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02/24/2020

Lehrerbewertungs-App: "Wir können nichts gegen Missbrauch machen"

Lernsieg ist wieder da. Laut Benjamin Hadrigan, Gründer der Lehrerbewertungs-App, ist rechtlich alles in Ordnung.

von Andreea Iosa

Sie ist wieder online: Die Lehrer-Bewertungs-App Lernsieg. Nachdem sie im November kurz nach dem Start vom Netz genommen wurde, ist sie nun wieder für alle österreichischen Schüler in ihrer ursprünglichen Version verfügbar.

Hauptzielgruppe sind 11- bis 18-Jährige, die ihre Lehrer unter anderem in den Kategorien Unterricht, Respekt, Geduld, Persönlichkeit und Motivation bewerten. Insgesamt 90.000 Lehrer sind in der Datenbank gespeichert. Die Datensätze hat der Gründer Benjamin Hadrigan manuell auf öffentlich zugänglichen Webseiten der Bildungseinrichtungen erhoben, kopiert und in die App eingespeist, wie er der futurezone erklärt.

Investoren an Bord

In der Zwischenzeit wurde das Team erweitert sowie die finanzielle und rechtliche Situation gesichert. Größtes Bedenken war der Datenschutz. Die österreichische Datenschutzbehörde gibt nach ihrem Prüfverfahren nun grünes Licht: „Die App war immer schon legal und erlaubt und hat somit wieder online gehen können“, sagt der 18-jährige Gründer.

Änderungswünsche seitens der Behörde gebe es nicht. Laut Unterrichtsminister Heinz Faßmann hatte man die aber schon: „Wir haben ein Gutachten in Auftrag gegeben und klar auf die aus unserer Sicht kritischen Punkte hingewiesen. Keiner der Punkte wurde umgesetzt. Das bedauern wir.“ Hadrigan betont, sich unlängst per Brief an Faßmann gewandt zu haben. Ob es zu einem Konsens kommen wird, ist noch offen.

Auch finanziell sei Lernsieg nun auf der sicheren Seite. Neben dem Hauptinvestor Christian Dreyer, der mit 8 Prozent am Unternehmen beteiligt ist, hat Hadrigan die junge Unternehmerin Carmen Schnedl von Empire Invest dazugewonnen. Ihr zufolge bringe die App „frischen Wind in das Bildungssystem.“ Die Höhe der Investitionen bleiben jedoch interne Sache. Mit dem Kapital soll die App künftig weiter ausgebaut werden.

Bedenken bleiben

Und das ist wahrscheinlich auch nötig. Denn auch nach dem Prüfverfahren der Datenschutzbehörde sorgt Lernsieg für ambivalente Gefühle. Einige Bedenken gibt es nämlich noch. Unter anderem sind – nachdem die Funktionalitäten der App nicht geändert wurden – Scheinbewertungen möglich.

Das heißt, dass auch eine fremde Schule theoretisch bewertet werden kann oder Lehrer, die einen vor 20 Jahren „unfair“ behandelt hatten. Hadrigan: „Bei jeder Bewertungsplattform gibt es einen kleinen Spielraum für Missbrauch. Dagegen können wir nichts machen." Eine einzelne Bewertung würde die Gesamtbewertung aber ohnehin nicht beeinflussen.

Das Team rund um Lernsieg würde zudem die höchste Stufe an Sicherheit gewährleisten. Jeder Nutzer muss sich mit seiner Handynummer registrieren. Was mit diesen Registrierdaten passiert, ist laut dem Gründer datenschutzkonform. „Wir werden die Handynummern nicht verkaufen oder sonst etwas damit zu Marketingzwecken machen“, sagt er. Jede Nummer diene als eine Art „Schranke“, damit tatsächlich nur eine einzige Schule bewertet werden könne.

Um als Unternehmen Geld zu lukrieren seien diverse andere Strategien angedacht – unter anderem mit dem Vermitteln von Nachhilfelehrern oder mit Werbeschaltungen von Handelsketten wie etwa Libro oder Pagro. Über die Schaltungen würde das Schülergremium mitentscheiden.

Kommentarfunktion angedacht

Im Sinne der Transparenz sollte es außerdem grundsätzlich möglich sein, dass Lehrer zu den öffentlich gemachten Bewertungen Stellung beziehen können. Eine Kommentarfunktion gibt es allerdings nicht. Ursprünglich wurde sie aufgrund des Risikos einer Diffamierung ausgelassen.

Das Fehlen einer Kommentarfunktion sei aber aus Sicht der Lehrergewerkschaft „schlecht“, wie Hadrigan betont. „Die App steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt er – technische Erweiterungen seien jedoch angedacht. Nicht nur für Lehrer, sondern auch für Schüler. Sein Ziel ist es, gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium sowie der Lehrergewerkschaft „auf Augenhöhe an einem besseren Schulsystem zu arbeiten“. Ob das nach dem zweiten Anlauf realisiert werden kann, wird sich zeigen.