Meinung

Umweltschutz darf kein Prestigeprodukt sein

Ich kann einfach eine Hose kaufen. Ich kann aber auch eine nachhaltige Bio-Hose kaufen, die ohne Umweltgifte hergestellt wurde, aus wiederverwendeten Fasern. Die kostet um die Hälfte mehr, aber dafür kann ich dann das gute Gewissen genießen, etwas für unseren Planeten getan zu haben!

Ich kann die Plastiktasche nehmen, oder für die umweltfreundlichere Variante ein bisschen aufzahlen. Ich kann ein Auto mit Verbrennungsmotor kaufen, oder mir um ein paar tausend Euro mehr ein Elektroauto leisten. Im Supermarkt, im Elektrogeschäft, beim Urlaub buchen – überall kann ich freiwillig zusätzliches Geld in die Hand nehmen, um die Umwelt zu schonen, die Natur zu bewahren, das Klima zu retten.

Umweltschutz als Premium-Variante

Das mag auf den ersten Blick vielleicht ganz erfreulich erscheinen – ist aber eigentlich eine Entwicklung in die völlig falsche Richtung. Umweltschutz ist ein Premium-Produkt geworden, mit dem man sich stolz inszenieren kann: Man demonstriert damit nicht nur sozialen Status (seht her, ich kann mir das leisten!), sondern signalisiert damit sogar gleichzeitig noch, ein moralisch überlegener Mensch zu sein (seht her, ich bin umweltfreundlicher als ihr!).

Das ist völlig verkehrt. Insgesamt gerechnet ist Umweltschutz nämlich immer billiger – wenn man die Kosten mit einberechnet, die durch Umweltschäden für die Allgemeinheit entstehen. Und in einem fairen, freien Markt müsste das auch beim Einkaufen zu spüren sein: Die umweltfreundliche Version müsste logischerweise weniger kosten als die umweltschädliche.
Heute zahlen wir alle gleichermaßen für Schäden, die nicht von allen gleichermaßen verursacht werden. Das bedeutet: Es gibt derzeit eine Umverteilung von den Nicht-Verursachern zu den Verursachern. Es ist eine ins System eingebaute staatliche Förderung für umweltschädliches Verhalten.

Man könnte das reparieren – etwa durch ausgeklügelte Ökosteuern. Das wird dann oft mit dem Hinweis kritisiert, dass es sich dabei um einen allzu radikalen Eingriff in den freien Markt handeln würde. Aber eigentlich ist das Gegenteil wahr: Heute greifen wir in den freien Markt ein, indem wir alle dazu gezwungen werden, für Probleme zu zahlen, völlig unabhängig davon, in welchem Ausmaß wir sie mitverursachen. Das verschafft umweltschädlichen Dingen einen unfairen Wettbewerbsvorteil. Jeder mit dem Privatjet zurückgelegte Kilometer wird indirekt von uns mit Steuergeld subventioniert. Die Steuern dafür könnten wir uns in einem faireren System sparen.

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Wir haben uns an unfaire Preise gewohnt

Wenn das Zugticket mehr kostet als das Flugticket, dann ist das nicht die Mahnung des freien Marktes an mich, dass mir Umweltschutz halt etwas wert sein muss, es ist ein Zeichen dafür, dass hier etwas nicht stimmt. Dass wir die wahren Kosten nicht auf wirtschaftlich korrekte Art einpreisen. Es ist ein Alarmsignal.

Wir haben uns aber an höhere Preise für umweltfreundlichere Varianten im Laufe der Zeit so sehr gewöhnt, dass wir das beinahe naturgesetzartig als gegebene Tatsache hinnehmen. Wir fordern eher andere Leute auf, doch der Umwelt zuliebe etwas tiefer in die Tasche zu greifen, anstatt uns darüber aufzuregen, dass umweltfreundliche Produkte völlig verrückterweise viel zu teuer sind. Wir betrachten Umweltschutz als Prestigeprodukt, das man sich eben leisten muss. So werden wir Umweltprobleme langfristig aber nicht lösen können.

Umweltfreundliche Technologien und Produkte können sich nie auf Dauer durchsetzen, wenn sie die teurere Variante bleiben. Umweltschutz soll nicht die prestigeträchtige Bonus-Variante für Besserverdiener sein, sondern die rationale Wahl für alle.

 

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Florian Aigner

Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftserklärer. Er beschäftigt sich nicht nur mit spannenden Themen der Naturwissenschaft, sondern oft auch mit Esoterik und Aberglauben, die sich so gerne als Wissenschaft tarnen. Über Wissenschaft, Blödsinn und den Unterschied zwischen diesen beiden Bereichen, schreibt er regelmäßig auf futurezone.at und in der Tageszeitung KURIER.

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