Vergangenes Jahr fand die Veranstaltung im Odeon statt, dieses Jahr wandert sie in das Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste

© DPA/Britta Pedersen

B2B
03/07/2014

3D-Druck: “Jeder kann Schuhe für Nike produzieren”

Im Vorfeld der Konferenz PRINT3Dfuture präsentiert die futurezone Projekte aus dem Bereich 3D-Druck: 3D Hubs zeigt, wie ein Drucker-Netzwerk die Industrie verändern könnte.

3D Hubs, ein Start-up aus Amsterdam, bringt Besitzer von 3D-Druckern und Menschen, die gerne etwas produzieren möchten, zusammen. Das Unternehmen existiert seit einem Jahr (die futurezone berichtete) und erfreut sich enormer Wachstumsraten, wie Community-Manager Filemon Schoffer im Vorfeld der PRINT3Dfuture-Konferenz im futurezone-Interview erklärt. Weltweit stellen bereits 3.500 Mitglieder des Netzwerks ihre 3D-Drucker vorwiegend privaten Nutzern zur Verfügung. In Wien gibt es derzeit 16 Geräte, die Kunden nutzen können, österreichweit sind es deutlich mehr.

“Derzeit wird unser globales Produktionsnetzwerk hauptsächlich zur Produktion von Gimmicks verwendet. Das soll sich in den kommenden Jahren aber ändern. Wir verhandeln bereits mit Firmen, die unser Netzwerk für die professionelle Fertigung nutzen wollen”, erklärt Schoffer. Kleinere Produzenten, etwa ein Hersteller von Lampen aus Beton, nutzen 3D Hubs schon heute für die Produktion kleiner Stückzahlen. Durch die verschiedenen Druckertypen im Netzwerk steht auch eine Vielzahl möglicher Druck-Materialien zur Verfügung. Von Metall über Kunststoff bis zu Beton, ein- oder mehrfarbig, ist alles vorhanden.

Technischer Fortschritt
3D Hubs hofft, dass die Druck-Technologie sich in den kommenden Jahren weiter schnell entwickeln wird, damit es mehr Firmenaufträge gibt. “Es existieren bereits Prototypen von gedruckten Schuhen. Firmen wie Nike spielen mit dieser Idee. Unser Netzwerk böte praktisch jedem die Möglichkeit, Schuhe für Nike zu produzieren, sofern ein 3D-Drucker verfügbar ist. In einigen Jahren wird die Druckqualität so weit sein”, sagt Schoffer. Die Vision von 3D-Hubs ist, dass die Industrie ihre Produktion von “intransparenten Firmen in China” zurück nach Europa bringt, wo dann maßgefertigte Produkte “on demand” produziert werden könnten. Schuhe sind dabei nur ein Beispiel, das Potenzial geht laut 3D Hubs weit darüber hinaus.

Dieser Vision stehen derzeit allerdings noch einige Hindernisse im Weg. Haftungsfragen bei möglichen Konflikten zwischen Anbietern und Käufern, Qualitätssicherung und andere rechtliche Aspekte - etwa mögliche Urheberrechtsverletzungen - sind derzeit noch nicht abschließend geklärt. “Wir sind ein kleines Unternehmen mit 14 Mitarbeitern, davon einige Praktikanten. Derzeit haben wir keine Probleme mit Haftung und rechtlichen Fragen. Seit es uns gibt, gab es vielleicht drei Streitfälle, bei denen wir eingeschritten sind und die beschwerdeführende Partei ausgezahlt haben. Wir wissen aber, dass eine wachsende Community neue Probleme bringt und haben Konzepte - etwa entsprechende Versicherungen - in Planung”, erklärt Schoffer. Die Qualitätssicherung soll längerfristig über eine Zertifizierung sichergestellt werden, der sich Drucker-Betreiber freiwillig unterziehen können.

Geschäftsmodell
3D Hubs versteht sich als Marktplatz, auf dem die Geschäfte angebahnt werden. Kunden können sehen, welche technischen Möglichkeiten einzelne Hubs bieten und sich einen Anbieter nach ihren Anforderungen aussuchen. Die Basis-Preise werden je nach benötigtem Materialvolumen automatisch berechnet und die eingesendeten 3D-Modelle durch Algorithmen geprüft. Alle Details, wie etwaige Preis-Aufschläge, Sonderwünsche oder Liefer- beziehungsweise Abholmodalitäten werden zwischen Anbieter und Interessent im Dialog geklärt, 3D Hubs schreitet nur ein, wenn es zu Problemen kommen sollte.

Durch das denzentrale Netzwerk können Kunden praktisch überall auf der Welt lokal Aufträge vergeben und die Produkte dann in ihrer Nähe abholen. 3D Hubs bekommt 15 Prozent des Kaufpreises als Provision, der Rest geht an den Drucker-Betreiber. Das Geschäftsmodell funktioniert laut Schoffer bereits, das Unternehmen ist derzeit aber noch auf Venture-Kapital, das vorerst ausschließlich aus Europa stammt, angewiesen. Das Unternehmen will aber schon in absehbarer Zukunft schwarze Zahlen schreiben.

“Ich glaube an eine neue industrielle Revolution durch dezentralisierte Produktions-Ressourcen. Die Qualität der gedruckten Produkte steigt, in einigen Jahren wird sie professionelles Niveau erreichen. Es kann natürlich sein, dass es länger dauert, weil es einen zwischenzeitlichen Einbruch gibt, aber es wird passieren”, ist sich Schoffer sicher. Die Plattform selbst ist auf eine Kommerzialisierung gar nicht angewiesen. “In welchem Ausmaß das passiert, entscheidet die Community. Wir wollen Firmen die Möglichkeit geben, unser Netzwerk zu nutzen, aber die Mitglieder sind das Wichtigste”, so Schoffer.

Interessenten, die 3D Hubs ausprobieren möchten, können das auf der Webseite tun. Mit dem Gutschein-Code “3Dhubsrocksvienna” gibt es Rabatt auf den Standardpreis. Wer gerne mehr Zeit investieren möchte, kann sich auch bei 3Dhubs um einen Job bewerben. “Wir suchen derzeit fünf neue Praktikanten. Deutschsprachige Bewerber haben sehr gute Chancen, weil wir dort noch eine Lücke in unserem Team haben”, sagt Schoffer.

PRINT3Dfuture
Weitere allgemeine Informationen zum Thema 3D-Druck sowie einen Überblick über andere spannende Projekte aus der Welt der additiven Fertigungstechnik wird es auf der PRINT3Dfuture-Konferenz am 27.3. im Wiener Odeon-Theater geben. Karten gibt es hier.