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B2B
07/02/2019

Das "gute" Uber: Was Free Now anders machen will

Während Uber (noch) in einer Grauzone agiert, will sich Free Now an den Wiener Taxitarif und anderen Regelungen halten.

von Andreea Iosa

Ab 2. Juli wird die Taxi-App mytaxi unter dem Namen "Free Now" geführt. Doch nicht nur der Name ändert sich, sondern auch das Angebot: Neben Taxi-Diensten will das deutsche Unternehmen den Kunden auch E-Scooter bereitstellen. Während Free Now, ein gemeinsamer Mobilitätsdienstleister der Autohersteller BMW und Daimler (Car2Go, DriveNow), seine Präsenz ausbauen will, könnte im Gegenzug das US-amerikanische Unternehmen Uber hierzulande schon bald passé sein, denn dieses agiert in einer Grauzone. Das macht die neue Plattform anders.

Nur noch lizensierte Fahrer

Mit dem neuen Gelegenheitsverkehrsgesetz, das höchstwahrscheinlich am Mittwoch beschlossen wird, könnten digitale Vermittlungsplattformen wie Uber in Österreich nicht mehr bestehen. Dagegen will das US-amerikanische Dienstleistungsunternehmen mit einer Petition vorgehen. Das Gesetz soll einheitliche, höhere Tarife und einen verpflichtenden Taxischein für alle Taxi- und Mietwagenfahrer einführen. Für Free Now kommt das Gesetz gelegen: Die Plattform arbeitet seit jeher mit lizenzierten Taxifahrern und hält sich an den Wiener Taxitarif.

Mietwagen und Taxi sollen zudem zusammengelegt werden und zu einheitlichen Tarifen fahren. Für Free Now bedeutet die Reform zum Einheitsgewerbe einen fairen und transparenten Wettbewerb für alle Marktteilnehmer. „Es muss einen Wettbewerb geben, aber auch einen fairen Rahmen, damit sich dieser entwickeln kann“, sagt Sarah Lamboj, Geschäftsführerin der mytaxi Austria GmbH.

Preissicherheit und Preistransparenz sind ihr zufolge essenziell. Dennoch seien Mindest- und Höchstpreise begrüßenswert, um einerseits ein angemessenes Verdienstniveau des Fahrpersonals zu gewährleisten, andererseits unkontrollierte Preissprünge zu verhindern. Free Now nimmt 15 Prozent vom Fahrpreis ein, während Uber 25 Prozent vom Umsatz bekommt.

"Urbane Mobilität verändert sich"

„Die urbane Mobilität verändert sich“, sagt Lamboj und ergänzt: "Jede Stadt hat andere Bedürfnisse". Free Now will daher auch in Richtung Mikromobilität gehen. Stichwort: E-Scooter. Lamboj zufolge würde es immer wichtiger für die Gesellschaft, sich in der Stadt frei bewegen zu können. Das vormals hauseigene E-Scooter-Unternehmen hive soll in diesem Jahr noch in die Free Now-App integriert werden.

Laut Thiago Ibrahim, Expansionschef von hive, ist es wesentlich, Mikromobilität auf nachhaltige Weise für Umwelt und Fahrer verfügbar zu machen. Free Now würde in Zukunft den Fahrgästen außerdem Vorschläge machen, wie sie am besten ihr Ziel erreichen.

Taxifahrten und somit auch Kosten sollen in Zukunft mit anderen Passagieren geteilt werden können. Die Kostenaufteilung würde automatisch über die App stattfinden. Dieses Angebot hängt laut Lamboj jedoch von der jeweiligen Stadt ab. In Polen und Deutschland sei diese Funktion bereits aktiv. Nun will Free Now gemeinsam mit der Stadt Wien eruieren, ob das Taxi-Sharing auch in Wien sinnvoll ist.

Kritik an Gelegenheitsverkehrsgesetz

Für das Gelegenheitsverkehrsgesetz, das am 3. Juli beschlossen wird, stimmten die Antragsteller von ÖVP, SPÖ und FPÖ. Die Abgeordneten von NEOS und JETZT sprechen sich jedoch gegen die Taxi-Reform aus. Hintergrund: Im Taxigewerbe gibt es fixe Preise, die am Taxameter angezeigt werden. Bei Mietwägen kann der Preis aktuell noch frei vereinbart werden und niedrigere Preise als Taxis anbieten. Das soll es nun nicht mehr geben.

Die NEOS und JETZT sind dagegen, denn: "Es braucht für Taxis und Mietwagen gleiche Regeln, aber nicht die völlig veralteten des Taximarktes und nicht auf Kosten des Wettbewerbs und der Konsumentinnen und Konsumenten", kritisierte Douglas Hoyos in einer Pressekonferenz im Juni.