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Apps
07/15/2020

Schreiben wie ein Ägypter: Google übersetzt Text in Hieroglyphen

Der Internetkonzern zeigt mit der Web-App Fabricius, wie moderne Technologie helfen kann, alte Sprachen zu entziffern.

von Patrick Dax

Zum Jahrestag des Fundes des Rosettesteins will es Google jedem ermöglichen, wie die alten Ägypter zu schreiben. Dieser trug maßgeblich zur Entschlüsselung ägyptischer Hieroglyphen bei.

Dazu startete der Konzern jetzt die Web-App Fabricius. Das digitale Werkzeug soll vor allem Experten beim Entziffern von Hieroglyphen helfen, will aber auch der Allgemeinheit die altertümliche Bildsprache und die alte ägyptische Kultur näher bringen.

So können Nutzer sich im Zeichnen von Hieroglyphen üben und auch selbst Botschaften in der Bildsprache erstellen und diese in Online-Netzwerken teilen. Dabei können sie aus vorgegebenen Phrasen wählen oder auch eigene Sätze eintippen.

"Das gloriose Fest deiner Lieferung"

Nicht jeder Ausdruck in modernen Sprachen habe ein Äquivalent im alten Ägypten, sagt Chance Coughenour, der bei Google Arts & Culture den Bereich der Bewahrung des kulturellen Erbes leitet, bei der Präsentation des Web-Tools. Viele Sätze ließen sich aber dennoch in die alte ägyptische Sprache übertragen. "Happy Birthday" könne etwa mit "das gloriose Fest deiner Lieferung" übersetzt werden. Auch der Ausdruck "Hallo" habe in der alten ägyptischen Sprache keine direkte Entsprechung, ließe sich aber mit "Grüße an dich" auf den Punkt bringen.

Hieroglyphen seien Emojis nicht unähnlich, meint der Google-Historiker. Sie seien zwar im alten Ägypten ganz anders verwendet worden als die moderne Bildsprache heute. Emojis seien aber dennoch ein guter Ausgangspunkt, um sich den altertümlichen Bildzeichen anzunähern.

Tool für Wissenschaftler

Herzstück der App bildet ein Web-Tool für Experten, das gemeinsam mit Archäologen entwickelt wurde, und Wissenschaftlern bei der Entzifferung von Hieroglyphen zur Hand gehen soll. "Wir wollten wissen, wie moderne Technologie, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz dabei helfen können alte Sprachen zu dekodieren", sagt Coughenour.

Mit den Google-Programmen ließen sich zwar keine automatisierten Übersetzungen erstellen, sie könnten Experten aber unterstützen und ihre Arbeit beschleunigen. Fabricius biete Wissenschaftlern eine Art Wörterbuch für Hieroglyphen. Anhand visueller Ähnlichkeiten könnten sie mithilfe der künstlichen Intelligenz auch schneller identifiziert werden.

Maschinelles Lernen

Forscher, die Bilder von alten ägyptischen Inschriften hochladen, bekommen von dem Tool 3 Vorschläge für die Übersetzung. Zum Einsatz komme die selbe Technologie, die auch bei Google Fotos verwendet wird, um zu erkennen, was sich auf Bildern befinde, sagt Coughenour. Weil bei der Bilderkennung maschinelles Lernen zum Einsatz komme, werde das Tool auch jedes Mal, wenn es verwendet wird, besser. Die Fehlerquote sei allerdings auch schon jetzt sehr niedrig. "Wir haben es bereits ausgiebig trainiert und getestet."

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Daneben will Google die Nutzer der Web-App, die nach dem deutschen Dichter und Epigrafiker Georg Fabricius (1516 - 1571) benannt und in englischer und arabischer Sprache verfügbar ist, auch mit der Kultur des alten Ägyptens vertraut machen.

Dazu wurden Veröffentlichungen zahlreicher kultureller Institutionen auf einer Themenseite zusammengefasst. Auch die Pyramiden von Gizeh können dort über Google Street View virtuell besucht werden. Und weil die Kultur der alten Ägypter auch eine der Katzenliebhaber war, gibt es jede Menge Katzenbilder zu sehen.

Grand Egyptian Museum is calling for the return of the Rosetta Stone to Egypt

Ein Stein als Schlüssel

Heute vor 221 Jahren, am 15. Juli 1799, machten Napoleons Truppen in der Nähe der Ortschaft Rosette im ägyptischen Nildelta einen außergewöhnlichen Fund. Der Offizier Pierre Francois Xavier Bouchard stolperte mit seinem Pferd beinahe über das Überbleibsel einer alten Schrifttafel. Auf ihr fand sich ein altes Priesterdekret, das in 3 Schriftblöcke - in Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch - eingemeißelt war.

Sprachforscher, die davor fast 2.000 Jahre lang über die Bedeutung der ägyptischen Bildzeichen gerätselt hatten, hielten nun einen Schlüssel für deren Verständnis in der Hand. Davon ausgehend konnten sie zahlreiche weitere Inschriften entziffern. 1801 mussten die Franzosen den Fund nach der Niederlage Napoleons den Briten überlassen. 1802 wurde der Stein von Rosette erstmals im British Museum in London ausgestellt, wo er er noch heute zu sehen ist.