendiger Ort

"Wir sind superfroh hier zu sein", meint Florian Tausend vom Start-up Investory, das ins weXelerate Accelerator-Programm aufgenommen wurde. Das Jungunternehmen beschäftigt sich mit der Automatisierung von Unternehmens-Reporting. "Es ist alles da, was du dir als Start-up wünschen kannst: Mentoring, intensiver Austausch, Funding. Es ist ein lebendiger Ort und sehr inspirierend."

Der aus Malaysia stammende Start-up-Gründer Lex Tan und sein aus Vietnam stammender Partner Pablu Vu sehen die Sache ähnlich. "Wir haben hier eine gute Gelegenheit gesehen und es ist großartig. weXelerate hat uns mit der österreichischen Versicherungsbranche vernetzt und uns auch bei der Finanzierung weitergeholfen." Ihr Start-up Motionscloud setzt Bilderkennung und künstliche Intelligenz ein, um die Verarbeitung von Versicherungsfällen zu beschleunigen.

Schub für die Start-up-Szene

Auch die Unternehmenspartner von weXelerate sehen großes Potenzial in dem dreistöckigen Start-up-Campus direkt an der Wiener Innenstadt. "Was hier entstanden ist, ist beeindruckend und wird der Weiterentwicklung der zentraleuropäischen Start-up-Szene sehr helfen", meint Thomas Kulnigg von der Rechtsanwaltskanzlei Schönherr. Diese berät Start-ups im Accelerator-Programm bei allen rechtlichen Fragen.

"Unser Unternehmen ist in ganz Zentral- und Osteuropa tätig und betreut 10 Millionen Kunden. Wir haben uns überlegt: Wo werden unsere Kunden im Jahr 2030 sein", erklärt Andreas Nemeth vom Venture Capital Team der Uniqa die Motivation, bei weXelerate mitzumachen. Das Versicherngsunternehmen kooperiert mit Start-ups, deren Geschäftsmodelle einen strategischen Nutzen für die Uniqa erkennen lassen und unterstützt sie auch durch Investments. Aktuell arbeite man mit drei Start-ups aus dem Accelerator-Programm zusammen, erklärt Nemeth.

"Innovatives Denken ist lernbar"

Welch wichtige Rolle ein funktionierendes, unterstützendes Ökosystem für Start-ups einnehmen kann, erklärt Erez Tsalik von der internationalen Unternehmensberatung SIT der futurezone bei der weXelerate-Eröffnung. "Innovation ist wie eine neue Religion", meint er. Dabei sei es oftmals schwierig, wirklich innovative Ideen zu entwickeln. "In unserem Denken gibt es Barrieren, die uns daran hindern. Wir sind oftmals zu fixiert auf bekannte Muster. Je mehr man zu einer bestimmten Materie weiß, desto eher ist das so. So viele Start-ups haben sehr ähnliche Ideen. Aber innovatives Denken kann man lernen. Wir arbeiten mit Start-ups zusammen und bringen ihnen bei, ihre Denkmuster zu verändern."

Das oftmals propagierte "out of the box"-Denken hält Tsalik allerdings für trügerisch. "Wenn man Einschränkungen ignoriert, hat man zwar vielleicht ein paar gute Ideen, aber auch viele schlechte. Innovation wird an Resultaten gemessen. Wenn man mit Einschränkungen arbeitet, verbessert das die Kreativität."

Party und große Pläne

An Innovationen und Produktideen denken am Freitagabend aber viele Besucher der weXelerate-Eröffnung mal eine Weile lang nicht. "Heute ist der entspannteste Tag seit drei Monaten", meint weXelerate-Mitbegründer Dominik Greiner. "Es ist eine große Genugtuung, dass wir so viele Leute hinter uns haben, die mit uns feiern." Die Ambitionen nach der Party sind groß. Derzeit habe man 16 Unternehmenspartner, darunter auch den Kurier (und somit die futurezone) an Bord. Bis Ende 2018 sollen es 30 sein.