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Bernd Greifeneder, Gründer und CTO des "Software Intelligence"-Spezialisten Dynatrace

© Dynatrace

B2B
11/03/2020

70 der 100 größten Firmen nutzen Technik aus Linz

Das in Linz gegründete Dynatrace ist Weltmarktführer bei "Software Intelligence" und wächst trotz Corona-Krise rasant.

von David Kotrba

"Hidden Champions" verstecken sich in Österreich ja einige. Eines dieser Unternehmen, die im Allgemeinen wenig bekannt sind, sich in internationalen Fachkreisen allerdings großer Beliebtheit erfreuen, ist Dynatrace. Das in Linz gegründete Unternehmen ist Weltmarktführer bei "Software Intelligence" und zählt 70 der 100 größten Konzerne der Welt zu seinen Kunden. Obwohl das Unternehmen mittlerweile in US-Besitz ist und an der New Yorker Börse gelistet ist, gilt das Linzer Forschungs- und Entwicklungshauptquartier als Herz des Unternehmens. Die futurezone war zu Besuch.

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Automatisierung

Was Dynatrace macht, beschreibt Gründer und Cheftechniker (CTO) Bernd Greifeneder so: "Jeder von uns nutzt die Vorteile der Digitalisierung. Man macht Online-Banking, verwendet Apps, lässt sich Waren nach Hause liefern. Überall dahinter läuft Dynatrace, um diese digitalen Dienste zu beobachten und zu optimieren. Auf Basis dieser Beobachtung werden sie von uns automatisiert, damit sie immerwährend gut funktionieren." Kunden werde Arbeit beim Betrieb komplexer Online-Dienste abgenommen, damit sie ihre Energie auf neue Produkte richten können. Dynatrace verfolge dabei moderne Ansätze und setze Technologien ein, die es ermöglicht, Software selbstheilend zu betreiben. Treten Fehler auf, werden sie mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) automatisch korrigiert.

Greifeneder bringt dazu einen Vergleich: "Wir helfen Kunden dabei, ihren IT-Betrieb so zu automatisieren, dass man statt in einem Auto mit Handschaltung in einem autonomen Fahrzeug sitzt." Besonders wichtig sei die Automatisierung von IT-Systemen, wenn es darum gehe, Dienste in der Cloud laufen zu lassen. Dynatrace helfe dabei, diesen "Schritt in die Komplexität" und die "Vielzahl der beweglichen Komponenten" der verteilten Datenverarbeitung zu meistern.

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Besser als Silicon Valley

Die Dienste des 2005 gegründeten Unternehmens sind heute gefragter denn je. Ein Kunde ist etwa die US-amerikanische Supermarktkette Walmart. "Die haben über 200.000 Server. Da geht es nicht nur darum, einen Online-Shop zu betreiben, sondern die gesamte Logistik, Kassen, Zuliefer zu managen", sagt Greifeneder. Er geht davon aus, dass viele Unternehmen bald über eine Million Server betreiben müssen. Ermöglicht wird diese Größenordnung erst durch vollständige Automatisierung und den Einsatz von KI. Ähnliche Ansätze verfolge freilich auch die Konkurrenz, die laut Greifeneder vor allem an der US-Westküste (v.a. im Silicon Valley) zu finden sei. "Aber wir haben die Nase voran."

Der Firmensitz von Dynatrace befindet sich in Boston. Innerhalb des Unternehmens gebe es aber eine klare Aufgabenverteilung: "Amerikaner sind üblicherweise besser im Marketing und auch im Vertrieb, aber wir können besser entwickeln." Dass der Erfolg des Unternehmens maßgeblich auf der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in Europa beruhe, sei eine besondere Genugtuung. In Österreich betreibt Dynatrace neben dem Standort in Linz noch "R&D-Labs" in Graz, Klagenfurt, Hagenberg und seit neuestem auch in Wien, darüber hinaus aber auch in Barcelona und Danzig.

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Start-up-Feeling

Das Gebäude in Linz wurde erst vor einem Jahr bezogen und strahlt einen ähnlichen Flair aus, wie man es von den Büros von Google, Facebook und Co. kennt: Mitarbeiter aus über 40 Ländern, Umgangssprache Englisch, großzügige Büros, verspielte Dekoration (Schaukeln am Gang), ein stylisches Restaurant, eine Bibliothek mit Aussicht über die Stadt und ein Barista sorgt für Spitzenkaffee. Zugezogene Mitarbeiter erhalten von einer eigenen Mitarbeiterin Hilfe bei Dingen wie Wohnungssuche, heimischer Bürokratie und sozialem Anschluss.

"Die Arbeitssituation bei Dynatrace ist zwei bis drei Größenordnungen über dem Silicon Valley", meint Florian Dorfbauer, der den neuesten Firmenstandort in Wien leitet. Ein ansprechendes Büro und österreichische Lebensqualität seien aber nur zwei Annehmlichkeiten. "Wichtiger ist, dass ich mich entfalten und mein Potenzial ausschöpfen kann. Dazu braucht es eine entsprechende Firmenkultur." Besonders flache Hierarchie und große Entscheidungsfreiheit seien die Schlüssel dazu, sagt Greifeneder: "Bei uns herrscht das Autonomieprinzip: Jeder kann eine Entscheidung treffen, solange er davor alle davon Betroffenen konsultiert."

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Nur die besten Fachkräfte

Das Unternehmen habe die Ambition, der beliebteste Arbeitgeber für IT-Fachkräfte zu sein. "Ich wünsche mir, wenn ich ein Gespräch von zwei Entwicklern an einer Bar höre, wo der eine den anderen fragt, wo er sich bewerben soll, dass der Name 'Dynatrace' fällt", sagt Greifeneder. Der Bedarf an neuen Mitarbeitern sei enorm, die Qualitätsansprüche aber auch: "Wir stellen nicht Mitarbeiter ein, um ihnen zu sagen, was zu tun ist. Sie sollen stattdessen mir sagen, was das Richtige ist, um unsere Vision zu erfüllen."

Derzeit arbeiten mehr als 2400 Personen an 50 Firmenstandorten auf allen Kontinenten. Davon sind mehr als 800 in Forschung und Entwicklung beschäftigt. Die Softwareentwicklung soll in den nächsten Jahren auf 3000 Mitarbeiter anwachsen. Ein Erweiterungsschwerpunkt, dem sich vor allem das neue Team in Wien widmet, nennt sich "Extensibility", erklärt Dorfbauer. Dynatrace will sich für Anbieter von Apps öffnen, um die eigene Plattform zu einem ganzen Ökosystem zu erweitern. Ein weiteres Zukunftsprojekt ist der Einstieg in den Cybersecurity-Bereich. Greifeneder: "Dynatrace sitzt schon in den Diensten von Unternehmen drinnen. Dadurch haben wir eine Goldmine an Daten, um Sicherheitsfragen zu beantworten."

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Dynatrace wurde 2005 von Sok-Kheng Taing, Hubert Gerstmayr und Bernd Greifeneder gegründet, um Unternehmen dabei zu helfen, stabile Online-Shops zu betreiben. Eine der Schlüsseltechnologien dabei war das "dynamic tracing", also das Rückverfolgen von Fehlern durch verschiedene Systemebenen – daher der Firmenname. Das Geschäftsmodell stieß bald auf Begeisterung, sowohl bei Kunden als auch Investoren. 2009 hielten zwei US-Investmentfirmen zwei Drittel der Firmenanteile.

2011 übernahm der US-Großrechner-Spezialist Compuware Dynatrace zur Gänze und half maßgeblich bei der weltweiten Expansion. 2014 übernahm der US-Investor Thoma Bravo Compuware. Dynatrace wird abgespaltet und als eigenständiges Unternehmen positioniert. Im selben Jahr wurde Dynatrace auf eine neue technische Basis gestellt, um besser für Cloud-Anwendungen gerüstet zu sein. Heute ist der Firmensitz in Boston, Forschung und Entwicklung blieben in Europa.

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