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09/21/2016

Google Allo im Test: Schrill, bunt und mit Assistent

Googles neuer Messenger verfügt über zahlreiche Sticker sowie einen Chatbot, der Aufgaben für euch erledigen kann. Wir haben Allo ausprobiert.

Googles Beziehung zu seinen Messengern lässt sich wohl am ehesten so beschreiben: Es ist kompliziert. Begonnen hat alles im Jahr 2005 mit Google Talk, das später dann unter dem Namen Google Chat oder einfach Chat in Gmail integriert wurde. 2011 startete schließlich Google+ und kreierte Hangouts. Anfangs noch parallel zu Talk, ersetzte es den beliebten Dienst schließlich. Viele Nutzer, die das einfache und reduzierte Interface von Talk zu schätzen wussten, kritisierten diesen Schritt.

Nicht ganz sicher ist man sich bei Google auch mit der SMS-Integration. So lassen sich auf Android-Smartphones die SMS einerseits in Hangouts integrieren, andererseits hat Google mit dem Messenger noch eine weitere SMS-App im Programm.

Obwohl Hangouts bereits Videotelefonie unterstützt, wurde mit Duo eine zusätzliche Videochat-App ins Leben gerufen, die parallel zu Allo angekündigt wurde.

Erster Eindruck

Als ich Allo zum ersten Mal installiert habe, ist mir aufgefallen, dass meine eigene Kontaktliste um einiges kleiner ist, als etwa in Hangouts. Der Grund dafür ist, dass man bei Allo nicht mit all seinen Gmail bzw. Google-Kontakten verknüpft ist, sondern nur mit denen, von denen man eine Handynummer gespeichert hat und die ebenfalls Allo installiert haben.

Mit seinen Kontakten kann man zwei Arten von Chats starten, normale und Inkognito-Chats. Letztere sind nur für eine vorab festgelegte Zeitspanne wie einige Stunden oder Tage aktiv, Protokolle werden danach gelöscht. Das entsprechende Symbol erinnert passenderweise an den Inkognito-Modus in Googles Browser Chrome. Wahlweise können Chat-Verläufe auch manuell gelöscht werden.

Im Chat: Bunt, bunt, bunt

Beim Chat selbst habe ich das Gefühl, dass es eher für eine jüngere Zielgruppe konzipiert ist. Im Fokus stehen zahlreiche Sticker, Emojis und Farben. Direkt beim Abschicken von Nachrichten kann man den Text samt eingefügter Emojis per Wischgeste kleiner oder größer machen. Wem die voreingestellten Sticker nicht reichen, kann die App um zahlreiche Sets ergänzen.

Zusätzlich verfügt Allo über fast alle Funktionen, die man auch von Hangouts kennt. So kann man Fotos verschicken, aufnehmen oder direkt seinen aktuellen Standort samt Kartenausschnitt versenden. Im Unterschied zu Hangouts verfügt Allo über eine integrierte Volltext-Suche.

Eine interessante Funktion von Allo ist es, mögliche Antworten auf Chat-Nachrichten vorzuschlagen. Bekommt man etwa ein Foto zugeschickt, wird als Antwort etwa „sieht großartig aus“ vorgeschlagen. Laut Google lernt Allo im Laufe der Zeit dazu und soll so immer bessere automatische Antworten liefern können. Die Vorschläge scheinen in kleinen Blasen an der Unterseite auf und können per Klick verschickt werden. In der Vorab-Version, die wir ausprobieren durften, funktionierten die Vorschläge jedoch nur dann, wenn man auf Englisch chattet.

Google Assistant

Ebenfalls nur auf Englisch hat im ersten Test der neue Google Assistant funktioniert, der in Allo integriert ist. Der Chatbot soll im Alltag allerlei Aufgaben übernehmen können. So kann man Allo etwa auffordern, Wecker zu stellen, Anrufe zu tätigen, Termine einzutragen, oder Fotos anzuzeigen. Allo ist dabei mit anderen Google-Apps wie etwa Gmail, Kalender oder Fotos verknüpft. Hat man in Google Fotos etwa die Gesichtserkennung aktiv, kann man Allo auffordern, Fotos einer bestimmten Person anzuzeigen.

Der Assistant liefert auch Informationen zur aktuellen Umgebung. So kann man etwa nach Restaurants oder Veranstaltungen in der Nähe fragen. Auch über das Wetter kann einen der Assistent informieren. Falls einem langweilig ist, sind auch kleinere Spiele integriert. Dazu zählen etwa ein Trivia-Quiz, aber auch klassische Spiele wie Tic-Tac-Toe.

Informationen ja, Funktionen nein

Grundsätzlich funktioniert der Assistent gut bei allem, wo es darum geht, simple Informationen abzufragen. Hier profitiert die Funktion natürlich stark davon, was die Google-Suche bzw. Google Now schon seit langem beherrscht. Wenn es darum geht, konkrete Funktionen abzudecken, hat der Assistant noch Nachholbedarf.

Das Eintragen von neuen Terminen in den Kalender funktionierte für mich gerade noch so, bei ein wenig komplexeren Aufgaben scheiterte der Assistent schon. Ein Uber zu rufen war genauso wenig möglich, wie eine Tischreservierung bei Open Table zu tätigen. Bei letztem meldete der Assistent zumindest „coming soon“. Die Integration mit anderen Android-Apps wird aber eine Sache sein, die Google in Zukunft noch definitiv ausbauen wird.

Fazit

Wenn man die Funktion, mit seinen Freunden zu chatten, isoliert betrachtet, ist Allo ein bunter Messenger, der zahlreiche Elemente aufweist, die man von den vielen Konkurrenten bereits kennt. Ein wirkliches Killer-Feature konnte ich in den ersten Tagen mit der neuen App nicht für mich entdecken. Praktisch könnten die automatischen Antworten werden, jedoch bleibt hier abzuwarten, wie gut die Vorschläge bei längerem Gebrauch tatsächlich sind bzw. wie es sich auf Deutsch verhält.

Wirklich interessant könnte der Google Assistant werden. Zwar sind die Funktionen im aktuellen Anfangsstadium noch sehr rudimentär, jedoch besteht hier viel Potenzial, die Möglichkeiten noch weiter auszubauen.

Etwas unverständlich für mich ist weiterhin, warum Google in Sachen Messenger weiterhin mehrgleisig fährt, anstatt auf ein Produkt zu setzen, das weiterentwickelt wird. So wird es in Zukunft wohl oder übel passieren, dass man erst überlegen muss, ob man mit einem bestimmten Kontakt auf Hangouts oder auf Allo gesprochen hat, wenn man etwas nachsehen will.