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KI-Experte rät: „Wir müssen schauen, dass wir den Anschluss nicht verlieren“

Künstliche Intelligenz (KI) kann dabei helfen, die Verhaltensdaten von Nutzer:innen zu segmentieren, Vorhersagen zu treffen, personalisierte Inhalte zu erstellen oder Werbekampagnen zu optimieren – und trotzdem sind viele Unternehmen noch zögerlich, die Technologie im Unternehmen zu integrieren. Wo wird KI im Marketing aktuell schon eingesetzt? Welches sind die größten Hürden bei der KI-Implementierung? Und welche Tools lohnen sich? Wir haben bei Jakob Schachafellner, Artificial Intelligence Specialist bei HeadquarterWeb3 und Entwickler der KI-Lernplattform KIMI, nachgefragt und Antworten auf die brennendsten Fragen erhalten.

Über den Interviewpartner

Jakob Schachafellner hat sich schon mit KI beschäftigt, lange bevor es ChatGPT gab. Sein Interesse für die Technologie war geweckt, als er bei einem Job im Marketing zum ersten Mal Tools wie einen Slogan-Generator nutze, die ihm dabei halfen, kreative Ideen zu entwickeln. Heute ist er zertifizierter Experte im Bereich der generativen KI und Entwickler des KIMI KI-Kurses. Das Unternehmen KIMI hat es sich zur Aufgabe gemacht, technologische Innovationen auf verständliche Weise darzustellen, Menschen dabei zu helfen, ihre Angst vor neuen KI-Technologien abzubauen und ihnen zu zeigen, wie man KI praxisnah anwenden kann. Dabei liegt der Fokus vor allem darauf, Einsteiger:innen die ersten Schritte mit der KI zu ermöglichen.

1. KI wird im Marketing schon in vielen Bereichen eingesetzt. Welche Bereiche des Marketings profitieren am meisten von KI und warum?

Die meisten Menschen kennen KI nur von Chatbots wie ChatGPT, wo man einen Prompt eingibt und dann eine Antwort erhält. KI kann heute aber schon viel mehr. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, sich bei ChatGPT seine eigenen GPTs zu bauen, die man mit Informationen über das eigene Unternehmen oder seine Produkte füttern kann. Anstatt nun wie beim „normalen“ ChatGPT wenig zufriedenstellende, vage Antworten zu erhalten, kann man so Outputs mit spezifischen Informationen zum Unternehmen oder den Produkten generieren. Das erleichtert die Erstellung von Content enorm. Ein anderer Anwendungsfall wären KI-basierte Transkriptionssoftwares, die in Echtzeit Gespräche oder Interviews aufzeichnen, transkribieren oder zusammenfassen. Auch im Bereich des Suchmaschinenmarketings kann man von KI-Tools profitieren, etwa zur SEO-Optimierung. Hier kann ich besonders das Tool Neuroflash empfehlen, das sehr vielseitig ist. Es eignet sich nicht nur, um Texte SEO-konform zu gestalten, sondern mit der Premiumversion kann man in der Inhalte-Erstellung extrem in die Tiefe gehen und Content so gestalten, dass man seine Kundinnen und Kunden punktgenau damit abholt. Natürlich gibt es auch Profis, die für solche Zwecke keine KI-Tools benötigen, aber für Kleinunternehmen mit begrenzten Kapazitäten oder Anfänger:innen sind KI-Tools ein unglaublich nützliches Werkzeug.

2. Viele Marketer:innen nutzen KI zur Erstellung von Artikeln, Anzeigentexten, Bildern und Co. Dadurch, dass diese häufig mit denselben KI-Tools arbeiten, ähnelt sich der Output. Gerade ChatGPT ist bekannt für seine „überschwänglichen“ Formulierungen, wodurch man diese Inhalte leicht als KI-generierte Inhalte erkennen kann. Wie schätzt du die Qualität von KI-generiertem Content ein? Was empfiehlst du, um sich inhaltlich trotzdem von anderen Unternehmen abzugrenzen?

Geschulte Augen können KI-generierte Inhalte durchaus an bestimmten Wörtern oder Formulierungen erkennen. Auch Bild-KIs wie beispielsweise Midjourney haben ihre eigene Handschrift, die man je nach Tool ganz gut erkennen kann. Daher empfehle ich, Content niemals 1:1 zu übernehmen und zu veröffentlichen. Ich sehe KI eher als Element, mit dem man kreativ werden kann, sich austauschen und Ideen generieren kann. Aber der persönliche Feinschliff durch eine reale Person sollte nie fehlen, denn diesen individuellen Stil wird die KI nie vollends kopieren können. Bei manchen Tools kann man inzwischen sogar den eigenen Stil „erkennen lassen“, sodass die KI die Inhalte dann entsprechend generiert. Um wieder das Beispiel Midjourney herzunehmen: Hier kann man in der Premiumversion im Prompt vorgeben, welchen Style der Output haben soll. Da kann man richtiges Feintuning betreiben, indem im Prompt angegeben wird, mit welcher Kamera das Bild gemacht worden sein soll, wie die Helligkeit eingestellt ist und so weiter - wirklich unglaublich. Mit einem so detaillierten Feintuning kann man sich auch bei KI-generierten Inhalten von anderen Unternehmen abgrenzen.

Jakob Schachafellner, Intelligence Specialist bei HeadquarterWeb3 und Entwickler der KI-Lernplattform KIMI 

Der persönliche Feinschliff durch eine reale Person sollte nie fehlen.

Jakob Schachafellner

3. Apropos Premiumversion. Glaubst du, dass die Gratisversionen der meisten KI-Tools ausreichend sind für den täglichen Gebrauch im Marketing?

Ich denke, dass die Gratis-Versionen oft eher zum Anlocken sind. Man kann schon viel mit ihnen machen, aber gerade, wenn man seinen persönlichen Stil mit der KI entwickeln will, braucht man auf Dauer mehr Funktionen, um erfolgreich zu sein. Da sind dann die Premiumversionen zu empfehlen, die ja preislich auch sehr zugänglich sind. Man kann sich das für einen Monat anschauen und sich dann überlegen, ob es die Investition wert ist oder nicht. Ich empfinde die Bezahlversionen der KI-Tools schon als große Hilfe.

4. Von welchen 3 Tools würdest du die Bezahlversionen empfehlen?

ChatGPT ist einfach der Spitzenreiter und da kann ich wirklich jedem die 4er-Version ans Herz legen. Das ist eine hervorragende All-in-one-Plattform zur Text-Generierung, Bild-Generierung, zum Personalisieren, Bauen von eigenen GPTs und mehr. Wenn es um die Bild-Generierung geht, finde ich, dass Midjourney extrem gute Ergebnisse liefert und gleichzeitig sehr einfach in der Verwendung ist. Und als drittes Tool würde ich die Premium-Version von Neuroflash empfehlen. Das ist eine High-End Text-KI, mit der man Texte für alle möglichen Zwecke generieren, Tonalität festlegen oder sogar eigene Personas erstellen kann. Aber im Bereich der KI-Tools entwickelt sich aktuell sehr viel und es kann nächsten Monat schon wieder ganz anders ausschauen – man denke beispielsweise an Sora von OpenAI. Da bin ich mir sicher, dass dieses Tool die Leute vom Hocker hauen wird.

5. Wenn es um die Erstellung von Inhalten für kommerzielle Zwecke geht, sind in Bezug auf KI auch geistiges Eigentum, Urheberrecht und Copyrights ein Thema. Was glaubst du, wo die Entwicklung in diesem Bereich hingeht? Wird es rechtliche Einschränkungen geben?

Ich glaube, dass hier auf jeden Fall rechtliche Einschränkungen kommen werden und auch müssen. Erst kürzlich gab es Meldungen, dass große Social-Media-Plattformen darauf bestehen, KI-generierte Inhalte mit Wasserzeichen oder ähnlichem zu kennzeichnen. Das ist auch gut so, weil das gefährliche Ausmaße annehmen kann, denken wir nur an bestimmte Fake-Videos und Bilder der letzten Zeit. Die Nutzer:innen können kaum noch unterscheiden, was echt ist, und was nicht. Ich bin auf jeden Fall ein Befürworter davon, dass es klare Regeln gibt. Gleichzeitig sollten diese aber den technologischen Fortschritt und die Kreativität nicht zu sehr einschränken. Hier werden die einzelnen Länder bzw. die Regierungen einen Mittelweg finden müssen, damit wir den Anschluss nicht verlieren.

Der KIMI Online-Kurs richtet sich an Anfänger:innen und Praktiker:innen, die sich die Vorteile der KI zu Nutze machen wollen. 

6. Mit dem KI-Boom im letzten Jahr haben auch Unis und FHs angefangen, KI in ihre Ausbildungen zu integrieren. Auch sonst gibt es schon vereinzelte Anbieter (wie KIMI), die KI-Ausbildungen für Marketer:innen anbieten. Welche Fähigkeiten sollten Marketing-Mitarbeiter:innen entwickeln, um die Chancen, die KI bietet, optimal nutzen zu können? 

Ich finde es gut, dass Bildungsinstitutionen das Thema KI mit in ihre Lehrpläne nehmen. Aber eigentlich müsste man damit schon viel früher beginnen, bei den jüngeren Generationen. Da muss ein Verständnis für KI und KI-Tools geschaffen werden und ein Bewusstsein dafür, dass diese auch nicht mehr verschwinden. KI wird die Zukunft sein. Da muss ein Umdenken passieren, damit wir den Anschluss nicht verlieren. Das geht sicher nicht von heute auf morgen. Ich glaube aber gar nicht unbedingt, dass es eine konkrete Fähigkeit gibt, die man lernen muss, sondern es geht vielmehr um das Ausprobieren und das Dranbleiben, um mit den Entwicklungen in der KI Schritt zu halten. Die Bildungsinstitutionen sind dazu angehalten, dafür die Voraussetzungen zu schaffen, dass jeder sich mit KI auseinandersetzen kann, weil KI in Zukunft einfach für jeden wichtig sein wird. Das ist natürlich eine Herausforderung, auch für uns bei KIMI. Nahezu jeden Tag kommen neue KI-Tools auf den Markt und wir müssen Gas geben, dass unsere Kurse auf dem neuesten Stand sind. Schließlich ist es unser Anspruch, die aktuellen Neuerungen in der KI-Welt in unseren Kursen zu berücksichtigen.

7. In facheinschlägigen Medien wird gerne berichtet, dass KI das Marketing revolutionieren wird. Jüngste Studien zeigen, dass vor allem kleine Unternehmen Angst haben, auf der Strecke zu bleiben, weil sie beispielsweise die für KI-Anwendungen erforderliche Rechenleistung gar nicht stemmen können. Wie wird sich deiner Meinung nach die Rolle von KI im Marketing in den nächsten Jahren entwickeln? Haben große Unternehmen hier einen Vorteil?

Kleine Unternehmen könnten hier schon einen Vorteil haben, weil sie schneller agieren, Dinge schneller implementieren und verändern können. Und die meisten KI-Tools, die es aktuell auf dem Markt gibt, sprengen kostenmäßig nicht den Rahmen. Der Nutzen, den die Unternehmen daraus ziehen, ist riesig, und durch die Investition in KI-Tools können sie auf der anderen Seite vielleicht sogar Kosten einsparen, weil die Unternehmen das Kundenservice, SEO, Content-Marketing und Co. plötzlich selbst stemmen und nicht mehr zukaufen müssen. Große Unternehmen haben dafür wiederum die finanziellen Ressourcen und die Rechenleistung, um größere, maßgeschneiderte KI-Anwendungen umzusetzen. Sie müssen sich Gedanken machen, was ihre Strategie in Bezug auf KI ist und nicht einfach bloß wild drauflos agieren. Da geht es in erster Linie vor allem darum, sich zu überlegen, welche Prozesse aktuell viele zeitliche Ressourcen fressen und wie man diese mithilfe von KI verbessern könnte. Es sollten also einfache Lösungen priorisiert werden, bevor man versucht, riesige KI-Projekte zu stemmen.

Unternehmen sollten nicht einfach bloß drauflos agieren.

Jakob Schachafellner

8. Welche Herausforderungen siehst du noch bei der Integration von KI in das Marketing und wie können Unternehmen damit umgehen?

Als größte Herausforderung sehe ich, den Mut aufzubringen, KI zu implementieren und zu nutzen. Ich glaube, das ist fast der wichtigste Schritt für Unternehmen, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Bereitschaft zu entwickeln, mit KI zu arbeiten und sich zu verändern. Die Akzeptanz von KI ist in vielen Unternehmen noch überhaupt nicht gegeben, weil Mitarbeiter:innen Angst haben, dass die KI sie ersetzen könnte. Unternehmen können hier ansetzen, indem sie ihre Teams schulen und ihre KI-Strategie offen kommunizieren. Eine weitere große Herausforderung ist das Thema Datenschutz. Wenn Unternehmen KI vollumfänglich nutzen und das meiste aus ihr herausholen wollen, ergibt es Sinn, die KI-Modelle auch mit den eigenen Unternehmensdaten zu nutzen. Da muss man dann darauf achten, dass man sich DSGVO-konform absichert und die Mitarbeiter:innen entsprechend schult. Das ist sehr komplex, aber es gibt inzwischen schon viele KI-Anbieter:innen, die sichere Lösungen bereitstellen oder Schnittstellen bzw. API-Anbindungen anbieten, sodass Unternehmen die KI-Funktionalitäten in ihre eigenen Softwares integrieren können.

Aus dem Gespräch wird klar: Die Möglichkeiten für den KI-Einsatz im Marketing sind nahezu unbegrenzt und Unternehmen tun gut daran, jetzt auf den Zug aufzuspringen, ihre Mitarbeiter:innen für die KI-Nutzung zu schulen und frühzeitig eine Strategie festzulegen, wie sie künftig mit KI umgehen wollen. Denn für die meisten Herausforderungen, die aktuell bestehen, gibt es schon Lösungen – und damit keinen Grund mehr, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen. Denn eines ist sicher: KI ist gekommen, um zu bleiben. Unternehmen, die das nicht erkennen, müssen aufpassen, dass sie den Anschluss nicht verlieren.

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Rebecca Chromy-Kiss

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